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Saatgutbehandlung

Beizmittel für Getreide 2021: Das sind neue Produkte und Vorschriften

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am Dienstag, 31.08.2021 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Gegen Drahtwurm und Brachfliege ist eine neue insektizide Beize zugelassen. Zudem gelten neue Vorschriften für Beizanlagen. Hier der aktuelle Stand zu den Auflagen bei Beizmitteln für Wintergetreide.

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Nach langer Durststrecke ohne insektiziden Pflanzenschutz am Saatgut lässt sich ab diesem Herbst wieder eine insektizide Getreidebeize einsetzen, die gegen wichtige Schadinsekten wirkt: Signal 300 ES (UPL) mit dem Wirkstoff Cypermethrin hat eine Zulassung in Winterweizen und Wintergerste.

Sie wirkt nach Herstellerangaben gegen den Schnellkäfer, also gegen Drahtwürmer, und mindert den Befall mit der Getreidebrachfliege. Der Aufwand liegt bei 200 ml pro 100 kg Saatgut, höchstens 440 ml/ha entsprechend maximal 220 kg/ha Saatgut.

Weitere insektizide Beizen, etwa gegen Blattläuse, Zikaden als Virusvektoren oder gegen Krähen, sind in Getreide in Deutschland zurzeit nicht zugelassen.

Diese neuen Vorschriften gelten ab 2022 für Getreidebeizmittel

Noch 2022 müssen alle Beizgeräte in Deutschland amtlich kontrolliert sein. Betroffen sind beoispielsweise folgende Beizmittel:

  • Vibrance trio (Syngenta) oder Rubin plus (BASF) gegen Schneeschimmel und Fusarium etwa dürfen ab 2022 nur noch in professionellen Beizanlagen angebeizt werden. Die bis dahin verschobenen Auflagen NT 699 und NT 715 beschränken den Einsatz auf Saatgutbehandlungseinrichtungen mit geprüfter Qualitätssicherung. Das soll die Beizqualität sichern und den für Bienen und andere Insekten gefährlichen Abrieb begrenzen. Eine Listung als professionelle Beizanlage lässt sich über eine Zertifizierung nach SeedGuard oder über eine Prüfung vom Julius Kühn-Institut (JKI) erreichen.
  • Latitude XL (Certis) als Spezialbeize gegen Schwarzbeinigkeit soll künftig die sogenannte „Windauflage“ NH 681 erhalten. Danach darf gebeiztes Saatgut nur bei Windgeschwindigkeiten von weniger als 5m/sec ausgebracht werden. Das gilt aber erst ab kommendem Jahr.
  • Signal 300 ES (UPL) ist mit einer Reihe von Auflagen versehen: Unter anderem gilt die Windauflage (NH 681). Sie darf nur in professionellen Beizanlagen mit Systemen zur Qualitätssicherung zur Staubminderung angebeizt werden (NT699-1), und die Wirkstoffmenge im Staubabrieb ist begrenzt (NT714-2).

Diese wichtigen fungiziden Beizmittel sind 2021 für Gerste zu haben

Für Gerste sind folgende Beizmittel zu haben. Sie sind alle gegen Flugbrand und Streifenkrankheit erlaubt, wobei sich mit Rubin plus auch Typhula-Fäule bekämpfen lässt.

  • Rubin plus (BASF) mit 150 ml/dt und Rubin TT (BASF) mit 250 ml/dt in Wintergerste,
  • EfA (Bayer) mit 200 ml/dt Aufwand in Wintergerste, wobei die Zulassung widerrufen wurde,
  • Vibrance Trio und Landor CT (Syngenta) mit jeweils 200 ml/dt,
  • Orius Universal (Adama) mit 200 ml/dt,,

In den vergangenen Jahren wurden zusätzlich auch Wirkstoffe aus der Gruppe der Strobilurine und Carboxamide in etliche Beizmittel integriert. Beispiele dafür sind etwa Vibrance Tro oder Rubin plus.

Diese Getreidebeizen fallen künftig weg

Zwei bekannte Gerstenbeizen sind zur Saat im Herbst 2021 bereits nicht mehr zu haben:

  • Baytan 3 (Bayer) und
  • Zardex G (Syngenta).

Erstere ist mit dem Widerruf des Wirkstoffs Triadimenol nicht mehr verfügbar, die Aufbrauchfrist endete Ende Februar 2021. Zweitere wird nicht mehr hergestellt. Restmengen müssen bis Ende November 2022 aufgebraucht werden. Weitere Wirkstoffe stehen auf dem Prüfstand, etwa Triaoxid im Beizpräparat

  • EfA (Bayer).

Die EU hat den Wirkstoff zu Ende September 2021 widerrufen. Das Beizmittel darf bis Ende März 2022 verkauft werden und muss bis Ende März 2023 aufgebraucht sein.

Diese Beizmittel lassen sich für Weizen, Roggen und Triticale nutzen

In Weizen ist besonders auf eine ausreichende Wirkung gegen Steinbrand, Flugbrand und Fusarien zu legen. Schneeschimmel ist vor allem bei späteren Saatterminen bedeutsam. Beizen mit entsprechendem Wirkungsspektrum sind zum Beispiel

  • Arena C, EfA und Toledo (Bayer). Letzteres enthält Fluoxastrobin und Prothioconazol.
  • Landor CT, Vibrance Trio und Celest (Syngenta). Letztere ist laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen bei der Saatgutvermehrung ungünstig, weil sie nicht gegen Flugbrand wirkt.
  • Rubin plus und Rubin TT (BASF),
  • Orius Universal (Adama),
  • Difend extra (Certis). Sie ist in Weizen und Triticale auch gegen Zwergsteinbrand zugelassen.

Diese biologischen Getreidebeizen sind zugelassen

Alternativen zur chemischen Beizung sind etwa Bodenbakterien der Gattung Pseudomonas.

  • Cerall (Koppert) ist eine solche biologische Beize auf bakterieller Basis. Der Aufwand beträgt 1.000 ml/dt Saatgut für Weizen, Roggen und Triticale. Die wasserbasierte anwendungsfertige Suspension besteht aus Pseudomonas chlororaphis-Stämmen, die das Bodenleben im Wurzelraum anregen. Sie wirkt in Weizen gegen Steinbrand, Fusarium und Septoria nodorum. In Roggen und Triticale ist sie gegen Fusarium zugelassen.
  • Cedomon (Koppert), enthält ebenfalls den Wirkstoff Pseudomonas chlororaphis, Stamm MA342. Sie ist für Gerste und Dinkel zugelassen und benötigt 750 ml/dt Saat. Das auf Rapsöl basierende Präparat wirkt gegen Streifenkrankheit, Netzflecken und Fusarium sowie in Dinkel gegen Steinbrand.
Mit Material von Petra Henze. Landwirtschaftskammer Niedersachsen
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