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strip till

Betrieb Scheurich setzt auf Streifensaat

Marco-Scheurich. Spessart
am Montag, 11.06.2018 - 10:39 (Jetzt kommentieren)

Marco Scheurich sät anders als viele Berufskollegen. Auf seinen tonigen Böden setzt er auf Streifen- und Direktsaat. Gleichzeitig düngt er Unterfuß.

Im Betrieb am Rande des Spessarts hat Vater Reinhold schon vor über 20 Jahren den Pflug verbannt. Das führte aber auch zu mehr Ackerfuchsschwanz, Trespe und Weidelgras. So kam das Claydon-System ins Spiel. Das nutzt die Vorteile des Strip-till bei Mähdruschfrüchten.

Erfahrungen selbst sammeln

Scheurich hat eine gebrauchte 6-m-Hybrid M. Der englische Farmer Jeff Claydon hat die Sätechnik für seine 400 ha-Farm mit tonigen Böden 2002 entwickelt. Zu der Zeit war mit der verfügbaren Technik bei niedrigen Getreidepreisen kein rentabler Marktfruchtbau möglich.

Das System sieht nach dem Drusch einen Strohstriegel vor, um Unkraut und Ausfallgetreide zum Auflaufen zu bringen und Feinerde für den Saathorizont herzustellen. Nach dem Einsatz von Glyphosat wird gesät. Die Drille lockert tief und düngt gleichzeitig Unterfuß.

Das Saatband wird über verschieden breite Zinken, die sich in einem Abstand von 33 cm befinden, rechts und links neben dem gelockerten Streifen abgelegt. Standardmäßig ist ein 18 cm breites Gänsefußschar montiert, optional sind auch 36 cm für ganzflächigen Schnitt, 12 cm oder 5 cm Breite möglich. Auch Mikrogranulate lassen sich bei der Saat ausbringen.

Grüne Brücke brechen

Der Betriebsleiter will den Einsatz von Glyphosat vermeiden. So bearbeitet er den Boden mit etlichen Geräten: Ein Horsch Flachgrubber mit 30 cm-Scharen und dreireihigem Strohstriegel. Weiter eine Saphir-Großfederzinkenegge mit Güttler-Walze. Wichtig ist, ein Anwachsen des Unkrauts zu vermindern. Nur so lässt sich die grüne Brücke brechen.

Die Walze Synthetik-ultra sorgt für Feinerde, drückt aber wegen ihres geringen Gewichtes bei hohen Fahrgeschwindigkeiten die zuvor abgeschnittenen Pflanzen nicht wieder an. Die Bearbeitung reicht 5 cm tief. Der Flachgrubber wird von einem 160 PS Schlepper gezogen. Das ist unter‘m Strich nicht teurer als der Glyphosateinsatz, so Marco Scheurich.

Hoher Zugkraftbedarf

Bei der Saat zieht die Drille ein Vario 930. In der Fronthydraulik findet sich der Düngertank. Wegen des Zugkraftbedarfs ist im Heck noch ein Traktionsverstärker angebaut. Bei der Rapssaat stellt er die Lockerungszinken auf 20 cm unter dem Saathorizont ein.

Bei der Herbstaussaat werden 15 cm und im Frühjahr 10 cm gelockert. Durch den schmalen Lockerungszinken kommt es zu keinerlei Schmierschichten oder groben Bodenaufbrüchen. Das tiefe lockern, das sonst der Grubber machte, erledigt jetzt die Drille. Gleichzeitig wird Unterfuß gedüngt.

Das System hat sich bei Scheurich bewährt. Der Landwirt ist witterungsunabhängiger, da ein größerer Teil des Bodens einfach unberührt bleibt. Durch die streifenweise Lockerung versickert Starkregen sehr schnell. Das wirkt wie eine Mikrodrainage. Die Tragfähigkeit und Befahrbarkeit der Böden ist besser geworden.

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