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Boden- und Pflanzenernährung

Biostimulanzien: Wann Algen aus dem Meer Mehrertrag bringen

Algenpräparat_Braunalgen
am
11.03.2019

Die neue Düngeverordnung fordert weitaus mehr Effizienz. Die gedüngten Nährstoffe müssen bei der Pflanze ankommen. Präparate aus Meeresalgen können dabei helfen.

Mit der Düngeverordnung und mehr Nachhaltigkeit zählt maximale Düngeeffizienz. „Bei einem handelsüblichen Düngeprodukt werden oft nur rund 60 Prozent des Stickstoffs und etwa 20 Prozent des Phosphors von den Kulturen aufgenommen“, sagt Claudia Haarhoff von Timac. 

Der Rest wird ausgewaschen, festgelegt, geht gasförmig verloren oder wird in organische Verbindungen verbaut. Und die Folgen, die sich daraus für die Ertragsleistung der Kulturen ergeben, zeigen sich spätestens bei der Ernte.“ 

Haarhoff: „Eine niedrige Effizienz der Düngung zeigt: der handelsübliche Dünger kann nicht die einzige Lösung sein.“ Bioaktive Substanzen aus Algen mit vielfältigen Signalwirkungen eröffnen neue Wege, um das Ertrags- und Qualitätspotential besser auszunutzen.

Algenpräparate für Ackerböden

Biostimulanzien sind natürliche Substanzen, die zum Beispiel aus Algen extrahiert werden. Sie wirken auf die Physiologie der Pflanzen. Das verbessert Ertrag, Vitalität, Qualität und Lagerfähigkeit der Ernte. 

Forschungsergebnisse zeigen, dass die Wirkung von Biostimulanzien stark von den äußeren Umständen abhängt. Positive Effekte gibt es vor allem unter Stressbedingungen. Nach Angaben des Anbieters Timac gilt das besonders bei Biostimulanzien aus pflanzlichen Extrakten wie Algen.

Der Vorteil von nicht mikrobiellen Präparaten sei zudem, dass sie sich flexibel als Blattspritzung ausbringen lassen. In ihnen seien so gut wie keine Nährstoffe enthalten, die bilanziert werden müssen.

So funktionieren Algenextrakte

Algenextrakte wirken, indem sie molekulare Muster erkennen. Ihre Moleküle, zum Beispiel Zeatin, weisen ein spezielles Muster auf, das die behandelte Kultur erkennt. Das ruft Reaktionen in der Pflanze hervor. 

Wurzelsystem und Nährstofftransport werden angeregt, Wurzelhaarentwicklung und  Nährstoffverteilung verbessert. So können die Kulturen den maximalen Nutzen aus den Kapazitäten an Bodennährstoffen ziehen.

Außerdem steigt die Fotosyntheserate. Die Assimilate werden umverteilt und mobilisieren Nährstoffe in Richtung wachsender Organe. So wird der Pflanze mehr Energie bereitgestellt. 

Biostimulanzien bringen früh Anti-Stress-Reaktionen. Algenextrakte veranlassen die Kulturen, weniger Aktivitätspausen einzulegen. Das garantiert kontinuierliches Wachstum auch unter Stress, so der Anbieter.

Gelangen Algenextrakte über den Boden in die Pflanze, ist ihre Signalwirkung in der Lage, die Calcium-Aufnahme zu erhöhen. Davon profitiert nicht nur die Zellwandstruktur, sondern auch der Nährstofftransport und die Synthese von Wachstumshormonen.

Algenkalke seit rund 60 Jahren am Markt

Rot- und Braunalgen kommen in küstennahen Meereszonen vor. Sie haben keine Wurzeln, um Nährstoffe und Wasser aufzunehmen. Das geht über die Blätter. Sie wachsen unter permanentem Stress: Das ist etwa ein extremer Tidenhub von über 10 m. Der führt dazu, dass die Algen bei dunklem wie bei taghellem Licht im Wasser oder im Trockenen leben. Trotzdem legen Algen in kürzester Zeit bedeutend an Biomasse zu.

Timac bietet Präparate zur Pflanzen- und Tierernährung. Der Konzern aus dem französischen Saint Malo feiert 2019 sein 60-jähriges Jubiläum. 1959 entstand die erste Mahlanlage für Algenkalk. Daniel Roullier gründete Timac („Transformation Industrielle du Maerl en Amendement Calcaire“). 1974 wurde das erste Granulationswerk gebaut, das größte steht in Brasilien. 5.700 Mitarbeiter arbeiten inzwischen in 39 Ländern.

Fazit: Biostimulanzien mit Substanzen aus Algen gewinnen Marktanteile. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Umwelt- und Gesetzeslage mehr Effizienz nötig machen.

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