Login
Getreide

Blattkrankheiten am Winterweizen identifizieren

© Mühlhausen/landpixel
von , am
01.04.2014

Der Winterweizen ist in diesem Frühjahr seiner Entwicklung voraus. Auf vielen Schlägen wird der Befall von Mehltau, Gelb- und Braunrost deutlich sichtbar.

Braunrost am Winterweizen: Ovale rostbraune Pusteln mit pulvrigem Inhalt auf Blattober- und -unterseite. © Mühlhausen/landpixel
Durch den milden Winter ist die Vegetationsruhe nahezu ausgeblieben. Die milden Temperaturen begünstigen zudem eine frühe Entwicklung der Winterkulturen. Sie sind vom Entwicklungsstand teilweise drei bis vier Wochen voraus. Die warme Witterung begünstigt aber auch gewisse Pilzkrankheiten. So zeigen sich im Getreide vor allem Mehltau, Gelb- und Braunrost sowie Verbräunungen an der Halmbasis. Aber auch Septora-Blattdürre ist in einigen Beständen erkennbar.
 
Umfrage: In unserer agrarheute-Umfrage wollen wir feststellen, welche Blattkrankheiten beim Weizen vorherrschen. Nehmen Sie an unserer Umfrage siehe rechte Spalte teil ...
 

Echter Mehltau (Erysiphe graminis)

  • Schadbild (siehe Bildergalerie): Auf Blättern watteartige weiße Pusteln, später filzartige schmutziggraue Überzüge. Vergilben und Absterben der Befallsflächen. Auf abreifenden Pflanzen in diesem Pilzgeflecht kleine schwarze Fruchtkörper des Erregers. Auf Ähren Pusteln, später Verbräunungen, zuerst an den Spelzenlängskanten.
  • Befallsvoraussetzungen: Befallene Ernterückstände, infiziertes Ausfallgetreide und befallene Nachbarschläge. Großflächiger Anbau anfälliger Sorten; frühe Winterweizen-, verspätete Sommerweizensaat; Nachbarschaft von Winter- und Sommerweizen; mastige Bestände mit hoher Stickstoffversorgung; Anbau in Flussauen sowie windgeschützten Waldlagen. Warme Witterung (Optimum 15-22 Grad) in weitem Luftfeuchtebereich; keine heftigen Niederschläge; geringe Sonneneinstrahlung.
  • Vorbeugung: Sorgfältige Beseitigung von Strohresten und aufgelaufenem Ausfallgetreide. Wahl wenig anfälliger Sorten; räumliche Trennung von Winter- und Sommerweizen; keine zu frühe Winterweizenbestellung, jedoch frühe Aussaat von Sommerweizen. N-Düngung nach Bedarf, in mehreren Teilgaben.
  • Gezielte Maßnahme: Blattfungizide frühzeitig anwenden, d.h. zu Befallsbeginn, vorgegebene Bekämpfungsschwellen beachten. Morpholinhaltige Fungizide mit guter Kurativleistung, besonders bei kühleren Temperaturen. Fungizide mit Mehltauspezial-Wirkstoffen (z.B. Proquinazid, Cyflufenamid, Metrafenone) schützen behandelte Blätter mehrere Wochen vor Neubefall.

Gelbrost (Puccinia striiformis)

  • Schadbild (siehe Bildergalerie): Auf Blattspreiten vor allem blattoberseits ovale gelborange Pusteln in Streifenform zwischen den Blattadern, später auch auf Blattscheiden und Ähren. Vergilben und Vertrocknen der Blätter erst streifig, bei starkem Befall ganzflächig. Anfangs nesterweises Auftreten im Bestand.
  • Befallsvoraussetzungen: Gelbrostbefall in der Anbauregion im Vorjahr; bei feuchtkühler Witterung gute Übersommerung des Erregers an aufgelaufenem Ausfallgetreide und gute Überwinterung auf Winterweizen bei mildem oder schneereichem Winter. Frühjahr und Sommer feucht und kühl (optimale Temperatur 7- 15 Grad; Temperaturen nicht über 20-25 Grad).
  • Vorbeugung: Sorgfältige Beseitigung des aufgelaufenen Ausfallgetreides; Wahl resistenter Sorten; kei- ne frühe Winterweizensaat; räumliche Trennung von Winter- und Sommerweizen; keine überhöhte N-Düngung.
  • Gezielte Maßnahmen: Bei Befallsbeginn und günstigen Vermehrungsbedingungen Gelbrost- wirksame Azolpräparate ausbringen. Strobilurin- und Car- boxamidhaltige Präparate mit lang anhaltender Protektiv- wirkung, bislang ohne Beeinträchtigung durch Resistenz- entwicklung; Maßnahme bei anhaltendem Befallsdruck wiederholen.

Braunrost (Puccinia recondita)

  • Schadbild(siehe Bildergalerie): Ovale rostbraune Pusteln mit pulvrigem Inhalt zerstreut oder nesterweise auf Blattober und -unterseite. Vergilben und Absterben der Blätter. Kurz vor Reife vor allem blattunterseits schwarze Fruchtlager, von Blattoberhaut bedeckt.
  • Befallsvoraussetzungen: Wegen höherer Wärmeansprüche meist relativ spät, oft erst nach dem Ährenschieben, auftretend; frühe Saat des Winterweizens, späte Saat des Sommerweizens; hohe Anbauintensität; warme Anbaulagen. Milde Winterwitterung oder geschlossene Schneedecke. Während der Vegetation warm (Optimum nachts bei 15-20°C) mit wenigen Stunden Blattbenetzung (z.B. durch Tau).
  • Vorbeugung: Großräumig sorgfältige Beseitigung des aufgelaufenen Ausfallgetreides. Wahl wenig anfälliger, auch frühreifender Sorten. Winterweizen nicht zu früh, Sommerweizen dagegen möglichst frühzeitig säen. Keine überhöhte N-Düngung; Vorsicht mit reifeverzögernder N-Spätdüngung.
  • Gezielte Maßnahmen: Bei ersten Befallsymptomen und günstigen Vermehrungsbedingungen Braunrost-wirksame Azolpräparate einsetzen. Strobilurin- und Carboxamidhalti- ge Präparate mit lang anhaltender Protektivwirkung, bislang ohne Beeinträchtigung durch Resistenzentwicklung.

Septoria-Blattdürre (Septoria tritici)

  • Schadbild (siehe Bildergalerie): Typische Zeichen eines Befalls sind ab dem zeitigen Frühjahr auf den Spreiten zunächst der älteren, später auch der jüngeren Blätter ovale, gelbgrüne bis wässrig-graugrüne Flecke. Die Blattflecke fließen zu unregelmäßig geformten Nekrosen zusammen, die Blätter sterben schließlich ab und vertrocknen. Bei überwiegend sonniger Witterung bleiben die Verbräunungen streifig-klein, seitlich von Blattadern begrenzt. In den Blattflecken erkennt man mit bloßem Auge stets die in Reihen angeordneten schwar- zen Fruchtkörper (Pyknidien).
  • Befallsvoraussetzungen: Befallene Strohreste auf der Bodenoberfläche; günstige Temperaturen 8-20 Grad; mit erstem Befall ist bei Tagesminimumtemperaturen ab 4 Grad zu rechnen; die junge Weizensaat kann deshalb bereits im Herbst und Winter infiziert werden. Nur durch großtropfige Nieder- schläge werden die Sporen verbreitet. Sofern der Bestand dann mindestens zwei Tage feucht ist, muss mit stärkeren Blattdürreinfektionen gerechnet werden. Neuer Befall wird erst nach drei bis vier Wochen sichtbar.
  • Vorbeugung: Keine zu engen Getreidefruchtfolgen; extreme Frühsaaten vermeiden; Wahl wenig anfälliger Sorten; keine übermäßige Halmverkürzung.
  • Gezielte Maßnahmen: Systemische Fungizide erfassen den noch unsichtbaren Befall je nach Sortenanfälligkeit 5 - 10 Tage nach ersten infektionsauslösenden Niederschlägen. Nach vollständiger Ausbildung des Blattapparats geben protektive Carboxamid-Fungizide einen Schutz von mehreren Wochen. Strobilurine sind durch Resistenzbildung weitgehend wirkungslos. Azole sind durch Anpassungen innerhalb der Septoriapopulation von nachlassender Wirkung bedroht. Kontaktmittel unterstützen ein Anti-Resistenz-Management.

DTR-Blattdürre (Drechslera tritici-repenti)

  • Schadbild (siehe Bildergalerie): Auf Blattspreiten anfangs kleine, ovale gelbbraune Flecke mit dunkelbraunem Punkt; später länglich geformte abgestorbene Gewebeteile mit unregelmäßiger Begrenzung, meist mit deutlich gelbem Hof und dunklem Infektionszentrum; Flecke ineinanderfließend; von der Blattspitze her fortschreitende Blattdürre. Blattachseln lange gesund.
  • Befallsvoraussetzungen: Befallene Ernterückstände auf Bodenoberfläche, infiziertes Saatgut und erkrankte Neben- wirte, z.B. Quecken. Anbau von Weizen nach Weizenvorfrucht, von hier über windverbreitete Konidiosporen auch Infektion von weiter entfernten Weizen nach Blattfrucht; anfällige Weizensorten, Wirtspflanzen in Stresssituation, z.B. Wassermangel. Warme Witterung (Optimum ca. 25 °C), relativ kurze Blattbe- netzungen durch Tau und gelegentliche Niederschläge.
  • Vorbeugung: Gute Einarbeitung der Ernte- rückstände; kein Weizenanbau nach Weizen; Wahl wenig anfälliger Sorten; Queckenbekämpfung.
  • Gezielte Maßnahmen: Saatgutbeizung mit Drechlera- wirksamen Präparaten (Universalbeizmitteln). Zu Beginn der Ausbreitung (Bekämpfungsschwelle z.B. im Weizenmo- dell Bayern 10 % Befallshäufigkeit auf den Indikationsblatte- tagen) Anwendung von wirksamen Azolfungiziden; bei an- haltendem Befallsdruck Maßnahme wiederholen. Gute Pro- tektivleistung der Strobilurine ist vielerorts durch Resistenz- bildung beeinträchtigt.

neues Feld

  • Schadbild(siehe Bildergalerie): Ende der Bestockung auf Blattscheiden an der Bodenoberfläche eng begrenzte, glasigbraune Flecke, im Befallszentrum oft aufreißend. Im Milchreifestadium an Halmbasis augenfleckartige Verbräunungen, Vermorschung, Halmbruch
  • Befallsvoraussetzungen: Im Boden befallene, jahrelang infektionsfähige Stoppelreste. Frühe Winterweizensaat; im Frühjahr dichte, üppige Bestände, anfällige Sorten; feuchte Standorte, mittlere und schwere Böden; Lange feuchtkühle Witterungsabschnitte (4-13 Grad), danach Temperaturen im Bestand nicht über 25 Grad.
  • Vorbeugung: Sorgfältige Stoppeleinarbei- tung, Beschleunigung der Stoppelrotte. Winterweizensaat nicht zu früh, zu dicht und zu tief; Wahl weniger anfälliger Sorten; Ungräserbekämpfung in allen Fruchtfolgegliedern; N-Düngung dem Bedarf angepasst. Bei mindestens zweijähriger Anbaupause der anfälligen Getreidearten Weizen und Triticale deutlich verringertes Befallsrisiko.
  • Gezielte Maßnahmen: Halmbruchwirksame Mittel bei Er- reichen der Bekämpfungsschwellen von Beginn des Schos- sens bis Spitzen des Fahnenblattes bzw. bei langanhalten- den feuchtkühlen Witterungsbedingungen im April und Mai. Warndiensthinweise beachten! Wachstumsregler verringern nur die Lagergefahr. 
 
Auch interessant