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Weltbodentag

Bodenzustandsbericht: Landwirte stemmen Mammutprojekt mit

Julia Klöckner mit Bodenzustandsbericht
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Karl Bockholt, agrarheute
am
05.12.2018

Landwirtschaftlich genutzte Böden speichern zweimal mehr Kohlenstoff als die Luft. Das zeigt eine bundesweite Inventur: Die Bodenzustandserhebung wurde am heutigen Weltbodentag von Julia Klöckner vorgestellt.

Pünktlich zum 16. Weltbodentag präsentiert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den ersten Bodenzustandsbericht vor der Presse. "Zum ersten Mal gibt es für Deutschland eine repräsentative Inventur der landwirtschaftlichen Böden", erklärt Klöckner. Prof. Dr.Heinz Flessa, Direktor des Thünen Instituts für Agrarklimaschutz hat den Bericht an die Bundesagrarministerin übergeben.

Um einschätzen zu können, wo Deutschland bei der Landnutzung steht, hatte das BMEL die Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte veranlasst. Damit im Zusammenhang steht die Erarbeitung einer Grünland- und einer Ackerbaustrategie, die im Herbst 2019 veröffentlicht werden soll. Die Bodenzustandserhebung zeigt auch den Zusammenhang von Boden und Klima.

Podcast: Julia Klöckner zum Bodenzustandsbericht

Mehr als 120.000 Bodenproben untersucht

Bei über 3.100 Landwirten wurden in sechs Jahren von 2012 bis 2018 mehr als 120.000 Bodenproben gezogen. Gemessen wurden bis in ein Meter Tiefe die Sauerstoffversorgung, die Humusbildung und die organischen Kohlenstoffvorräte. Ein einheitlicher Datensatz dazu fehlte bisher. 

Die Ergebnisse sind interessant: Weltweit ist im Boden viermal mehr Kohlendioxid gespeichert als in der oberirdischen Vegetation und zweimal mehr als in der Luft. Die Böden sind weltweit nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde.

Bundesweite Premiere in Deutschland

Die Bodenzustandserhebung ist eine Premiere: Daten und Fakten zeigen, wie bedeutend der Agrarboden für den Klimaschutz und für die Klimaanpassung ist. Dieses Potenzial wird häufig unterschätzt. 

Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftssektoren können Landnutzung und Forstwirtschaft Kohlenstoff speichern und damit als natürliche Treibhausgassenke fungieren. Das Ergebnis des Berichtes ist sehr eindrucksvoll. Es belegt, dass insgesamt über 2 Mrd. t Kohlenstoff in den landwirtschaftlichen Böden Deutschlands gespeichert sind. 

Land- und Forstwirte schützen den Boden

Mit gezieltem Aufbau von Humus und Bodenleben lässt sich die Bodenfruchtbarkeit steigern. Gleichzeitig wird Kohlenstoff eingelagert, und zwar aus dem Kohlendioxid der Luft. Der wird über die Photosynthese der Pflanzen in Kulturen und Böden gespeichert. 

Allein die Wald- und Agrarökosysteme speichern so viel organischen Kohlenstoff, wie Deutschland bei dem derzeitigen Emissionsniveau in 23 Jahren als CO2 emittiert. Die Zahlen verdeutlichen die Verantwortung, diese Vorräte an organischem Kohlenstoff zu sichern. 

Der Ackerboden ist zudem ein empfindlicher Organismus: Unter einem Hektar leben 15 t Bodenlebewesen. So hat Deutschland eine der fruchtbarsten Agrarregionen weltweit. Der Boden ist eine nicht erneuerbare Ressource. 

Den Klimawandel aufhalten

Fruchtbare Böden tagen dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten. Deshalb setzt sich das Agrarministerium bei der jetzt stattfindenden UN-Klimakonferenz in Polen dafür ein, dass der globale Bodenschutz einen größeren Stellenwert bekommt. Wegweisende Ansätze sollen mit Mitteln aus der internationalen Klimafinanzierung auf den Weg gebracht werden. 

Deutschland hat sich mit der UN-Klimarahmenkonvention dazu verpflichtet, die durch Menschen verursachten Quellen von Treibhausgasen zu senken. Zudem ist über die Vorräte an Kohlenstoff in Böden und Biomasse zu berichten.

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