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Getreide

Braugerste: Lohnt sich der Anbau in 2015?

© agrar-press
von , am
10.03.2015

Der Anbau von Braugerste erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. Die Qualität muss stimmen und am Ende natürlich auch der Preis. Ob sich in diesem Jahr der Anbau wieder lohnen könnte, lesen Sie hier.

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Der Biogasboom der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass viele ehemalige Anbauer die Braugerste aufgegeben haben, weil der Silomais meist wesentlich bessere Ergebnisse brachte. Die Phase der Marktbereinigung ist aber vorbei. Mit Ausnahme meist kleinerer Gülleanlagen werden seit 2013 kaum noch Biogasanlagen gebaut. Braugerste ist immer mehr zu einer Kultur für Spezialisten geworden.
 
 
 
Die hohen Qualitätsanforderungen, insbesondere hinsichtlich Proteingehalt, Vollgerstenanteil und Keimfähigkeit machen ein hohes Maß an pflanzenbaulichem Können und Fingerspitzengefühl notwendig und bergen dennoch ein größeres Risiko als bei anderen Kulturen, dass der Markterlös den Aufwand am Ende doch nicht entsprechend honoriert. Ob der Braugerstenanbau vielleicht sogar nachhaltig wieder zulegen kann wird davon abhängen, ob die Braugerste nicht nur in Ausnahmejahren ein hinreichendes Aufgeld gegenüber Futtergerste, Körnermais oder anderen Sommerkulturen erzielen kann oder nicht.

Schwächere Braugerstenpreise Anfang März

Um die geringeren Erträge und das Qualitätsrisiko auszugleichen ist ein um 30 bis 40 Euro je Tonne höherer Preis für Braugerste als für Futtergerste notwendig. Wie dlv Marktexperte Dr. Olaf Zinke auf derInternetseite des Agrarmanagers schreibt, notierte die Braugerste (franko Mälzerei) am Großmarkt in Mannheim am 3. März mit 195 bis 198 Euro je Tonne und damit zwei bis drei Euro niedriger als in der Vorwoche. Seit Ende Januar sind die Preise in Mannheim damit um rund elf Euro zurückgegangen. Ende Dezember 2014 handelt man Braugerste in Mannheim sogar noch zu Preisen von 212 bis 215 Euro je Tonne und damit rund 20 Euro höher. Für die Anlieferung im April 2015 lagen die Preisvorstellungen am 3. März in Mannheim bei 198 bei 200 Euro und damit zwei Euro niedriger als letzte Woche und vier Euro niedriger als Ende Januar. 

Optimistische Preiserwartungen für die neue Ernte

Die aktuelle allgemeine Markteinschätzung liege laut LWK für die kommende Ernte klar über dem aktuellen Preisniveau für alterntige Braugerste. Dahinter steht auch die Skepsis, ob die hohe Erntemenge des vergangenen Jahres wieder annähernd erreicht werden kann. Das Potential für zusätzliche Braugerstenmengen könnte ähnlich wie 2012 unter Umständen auch durch fehlendes Saatgut für Sommerbraugerste begrenzt werden. Falls sich im Verlauf des Frühjahrs dann zu geringe Preisaufschläge gegenüber Futtergerste abzeichnen sollten, wäre außerdem anzunehmen, dass sogar Schläge mit Braugerstensorten voll ausgedüngt werden und somit am Ende im Futtertrog landen.

Große Exportchancen in 2015

Derzeit spricht laut LWK viel für eine fortgesetzt freundliche Markttendenz bei Malz und Braugerste, denn die Nachfrage lässt Anzeichen einer Belebung erkennen. Der Bierabsatz war auf Bundesebene schon 2014 sogar wieder leicht gestiegen. Ob sich das in diesem Jahr fortsetzt ist zwar fraglich, aber der immer wichtiger werdende Export birgt durchaus noch Wachstumschancen, die sich in letzter Zeit auf Grund der Euroschwäche auch noch deutlich verbessert haben. Sogar in Nordamerika gibt es in diesem Jahr auch Qualitätsprobleme und daher Importbedarf. Hinzu kommt, dass die eben beendete australische Ernte enttäuschte. Die hiesigen Lagervorräte könnten in den nächsten Monaten durch ein flottes Ausfuhrgeschäft also rasch sinken. Anders als zur Erntezeit vielleicht noch zubefürchten war, steht dem die Qualität der Braugerste nicht entgegen. Während britische Braugerste der Ernte 2014 oft kaum den geforderten Mindest-Proteingehalt von 9,5 Prozent erreicht, liegt er bei Braugerste aus deutscher Erzeugung insgesamt mit 10,2 Prozent im Normalbereich.
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