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Getreide

Braugerstenanbauer warten auf belastbare Zahlen zur Ernte

von , am
15.07.2011

Bad Kreuznach - Die Braugerste in Rheinland-Pfalz ist gut in die Vegetation gestartet. Doch die lang anhaltende Trockenheit hat deutlich Spuren auf den Feldern hinterlassen.

Bei der Futtergerste sollte der Stickstoffgehalt im Korn über 2 Prozent liegen. © Mühlhausen/landpixel
Die insgesamt sehr dünn stehenden Bestände haben sich so unterschiedlich entwickelt, dass derzeit eine Ertragsprognose schwierig erscheint. Dies gilt auch für die zu erwartenden Einüsse der Bestandsdichte, des Zwiewuchses und der erst spät mobilisierten N-Düngung auf die Qualität der Gerste. Darauf hat der Vorsitzende der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland- Pfalz und Vizepräsident der dortigen Landwirtschaftskammer, Heribert Metternich, bei der diesjährigen Braugerstenfahrt hingewiesen, die mehr als 70 Teilnehmer aus der gesamten Wertschöpfungskette sowie aus Politik, Verbänden und Erzeugergemeinschaften in die Region Hunsrück führte. Da aber die Entwicklung des Braugerstenmarktes und der Preise sehr stark von den regionalen, nationalen und internationalen Ernteergebnissen hinsichtlich Menge und Qualität abhängt, warten Landwirte, aber auch der Handel und die Verarbeiter momentan gespannt auf belastbare Zahlen.

Ernte entscheidet auch über die Zukunft des Braugerstenanbaus

Der Vorsitzende des Kreisverbandes Rhein-Hunsrück im Bauern- und Winzerverband Rheinland- Nassau (BWV), Wilfried Berg, zeigte sich überzeugt, dass die Rahmenbedingungen der Vermarktung dieser in Menge und Qualität sicherlich vom langjährigen Mittel abweichenden Ernte auch über die weitere Zukunft des Braugerstenanbaus - vor allem in den Mittelgebirgsregionen - entscheiden dürften. Dass sowohl die Landwirtschaft wie auch die Malzindustrie und die Brauwirtschaft in Rheinland-Pfalz bedeutende Wirtschaftsfaktoren sind, betonte Christof Wiesner vom Mainzer Landwirtschaftsministerium. Wiesner bekräftigte, dass die Landesregierung auch zukünftig die Braugerste als ökologisch wertvolle Kultur sowohl im Versuchswesen als auch über die Arbeit der Fördergemeinschaft unterstützen werde.

Kommt eine Trendwende?

Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Hunsrück-Nahe, Jörg Müller, wies darauf hin, dass der Braugerstenanbau im Rhein- Hunsrück-Kreis von knapp 9 000 ha im Jahr 1991 auf gut 4 000 ha in 2010 gesunken sei. Die Hauptgründe für den Ausstieg aus der Braugerstenproduktion waren nach seiner Einschätzung die sehr stark schwankenden Erzeugerpreise, der geringe Züchtungsfortschritt im Ertrag, aber auch der Rückgang der Nebenerwerbsbetriebe, die traditionell zu den Braugerstenanbauern zählen. Ein weiterer Faktor sei die starke Wettbewerbsposition von Raps und Weizen.
 
Um diese Entwicklung wieder etwas umzukehren, bedürfe es leistungsfähigerer Sorten, einer attraktiven Vertrags- und Preisgestaltung, rechtzeitiger Preissignale, aber auch Modizierungen in den Qualitätsanforderungen, die das Marktwarenrisiko reduzierten. Die für den Anbau notwendigen günstigen klimatischen Voraussetzungen, aber auch gute Erfassungs- und Vermarktungsstrukturen sieht Müller in der Region gegeben. Laut Darstellung der Landwirtschaftskammer vermittelte die Braugerstenfahrt in einer für den Anbau eher schwierigen Zeit einen recht positiven Eindruck. Für eine Trendwende in der Entwicklung der Anbauäche müsse dieser Eindruck aber durch die Markt- und vor allem Preisentwicklung zur und nach der diesjährigen Ernte bestätigt werden.
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