Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pflanzenschutzmittel

Chemische Präparate adé? Der Nutzen ist Verbrauchern kaum bekannt

Unkrautbekämpfung-Wintergetreide
am Montag, 16.03.2020 - 09:41 (Jetzt kommentieren)

Der chemische Pflanzenschutz steht gesellschaftlich auf der Kippe. Die Vorteile sind den Verbrauchern kaum noch präsent. So wächst der Wert gesunder Sorten. Dennoch kommt der Anbau mangels ausreichender Alternativen künftig nicht ohne Chemie aus, sagt Prof. Andreas von Tiedemann von der Universität Göttingen.

Auf der DLG-Wintertagung 2020 in Münster sagte der Wissenschaftler der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz, dass die Basis für den chemischen Pflanzenschutz erodiere. Der Nutzen sei kaum noch gegenwärtig.

Wer wisse noch, dass um 1930 für händisches Unkrauthacken in Rüben pro Hektar noch rund 150 Stunden nötig waren (und rund 30 t/ha geerntet wurden), während 2020 für die Unkrautbekämpfung nur noch gut 10 Stunden nötig seien (bei mehr als 80 t/ha).

Nutzen von chemischem Pflanzenschutz zu wenig bekannt

Die Publikumsmedien greifen vor allem Risiken auf: gesundheitliche, ökologische, ethisch-moralische, soziale, rechtliche, wissenschaftliche „Haupt- und Nebenrisiken“, ohne auf den Nutzen einzugehen. Dabei seien von „derzeit 277 bei uns zugelassenen Wirkstoffen noch 9 Prozent als sehr toxisch“ oder „toxisch“ eingestuft, gehörten also keiner Giftklasse an. Krebserregende Wirkstoffe werden laut EU-Pesticide-Database 2020 nicht zugelassen.

Zudem steigen die Erträge durch chemische Präparate laut einer aktuellen Studie der Uni Leuven für das EU-Parlament global um rund 20 bis 40 Prozent. Demnach liegen die Ertragseffekte weltweit für

  • Weizen bei 19 Prozent,
  • Mais bei 33 Prozent,
  • Kartoffeln bei 42 Prozent,
  • Sojabohnen bei 27 Prozent und
  • Reis bei 32 Prozent.

Biologischer Pflanzenschutz reicht bisher noch nicht

Potenzial für Innovationen im nicht-chemischen Pflanzenschutz bieten Biologicals oder Biostimulanzien. Zudem seien die Biotechnologie mit Gentechnik, Genscheren und Genstummschaltung zukunftsfähig. Weiter kämen künftig mehr kamera- und sensorgesteuerte Mechanik zum Einsatz, etwa autonome Hackroboter oder digitale Robotik.

Bei biologischen Präparaten sieht Tiedemann bislang noch keine schlagkräftige Alternativen zur Chemie, auch wenn es vielversprechende Lösungsansätze gebe. Laut BVL seien bei den biologischen Präparaten rund 15 Wirkstoffe in 24 Mitteln für rund 50 Indikationen verfügbar. In der Chemie seien es laut IVA dagegen 277 Wirkstoffe mit 885 Pflanzenschutzmitteln für über 5.570 Zulassungen.

Weniger Hunger in der Welt dank Chemie

Während die Weltbevölkerung 1960 laut US-Rutgers University noch bei gut 3 Mrd. Menschen lag und der Anteil der Hungernden damals bei 34 Prozent gelegen habe, seien es 2018 bei gut 7,6 Mrd. Erdenbürgern noch 11 Prozent Hungernde gewesen. Der Weizenertrag stieg in der Zeit von etwa 30 dt/ha auf circa 90 dt/ha an.

So machen Sie ihre Pflanzenschutzspritze fit für die Saison

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant