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Ackerbaustrategie

„Der CO2-Zertifikatehandel ist eine Chance für uns Bauern“

Michael_Reber D
am Mittwoch, 09.10.2019 - 08:20 (Jetzt kommentieren)

Als Bodenexperte gehört Michael Reber dem 100-köpfigen Praktikernetzwerk an, das für die Ackerbaustrategie angehört wurde. Der Ackerbauer aus Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall treibt auf seinem Betrieb den Bodenschutz voran.

Vor drei Jahren war er Finalist beim CeresAward von agrarheute. Jetzt ist Michael Reber Teil eines Praktikernetzwerks des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Dort sollen die Belange der heimischen Bauern stärker gehört werden. Rebers Meinung war auch zu den Plänen der Ackerbaustrategie gefragt.

„Die Schlüsselfrage ist für mich, wie wir uns an die Wetterextreme künftig anpassen, denn die werden stärker“, sagt der 47-Jährige. „Wie gelingt es mir, den Boden dafür fit zu machen?“ Das beschäftigt ihn schon seit der Umstellung auf pfluglose Bodenbearbeitung vor 35 Jahren.

Neue Fruchtfolgen durch Biogas

Der Betrieb bewirtschaftet 220 ha Acker auf sehr schweren Minutenböden mit 25 bis 45 Bodenpunkten. Vor rund zehn Jahren brachten der Bau seiner Biogasanlage und eine Flurneuordnung deutliche Änderungen in der Fruchtfolge mit sich. „Aus der Abfuhr des gesamten Aufwuchses und den schweren Geräten der Erntekette entstehen neue Probleme. Wetterextreme treffen dann schwierige Standorte umso härter.“

Das zeigte sich auch in den vergangenen beiden Jahren. Die Trockenheit 2018 und die Hitze 2019 führten zu deutlichen Verlusten, beispielsweise durch eine mangelhafte Etablierung von Untersaaten, die als Zweitkultur geplant waren.

Acker möglichst lang begrünen

Michael Reber experimentiert an unterschiedlichen Stellen, um den Humusaufbau und die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu fördern. „Wir halten unsere Flächen so lange wie möglich bewachsen. Winterzwischenfrüchte sollten möglichst nicht abfrieren und Sommerzwischenfrüchte am besten sechs Wochen stehen bleiben und nicht gleich blühen. So binden sie mehr Kohlenstoff im Boden.“

Mehr Kohlenstoff in den Boden

Überhaupt ist für Michael Reber der Kohlenstoff ein zu wenig beachteter Faktor im Boden. Über die Methode des „Liquid Carbon Pathway“ will der Ackerbauer mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre in den Boden bringen. Dabei macht er sich die Tatsache zunutze, dass die Pflanze mehr Zucker – wesentlicher Bestandteil ist Kohlenstoff – produziert, als sie verbraucht. Der wird in die Wurzeln eingelagert und kann dort Bodenpilzen und Bakterien zur Verfügung stehen. „Bei einem funktionierenden Bodenleben kann ich damit Kohlenstoff regelrecht in den Boden pumpen. Dazu braucht es keine großtechnischen Anlagen, sondern wir Bauern können CO2 in Form von Humus einbinden!“

Fungizide erst spät einsetzen

Zu einem funktionierenden Bodenleben gehört für Reber auch, den Einsatz von Insektiziden und Fungiziden so weit wie möglich zu reduzieren. „Früher haben wir oft schon Anfang April das erste Mal Fungizide gespritzt. Davon geht technisch bedingt die Hälfte auf den Boden. Das schadet sicher der Mykorrhiza.“ Heute versucht er daher, Fungizide so spät wie möglich einzusetzen.

Direktsaat eine Alternative – aber auch ohne Chemie?

Auch reduzierte Bodenbearbeitung schont die Mykorrhiza. „Wir überlegen, ob wir künftig Richtung Direktsaat gehen.“ Es drohen allerdings neue Fallstricke. „Gerade bei einer feuchten Ernte ist das auf unserem Standort ein Risiko. Glyphosat fällt 2023 weg, was ich nicht unbedingt gutheiße. Fakt ist, dass dann viele der heutigen Minimalbodenbearbeitungssysteme zusammenbrechen.“

Mehr Forschung und Förderung nötig

Reber drängt auf mehr Forschung und Förderung von Alternativen. „Man kann nicht wieder einfach einen Wirkstoff wegnehmen und die Konsequenzen sind mehr Bodenbearbeitung, mehr Erosion und weniger Bodenleben.“
In der Kohlenstoffbindung im Boden sieht Michael Reber eine große Chance für die Landwirtschaft – und für seinen Betrieb. „Mein Ziel ist es, in den CO2-Zertifikate-Handel einzusteigen. Wir Landwirte tun schließlich aktiv etwas für den Klimaschutz.“

Michael Reber bloggt regelmäßig zum Thema Boden auf seiner Facebookseite Innovative Landwirtschaft Reber, unter innovativelandwirtschaft.de und auf Instagram.

Dieser Beitrag ist im Titelthema zur Ackerbaustrategie im agrarheute Magazin 10/2019 erschienen.

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