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Bodenschutz

Dammkulturen: Auch für Getreide möglich?

Getreideanbau auf Dämmen
am Freitag, 23.11.2018 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Der Anbau auf Dämmen verhindert Erosion und hilft den Kulturen sowohl bei Trockenheit als auch bei Nässe. Möglich wird das, weil der Boden immer locker bleibt. Funktioniert das auch bei Getreide? Ein Systemcheck.

Die Wetterextreme der letzten Jahre zeigen: Die größte Herausforderung wird es künftig sein, den Boden fruchtbar zu erhalten. Und das unter nassen wie unter trockenen Bedingungen, ohne Verdichtung, mit niedrigem Zeit- und Energieaufwand.

Der Anbau in Dammkulturen kann ein Weg dahin sein – nicht nur für ökologisch wirtschaftende Betriebe, sondern auch für konventionelle.

Fruchtbaren Oberboden erhalten

Dämme vergrößern die Oberfläche des Ackers und verbessern die Bodenatmung. Die größte biologische Aktivität eines Ackers findet in den obersten 3 bis 8 cm statt. Um diese Schicht nicht zu zerstören, werden die Dämme mit dem Material aus dem Oberboden geformt.

Die Spitze des Häufelkörpers lockert den Unterboden, in den Luft eindringen kann. Der natürliche Bodenaufbau wird dabei aber nicht gestört.

Winterniederschläge auffangen

Für Frühjahrskulturen sollten die Dämme bereits im Herbst angelegt werden. So können sie sich über den Winter biologisch stabilisieren. Die größere Oberfläche fängt die Winterniederschläge besser auf.

Wie groß dieser Effekt ist, beweisen Ackerbauern auf den schweren Marschböden entlang der Nordseeküste seit einigen Jahren mit großem Erfolg.

Im Frühjahr erwärmen sich Dämme deutlich schneller als ein ebener Acker. Zwischen Damm und Tal entwickelt sich ein Mikroklima, das für einen intensiveren Gasaustausch sorgt. Das Kohlendioxid sammelt sich in den Tälern und düngt die Kulturen.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Ein großer Vorteil der Dammkultur: Zur mechanischen Unkrautbekämpfung steht eine Reihe von Geräten zum Hacken und Anhäufeln der Kulturen zur Verfügung. Die Aussaat erfolgt mit dem Dammkulturgerät, auf dem entweder eine klassische Sämaschine für Getreide oder ein Einzelkornsägerät aufgebaut ist.

Der Damm wird damit bei der Saat nochmals nachgeformt und die Dammtäler werden mit einem Grindel gelockert. Bei späteren Hackgängen lässt sich das Gespann dann genau führen.

Durch das Lockern der Dammtäler versickern Niederschläge besser und selbst in Hanglagen kommt es nicht zu Erosion.

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Deutlich höhere Wurzelleistung

Der Damm ist relativ fest, damit die Kapillarität gegeben ist. Im Dammanbau werden die Pflanzenwurzeln weniger geschädigt als beim üblichen Einsatz von Hackgeräten auf ebenem Boden.

Bei der klassischen Bodenbearbeitung entstehen nach dem Aufbrechen von Verdichtungen Hohlräume, die wieder verschlämmen.

Ganz anders das Gefüge in Dammkulturen: Die Spezialschare lockern unter den wachsenden Pflanzen. Damit verdoppelt sich die Wurzelleistung der Kulturpflanzen.

Welche Reihenweite bei Getreide?

Getreideaussaat auf Dämmen

Beim Biogetreideanbau hat sich die weite Reihe mit 25 bis 35 cm aufgrund der Möglichkeit, zu hacken, schon vielerorts durchgesetzt. Der Abstand der Getreidereihen kann umso größer sein, je besser der Boden ist.

Der Dammkultur-Pionier Julian Turiel empfiehlt für den Getreideanbau 45 oder 50 cm, teilweise sogar Dämme bis 60 cm. Im Damm kann sich das Wurzelsystem von Getreide besser entwickeln und erschließt auch bei weiten Abständen den gesamten Boden.

Der Zugkraftbedarf der Häufelpflüge ist geringer als der vergleichbarer konventioneller Bodenbearbeitungsgeräte von gleicher Arbeitsbreite.

Der Boden bleibt immer locker

Der grundsätzliche Unterschied zwischen Flachanbau und Dammkultur: Im gesamten System findet keine Rückverfestigung mehr statt.

Weil mit lockerer Erde gearbeitet wird, kann das Getreide doppelt so tief gesät werden wie üblich. Der Kamineffekt leitet das Wasser in die Dammmitte und nach oben zum Saatkorn. Der lockere Boden erhöht die Menge und die Aktivität des Bodenlebens mit verbesserter Sauerstoffzufuhr in den Wurzelbereich.

Nach Mais sollte im Dammanbau kein Getreide mehr folgen, weil die organische Substanz erst verdaut werden muss. Ausnahmen sind nur bei sehr guter Strohrotte und trockenem Boden im Spätherbst sinnvoll.

Als Nachfrucht nach Dammgetreide eignen sich besonders gut Körnerleguminosen wie Ackerbohne, Erbse oder Soja. 

Mit Material von Frank Friedrich, Julian Turiel

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