Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Nischenkultur

Dinkel: Höhere Deckungsbeiträge als beim Weizen

Tim Stadler aus Alfeld baut Dinkel an
am Montag, 19.10.2020 - 06:03 (Jetzt kommentieren)

Dinkelanbau ist auch in Norddeutschland attraktiv. Für Tim Stadler passen Vermarktung, N-Effizienz und Robustheit ideal zusammen.

Dinkel passt in den Urkorntrend und ist für die Erzeugerkette vom Landwirt über Handel und Mühle bis zum Bäcker ein lukratives Geschäft.

Das war auch für Tim Stadler der Hauptgrund, warum er mit seinem Vater Thomas vor fünf Jahren in den Dinkelanbau eingestiegen ist. „Der Ackerbau stößt in der Wirtschaftlichkeit immer mehr an seine Grenzen. Lösen können wir das nur, wenn wir frühzeitig Nischen besetzen. Dinkel gehört für mich dazu.“

Dinkel gilt als Nische, besonders in Norddeutschland

Dinkelanbauer Tim Stadler

Noch gilt Dinkel als Nischengetreide, das meist regional angebaut, gehandelt und verarbeitet wird. Wagt ein Verarbeiter den Einstieg, ergeben sich neue, lokale Kooperationsmöglichkeiten. Auch im Norden, zum Beispiel für den Ackerbaubetrieb der Familie Stadler, die südlich von Hildesheim in Niedersachsen rund 350 ha Acker bewirtschaftet.

Seit 2015 setzen der regionale Landhändler Weiterer und die Mühle Rüningen aus Salzgitter auf das Projekt „norddeutscher Dinkel“. Sie konnten die Stadlers für den Anbau gewinnen. Vater und Sohn haben immer wieder Lust auf Neues, seien es Acker- und Sojabohnen, Kurzumtriebsplantagen, Trüffel oder Direktsaat.

Dinkel liegt bis zu 5 Euro/dt über dem Weizen

Wirtschaftlich lohnt sich der Dinkel-Vertragsanbau für Tim Stadler. Der Landhändler zahlt 3 Euro/dt Bonus auf den Matif-Preis im Dezember. „Damit liegen wir beim Dinkel unterm Strich 4 bis 5 Euro/dt über dem Erlös von Weizen“, sagt der 30-jährige Hofnachfolger. Im Deckungsbeitrag macht das ein Plus von bis zu 300 Euro/ha.

Größter Ausgabenposten ist das entspelzte Saatgut, das mit 200 Euro/dt deutlich teurer ist als beim Weizen. Das hängt mit dem aufwendigen Schälprozess und den Züchterlizenzen zusammen. Mit bis zu 35 Euro/dt verlangen die Züchter knapp dreimal so viel wie beim Weizen.

Dieses Jahr konnte Tim Stadler 86 dt/ha vom Halm holen. „Vom Weizen bin ich dagegen etwas enttäuscht. Der lag auf unseren schwierigsten Standorten bei 65 dt/ha und bei 95 dt/ha nach Mais. Dreistellige Weizenerträge, die einige in unserer Gegend erreicht haben, waren bei uns nicht drin.“

Dinkelernte muss in wenigen Tagen laufen, sonst sinkt die Fallzahl

Für hohe Qualitäten ist der richtige Erntezeitpunkt entscheidend. „Uns bleibt beim Dinkel ein kurzes Zeitfenster von maximal zwei Druschtagen“, sagt der Junglandwirt, sonst drohe die Fallzahl zu sinken. „Und für Futterdinkel gibt es keinen Markt.“

Dinkel ergänzt die Fruchtfolge und ersetzt im Betrieb Stadler teilweise den Weizen. „Dabei müssen wir auf das hohe Durchwuchsrisiko achten. Dinkel ist wahnsinnig wüchsig und keimt schon von Tau. Er überwächst auch sämtliche Zwischenfrüchte.“

Dinkel unterdrückt Ackerfuchsschwanz und erschließt Stickstoffvorräte

Dinkelvesen in der Hand

Gerade beim Ackerfuchsschwanz hilft dem Dinkel seine Triebkraft. „Er macht eine ordentliche Matte, unter der nichts mehr wächst. Damit hält Dinkel den Ackerfuchsschwanz gut in Schach“, sagt Tim Stadler.

Von der Wüchsigkeit profitiert auch der Boden. Mit seiner intensiven Durchwurzelung kann Dinkel Wasser und Nährstoffe besonders gut erreichen. Das macht ihn nicht nur für Ökobetriebe interessant.

Allerdings hat die Frohwüchsigkeit auch ihre Kehrseite: Dinkel droht rasch ins Lager zu sehen. Ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Anbau sind daher Wachstumsregler. Dabei gibt es Mitteleinschränkungen. Nicht alle Halmverkürzer sind in Dinkel zugelassen und einige Mühlen haben noch restriktivere Vorgaben. Stadlers Abnahmevertrag verbietet beispielsweise den Einsatz von CCC.

Bodenschutz und Glyphosat gehen für Stadler Hand in Hand

Pflugloser Anbau ist wegen der Hanglagen schon seit 30 Jahren Standard bei den Stadlers. Zapfwellengetriebene Bodenbearbeitungsgeräte kommen nicht zum Einsatz.

„Der Boden ist unser wichtigstes Kapital“, sagt der Hofnachfolger. Um ihn zu schonen, setzt Tim Stadler auf großvolumige Reifen und will sich bei den Frühjahrskulturen noch mehr an die Direktsaat herantasten.

Glyphosat sieht er dabei als wichtiges Werkzeug für Spezialfälle. „Wird es verboten, müssen wir uns wieder einen Pflug zulegen. Dann werden wir erklären können, warum der Schlamm wieder im Dorf liegt.“

Eine ausführliche Reportage über Tim Stadler und seinen Dinkelanbau lesen Sie in der agrarheute-Ausgabe Oktober 2020.

Digitale Ausgabe agrarheute

Lesen Sie jetzt den ausführlichen Fachartikel und testen Sie unverbindlich die digitale Ausgabe agrarheute.

Wenn Sie bereits ein digitales Abo haben, geht es hier entlang.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...