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Humusaufbau

Drei Wege zum Klimawirt: So verdienen Sie mit CO2-Zertifikaten Geld

Boden Humusaufbau
am Montag, 03.02.2020 - 10:11 (Jetzt kommentieren)

Mit CO2-Zertifikaten kaufen sich „Verschmutzer“ frei: Sie zahlen für den Mehraufwand, um zusätzlichen Humus aufzubauen, der das Klima schützt. Drei Pioniere erklären, wie das funktioniert.

Für viele Probleme der Gesellschaft bieten Landwirte beste Lösungen. Kohleausstieg, Artensterben, Fridays for future, Klimawandel – die Gesellschaft beginnt zu begreifen, dass es Zeit wird zu handeln. Immer mehr Landwirte leisten einen Beitrag mit CO2-Fixierung durch Humusaufbau, sinnvolle erneuerbare Energien, nachhaltiger Kreislaufwirtschaft mit mehr Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt und einem geringen CO2-Fussabdruck.

1. Beispiel: Lucas Kohl aus Gilserberg

Kohl-Lucas

Mit jedem Prozent Humus mehr pro Hektar wird ordentlich Wasser im Boden zusätzlich gespeichert“, sagt Lucas Kohl. Seine Familie bewirtschaftet einen 235-ha-Naturland-Weidehof mit 80 Schwarzbunten und 50 Galloways. Seit 2018 ist er am CO2-Zertifikate-Handel beteiligt.

Der Agraringenieur ist einer von rund 230 Landwirten, die mit etwa 10.000 ha beim Humusaufbau der CarboCert im baden-württembergischen Bodnegg mitmachen. Sie kompensieren bisher den CO2-Ausstoß von 13.000 Pkws im Jahr, gerechnet mit 150 g CO2/km und rund 30.000 km Laufleistung.

Für die Vergütung zum Humusaufbau hat Kohl einen Vertrag abgeschlossen. Auf 70 ha für den Klimaschutz werden die Bodenproben nun GPS-genau gezogen, je 5 ha an 25 Stellen. Ein akkreditiertes Labor analysiert sie. Einige Jahre nach der Anfangs- gibt es eine Folgeuntersuchung. Sie zeigt, wie viel Humus aufgebaut wurde.

Das ist die Basis für ein erstes Erfolgshonorar von 30 Euro/t gebundenes CO2. Die Formeln C x 1,67 = Humus und C x 3,67 = CO2 ergeben die Tonnen. Ein Teil des Honorars hält CarboCert zuerst ein, um den aufgebauten Humus zu sichern. Nach erneuter Beprobung muss der Gehalt gleichgeblieben oder gesteigert sein, damit bezahlt wird.

Das Geld für den Zertifikatehandel stammt etwa von einer Großbäckerei. Der Schwälmer Brotladen betreibt in ganz Hessen Cafés. Kohl beliefert sie mit Roggen und Dinkel. Die Firma kauft für „unvermeidbare Emissionen“ die Zertifikate. „So hilft sie, dass wir Humus aufbauen.“

2. Beispiel: Wolfram Wiggert aus Löffingen

Wolfram-Wiggert

Die Landwirtschaft in Deutschland hätte das Potenzial, 20 bis 25 Prozent aller C02-Emissionen im Boden zu speichern“, sagt Wolfram Wiggert vom Haslachhof im Schwarzwald. Der Energielandwirt des Jahres beim Ceres- Award 2019 bewirtschaftet rund 500 ha biologisch.

Er verfüttert sämtliches extensiv erzeugtes Wiesengras an 35 Hinterwälder-Mutterkühe zur Fleischdirektvermarktung, vor allem aber an seine 500-kW-Biogasanlage, die per Gas- und Wärmespeicher auf 2,5 MWel erhöht ist. Zwei Fotovoltaikanlagen mit je knapp 100 kW liefern zudem Strom, den er zu rund 50 Prozent selbst verbraucht.

„Die CO2-Bilanz unserer Biogasanlage ist sogar positiv“, so Wiggert, „wir speichern pro kWh Strom 16 g CO2 und bauen keine Pflanzen nur für Biogas an.“ Rund 150 ha Luzerne-Klee-Gras sind Teil der Fruchtfolge und nötig, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen.“ Die Gärreste, die er düngt, bleiben im Betrieb. So schließt Wiggert die Kreisläufe.Mit der CO2-Fixierung will er mittels Zertifikaten Erlöse von rund 300 Euro/ha erreichen.

3. Beispiel: Torsten Lange aus Preußisch Oldendorf

Torsten-Lange

Unser Boden liefert gesunde Nahrung und gleichzeitig ist er mit etwa 2,5 Mrd. t organischem Kohlenstoff einer der größten terrestrischen CO2-Speicher“, sagt Torsten Lange. Europa habe eine Gunstlage. „Unsere Böden sind fruchtbar und unser Klima eignet sich für hohe Erträge.“

Die Humusgehalte auf Langes Ackerflächen im 120-ha-Betrieb mit 360 Ferkelaufzucht- und 900 Schweinemastplätzen liegen zwischen 2,1 und 5,2 Prozent. Er hat zuletzt 39 Flächen beprobt. „Das hat brutto 4.231 Euro gekostet“. Die sandigen Lehme mit 20 bis 60 Bodenpunkten bewirtschaftet Lange komplett pfluglos. Humus baut er mit Flächenrotte, Untersaaten, Sommerzwischenfrüchten, Dauerbegrünung und mit vielfältigen Kulturen in einer fünfgliedrigen Fruchtfolge auf. Sie enthält neben Raps auch Rüben und Leguminosen.

Als Eiweißpflanze hat der Praktiker zunächst Ackerbohnen angebaut. Nun ist er auf ein Gersten-Erbsen-Gemenge umgestiegen, das er komplett im eigenen Betrieb verfüttert. „Genauso wie ich im Stall beim Schwanzbeißen ein ‚neues Auge‘ auf die Alternative Ringelschwanz werfe“, sagt Lange, „richte ich auf dem Acker ein ‚neues Auge‘ auf die Krümelstruktur.“

So seien 0,2 bis 0,3 Prozent Humusanreicherung im Jahr für ihn machbar. 1 t Humus bringe grob rund 50 t CO2-Bindung, sagt der Landwirt, der gerne auch regionale Emittenten seiner Region für den Zertifikatehandel mit „Verschmutzungsrechten“ binden würde. „Mit einem Preis von 25 Euro/t CO2 würden wir unsere zusätzlichen Mühen auf dem Acker fair entlohnt bekommen.“

Mehr zum Thema CO2-Zertifikatehandel lesen Sie in der gedruckten Februar-Ausgabe von agrarheute 2/2020 ab Seite 30.

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