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Analyse

Druck am globalen Getreidemarkt

Case Ih-Mähdrescher und Überladewagen bei Getreideernte
Prof. Dr. Reimer Moor
am
21.08.2017

Eine unterdurchschnittliche EU-Getreideernte und vermutlich regional hohe Getreideernten aus Drittländern: Was bedeutet das für die Vermarktung?

In den Erntegesprächen mit den Nachbarn wird derzeit selten Gutes berichtet. Landwirte sprechen regional in Deutschland zwar von durchschnittlichen Erträgen, aber die Qualität fehlt. Hektolitergewichte und Fallzahlen entsprechen z. T. nicht den Erwartungen der Mühlen und der Exporteure. Im Nordosten stimmt dagegen weder Menge noch Qualität. Der Norden steht durch den anhaltenden Regen noch mitten in der Weizenernte. Die Erwartung für die ausstehenden Druschtage ist daher pessimistisch.

Meldungen über fehlende Niederschläge aus den USA, Kanada und Australien mit steigenden Kursen ließen bis Mitte Juli auf eine gute Vermarktungssaison schließen. Die Kursrichtung hat sich aber deutlich verändert.

Gegenüber dem Kurshoch  Mitte Juli ist der Septemberweizen in Chicago um 50 US-Dollar/t auf 162 US-Dollar/t gefallen und in Paris um 21 US-Dollar/t auf 161 US-Dollar/t. Die regionalen Märkte folgten der Börse. Ab Station werden Preise für Brotweizen zwischen 150 und 155 US-Dollar/t genannt. In marktfernen Gebieten liegen die Preise unter 150 US-Dollar/t.

Rapserträge in Deutschland heterogen

Schwierig zu beurteilen ist derzeit der Ölsaatenmarkt. Die Rapserträge in Deutschland sind in diesem Jahr sehr heterogen. Besonders stark fallen im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr die Erträge im Nordosten Deutschlands ab. Viele Betriebe kämpfen dort mit einem Betriebsdurchschnitt von 30 dt/ha.

In dieser Situation bewegt sich der europäische Rapsmarkt mit Preisen zwischen 365 und 375 US-Dollar/t seitwärts. Er widersetzt sich damit dem Abwärtstrend des Sojabohnenmarktes, wo die Preise in den vergangenen vier Wochen um 40 US-Dollar/t auf 347 US-Dollar/t (294 US-Dollar/t) fielen.

Ernteerwartungen global

In Russland wird mit 77,5 Mio. t (Vj. 72,5 Mio. t) die höchste Weizenernte in diesem Jahrtausend erwartet. Ein Großteil der Ernte ist bereits eingefahren. Private Analysten halten sogar eine Ernte von 80 Mio. t für möglich. Das dreijährige Mittel liegt in Russland bei 64 Mio. t. Dagegen wurden die Ernteerwartungen in der EU-28 um 0,4 Mio. t. den USA um 0,6 Mio. t sowie in Kanada um 1,9 Mio. t nur leicht zurückgenommen. Die australische Ernte blieb trotz der anhaltenden Trockenheit unverändert. Die US-Analysten erwarten, dass die Weizenvorräte weltweit um 4 Mio. t auf ein weiteres Rekordniveau von 265 Mio. t steigen werden.

Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Während in China die Vorräte um 16 Mio. t auf knapp 128 Mio. t (48 % der weltweiten Vorräte) und in Russland um 4,5 Mio. t auf 15 Mio. t steigen sollen, sollen in den wichtigsten Exportnationen die Vorräte fallen. In den USA wird ein Rückgang von 7 Mio. t erwartet, in Australien um 3,4 Mo. t, in der EU-28 um 0,7 Mio. t und in Kanada um 2 Mio. t. Auch im Mittleren Osten sollen die Vorräte um 3 Mio. t auf 10 Mio.  t sinken.

Druck am Weltmarkt

Aufgrund der hohen Ernte und den niedrigen Frachtkosten nach Nordafrika und den Mittleren Osten ist Russland der günstigste Anbieter am Weltmarkt. Die Mehrzahl der Exportausschreibungen wird von russischen Anbietern gewonnen. In den russischen Exporthäfen wird Brotweizen mit 12,5 % für fob 192 $/t (163 €/t) angeboten. Die gleiche Ware kostet im Ostseeraum 200 bis 205 $/t (170 – 174 €/t). Der Hard Red Winter mit 12 % Protein wird sogar am Golf von Mexiko für 217 $/t gehandelt.

Konkurrenzfähig ist dagegen der französische Weizen. Im Exporthafen von Rouen werden bei 11 % Protein Preise von 163 €/t genannt. Es ist zu erwarten, dass Russland in der gesamten Vermarktungssaison am Weltmarkt aktiv sein wird. Mit 31,5 Mio. t wird Russland vor der EU-28 mit 29,5 Mio. t der Exporteur Nummer 1 werden. Das USDA hat dabei in der Augustschätzung die Exportprognose für Russland um 1 Mio. t erhöht und für die EU-25 um 0,5 Mio. t gekürzt.

Innerhalb der EU-28 ist Frankreich zurück am Markt. Nach der letztjährigen schwachen Weizenernte wird in Frankreich eine Menge von knapp 37 Mio. t (Vj. 27,6 Mio. t) erwartet. Durch eine sehr gute Kornfüllungsphase konnten die Spätfröste und Frühjahrstrockenheit ausgeglichen werden.Bei hohen Hektolitergewichten sollen die Proteingehalte 12 % betragen. Damit ist zu erwarten, dass französische Ware aufgrund des Frachtvorteils Wettbewerbsvorteile im Export gegenüber Weizen aus dem Baltikum, Polen und Deutschland haben wird.

Eurostärke beeinflusst Euroraum

Besonders stark beeinflusste die Eurostärke die Preisentwicklung im Euroraum. Seit Mai ist der Wert des Euros gegenüber dem US-Dollar um 8 % gestiegen. Allein seit Anfang Juli waren es 4 %. Mittlerweile wird für einen Euro 1,18 US-Dollar gezahlt. Da gleichzeitig auch der Wert des Euros gegenüber dem russischen Rubel um 6 % gestiegen ist, sind Exporte aus der EU-28 heraus schwierig.

Der Währungseinfluss beträgt 5 bis 8 €/t. Gleichzeitig werden Getreide- und Ölsaatenimporte in die EU-28 günstiger. Aufgrund des starken Preisrückganges am Weltmarkt hat die EU-Kommission wieder einen Importzoll für Mais, Sorghum und Roggen von 5,16 €/t ergoben. Der Importzoll wird eingeführt, wenn der Importpreis einschließlich Transportkosten in Rotterdam für Mais, Sorghum und Roggen unter 157 €/t fällt.

Weizenpreise am Weltmarkt

Die Ernte auf der Nordhalbkugel ist noch nicht abgeschlossen, daher sind die Zahlen weiterhin mit Vorsicht zu betrachten. Insbesondere die Folgen der Trockenheit in Kanada, Australien und Teilen der USA scheinen derzeit noch zu vorsichtig bewertet zu sein. Auch für die EU-28 fehlt für viele Länder noch der Überblick.

Abzusehen ist, dass die EU-Getreideernte ein weiteres Jahr hinter dem fünfjährigen Durchschnitt zurückfallen wird. Sie ist durch die zu erwartende schwache Maisernte auf umfangreiche Importe angewiesen. Dabei bremsen die eingeführten Importzölle den Preisrückgang durch Billigimporte vom Weltmarkt.

Fest steht bereits, dass die Schwarzmeerregion durch das hohe Angebot auch im kommenden Jahr die Weizenpreise am Weltmarkt unter Druck halten wird. Ein hohes Maß an Unsicherheit besteht derzeit über die Höhe der Preisprämien für Qualitätsweizen. Die Folgen der Trockenheit in den USA und den Regen in Teilen Europas sind aktuell noch nicht zu bestimmen. Aufgrund des Preisdruckes in der Ernte und der Fragezeichen hinter der weltweiten Produktion ist es ratsam, das Getreide vorerst einzulagern.

 

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