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Ernteprognose

DRV: Schwache Erträge drücken Getreideernte

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getreideernte claas tucano
© ah/youtube.com
von , am
18.08.2017

Die Erwartungen an die deutsche Getreide- und Rapsernte 2017 haben sich im August überraschend deutlich verschlechtert.

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© Olaf Zinke

Grund für die deutlich verschlechterte Ernteprognose sind zum einen die nach unten korrigierten Ertragserwartungen und insbesondere bei Roggen und Wintergerste auch die nach unten korrigierten Anbauflächen. Eine Ausnahme macht lediglich der Körnermais, bei dem die Produktion aufgrund einer deutlich nach oben korrigierten Fläche größer ausfallen dürfte.

Die stärksten Korrekturen nach unten hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) im Vergleich zur vorigen Schätzung bei Roggen, Sommergerste und Triticale vorgenommen. Ebenfalls recht deutlich nach unten korrigiert, wurden jedoch Erträge und Produktion bei Weizen, Raps und bei Hafer. Die geringsten Korrekturen gab es bei Wintergerste.

Mit der aktuellen Korrektur verfehlt die neue Getreideernte mit 44,9 Mio. t den Fünf-Jahres-Durchschnitt von 47,9 Mio. t sehr deutlich um 3,0 Mio. t. Das schwache Vorjahresergebnis von 45,4 Mio. t wird um etwa 2,0 % bzw. 0,9 Mio. t übertroffen. Im vorigen Monat hatte der DRV die deutsche Getreideernte auf 45,8 Mio. t geschätzt und damit 0,5 Mio. t kleiner. 

Getreideernte fast abgeschlossen

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© Olaf Zinke

Nach Einschätzung des DRV weisen die Qualitäten über alle Kulturen eine große Heterogenität aus. Offensichtlich entsprechen sie aber bislang den Anforderungen der Verarbeiter. In weiten Teilen Deutschlands ist die Ernte trotz zahlreicher witterungsbedingter Unterbrechungen abgeschlossen. Allerdings stehen im Norden und Nordosten, in Höhenlagen und Gebieten mit erheblichen Niederschlägen, noch nennenswerte Weizen- und Rapspartien auf den Feldern. Die Rapsernte enttäuscht in vielen Regionen. Nach zahlreichen Wetterkapriolen haben die Niederschläge der vergangenen Wochen wertvollen Ertrag gekostet. Darüber hinaus liegen die Ölgehalte oft unter den Werten des Vorjahres.

Die enttäuschende deutsche Ernte trifft jedoch auf einen weiterhin insgesamt gut versorgten Getreidemarkt. Europaweit wird mit einem knapp durchschnittlichen Ergebnis gerechnet. Die weltweiten Bestände sind durch die Rekordernten der vergangenen Jahre kontinuierlich gestiegen.

Schwächere Weizenerträge drücken Produktion

Die deutsche Weizenernte 2017 ist nach der August-Prognose des DRV mit etwa 24,3 Mio. t rund 0,5 % bzw. 0,2 Mio. t kleiner als die Weizenernte aus dem Jahr 2016 von 24,5 Mio. t. Im vorigen Monat hatte der DRV die Weizenernte immerhin noch auf 25,4 Mio. t geschätzt und damit wegen der höheren Erträge von 79,0 dt/ha rund 1,1 Mio. t größer. 

Dabei basiert der Produktionsrückgang auf einer 1,3 % niedrigeren Ertragserwartung (75,9 dt) als die Erträge der letzten Ernte (76,9 dt/ha). Gleichzeitig ist die Weizenfläche mit 3,208 Mio. ha etwa so groß wie die Weizenfläche des Jahres 2016 mit 3,202 Mio. ha.

Im vorigen Monat hatte der DRV die Weizenernte geringfügig kleiner auf 25,2 Mio. t geschätzt. Mit seiner Ernteprognose liegt der DRV etwa 0,8 Mio. t niedriger als die Analysten der Europäischen Kommission. Diese hatte die deutsche Weichweizenernte im August auf 25,1 Mio. t geschätzt.

Etwas weniger Wintergerste als 2016

Mit einer erwarteten Ernte von 8,7 Mio. t soll die Produktion von Wintergerste 2017 etwa 2,9 % kleiner ausfallen als die Ernte aus dem vorigen Jahr (8,96 Mio. t). Dabei sollen die Durchschnittserträge mit 70,7 dt/ha etwa ähnlich hoch sein wie 2016 mit ebenfalls 70,7 dt/ha.

Die Anbaufläche von Wintergerste ist mit 1,231 Mio. ha rund 36.600 ha bzw. 2,9 % kleiner als im vorigen Jahr. Im vorigen Monat hatte der DRV die Wintergerstenernte auf 8,93 Mio. t geschätzt und damit wegen der etwas höheren Erträge von 72,2 dt/ha rund 0,23 Mio. t größer. 

Etwas mehr Sommergerste als im Vorjahr

Die deutsche Produktion von Sommergerste erwartet der DRV in seiner Augustschätzung bei  etwa 1,81 Mio. t und damit 2,1 %  bzw. 37.000 t größer als im vorigen Jahr mit 1,77 Mio. t. Im vorigen Monat hatte der DRV die Sommergerstenernte noch auf 1,90 Mio. t geschätzt und damit wegen der etwas höheren Erträge etwas größer.

Derzeit erwartet der DRV die Durchschnittserträge bei 53,1 dt/ha und damit 1,4 % höher als 2016 mit etwa 52,4 dt/ha und zudem etwas niedriger als beider vorigen Prognose mit 54,2 dt/ha. Die Anbaufläche gibt der DRV mit 0,340 Mio. ha an. Im Vergleich zum vorigen Jahr mit 0,338 Mio. ha wäre die Anbaufläche rund 0,8 % größer.

Insgesamt schätzt der DRV die deutsche Gerstenproduktion auf 10,5 Mio. t, im Vergleich zu 10,73 Mio. t im vorigen Jahr. Das wäre ein Produktionsrückgang von 2,1 % bzw. 0,23 Mio. t. Die Europäische Kommission war im August von einer deutschen Gerstenproduktion von 10,4 Mio. t ausgegangen. Das sind 0,1 Mio. t weniger als der DRV erwartet.

Roggenernte wird deutlich kleiner

Bei Roggen ist die Anbaufläche 2017 mit 0,538 Mio. ha um 5,8% kleiner als 2016 (0,571 Mio. ha). Gleichzeitig werden die Durchschnitterträge mit 51,5 dt/ha etwa 7,4 % kleiner als im Vorjahr mit 55,6 dt/ha erwartet.

Die Produktion geht deshalb anbau- und ertragsbedingt um 12,7 % auf  nur noch 2,77 Mio. t zurück und ist damit 0,40 Mio. t kleiner als im vorigen Jahr (3,19 Mio. t). Im vorigen Monat hatte der DRV die Roggenernte noch auf 3,03 Mio. t geschätzt und damit wegen der etwas höheren Erträge von 56,3 dt/ha deutlich größer. 

Maisproduktion kräftig oben gesetzt

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© Olaf Zinke

Eine Maisernte von 4,29 Mio. t erwartet der DRV im August. Im vorigen Monat hatte der DRV die Maisernte (wegen einer deutlich kleineren Anbaufläche) lediglich auf 3,85 Mio. t geschätzt. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland etwa 4,02 Mio. t Mais geerntet. In seiner aktuellen Prognose geht der DRV von einer Maisfläche von etwa 0,431 Mio. ha (+3,4 %) aus. Im vorigen Monat hatte der DRV nur eine Fläche von 0,392 Mio. ha unterstellt.

Die Erträge erwartet der DRV im August ebenfalls höher als im Vorjahr. Nach der aktuellen Schätzung sollen die Durchschnittserträge bei 99,6 dt/ha liegen und damit 3,2 % höher sein wie 2016 mit 96,5 dt/ha und ebenfalls höher als bei der vorigen Schätzung mit 98,1 dt/ha. Die Europäische Kommission war im August von einer deutschen Maisernte von 4,0 Mio. t ausgegangen.

Eine 11,0 % größere Produktion als im vorigen Jahr erwartet der DRV mit 0,594 Mio. t beim Hafer. Bei Triticale gehen die Analysten des DRV (wegen der deutlich nach korrigierten Erträge) von einer 1,3 % kleineren Erntemenge im Vergleich zu 2016 von nur noch 2,37 Mio. t aus.

Rapsernte deutlich nach unten korrigiert

Die deutsche Rapsernte erwartet der DRV jetzt nur noch 4,3 Mio. t und damit 5,9 % bzw. 0,27 Mio. t kleiner als im vorigen Jahr mit nur 4,57 Mio. t. Im vorigen Monat hatte der DRV die Rapsernte noch auf 4,78 Mio. t geschätzt und damit 0,48 Mio. t größer als jetzt.

Dabei erwartet der DRV die Durchschnittserträge nur noch bei 32,9 dt/ha und damit 4,8 % niedriger als 2016 mit etwa 34,6 dt/ha und deutlich kleiner als bei der vorigen Prognose mit 36,6 dt/ha. Die Anbaufläche gibt der DRV weiterhin mit 1,307 Mio. ha an.

Im Vergleich zum vorigen Jahr mit 1,323 Mio. ha wäre die Anbaufläche rund 1,2 % bzw. 16.000 ha kleiner. Die Europäische Kommission war im August von einer deutlich größeren deutschen Rapsproduktion von 4,85 Mio. t ausgegangen.

Erntehelferbericht: Getreideernte auf einem amerikanischen Öko-Betrieb

Farm in Minnesota
Die Farm von Jonathan und Carolyn Olson aus dem Jahr 1913 befindet sich in der Nähe von Cottonwood, Minnesota. In der großstrukturierten Ackerbauregion, die vom Mais- und Sojaanbau geprägt ist, bewirtschaftet ein landwirtschaftlicher Betrieb im Durchschnitt 349 Acres (145 Hektar). Inmitten von gentechnisch veränderten Pflanzen betreibt der Familienbetrieb Olson seit 1998 Ökolandbau. © Immo Cornelius
Case Knicklenker mit Güllefass
Zum Betrieb gehören zudem 4.800 konventionelle Mastschweine. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erlauben es amerikanischen Bio-Landwirten, auch Gülle aus konventioneller Tierhaltung einzusetzen. © Immo Cornelius
Schild Organic Crop
Auf insgesamt 1.100 Acres (460 Hektar) baut der Landwirt in einer dreijährigen Fruchtfolge Getreide (178 Hektar Weizen, Triticale, Hafer) plus Zwischenfrucht, Mais (138 Hektar) und Soja (142 Hektar) an. Der Mais wird als Körnermais geerntet und hauptsächlich zu Bio-Wodka verarbeitet. Soja wird zum größten Teil als Saatgut, daneben als Lebens- und Futtermittel verkauft. © Immo Cornelius
Hafer mit Luzerne-Untersaat
Auf einigen Flächen probiert der Landwirt eine sechsjährige Fruchtfolge aus. Diese umfasst Hafer plus Luzerne-Untersaat, Luzerne, Mais, Soja, Weizen/Triticale plus Zwischenfrucht und Mais. Hier zu sehen: Geerntetes Haferfeld mit Luzerne-Untersaat. © Immo Cornelius
Öko-Weizen
Auf 100 Hektar steht Bio-Weizen. Konventioneller Getreideanbau ist in Minnesota selten geworden, da der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie Soja und Mais rentabler ist. Durch den höheren Preis für Ökoprodukte lohnt sich der Getreideanbau für Jonathan Olson aber. Mit umgerechnet 34 dt/ha können die Erträge des Öko-Weizens mit konventionell erzeugtem Weizen in Minnesota zudem mithalten. © Immo Cornelius
John Deere Mähdrescher
Geerntet wird mit einem John Deere 9650 mit 9,20 Meter Schneidwerk. © Immo Cornelius
GPS auf Mähdrescher
Der Mähdrescher verfügt, wie alle Maschinen auf dem Betrieb, über GPS und ein automatisches Lenksystem. © Immo Cornelius
Mähdrescher und LKW
Abgefahren wird per LKW, da die Entfernungen sehr groß sind. © Immo Cornelius
Getreide-Förderschnecke
Per Förderschnecke wird das Getreide in die verschiedenen Silos gebracht. © Immo Cornelius
Mähdrescher sauber pusten
Da das meiste Getreide der Saatgutvermehrung dient, müssen nach jeder geernteten Sorte sowohl der Mähdrescher... © Immo Cornelius
Getreide-Förderschnecke
...die Förderschnecke... © Immo Cornelius
LKW-Anhänger sauber pusten
...als auch die LKW-Anhänger sauber gepustet werden. © Immo Cornelius
Pick-up mit Schneidwerkswagen
Das Schneidwerk bringt man für gewöhnlich mit dem Pick-up zu den Schlägen. © Immo Cornelius
Pick-up vor Sonnenuntergang
Für lange Erntetage verfügt ein weiterer Pick-up über einen großen Dieseltank auf der Ladefläche. © Immo Cornelius
Strohrundballen
Da in Minnesota kaum noch Getreide angebaut wird, ist Stroh sehr gefragt. © Immo Cornelius
Versatile mit Rundballenpresse
Deswegen wird das Stroh auf allen Getreideflächen zu Rundballen gepresst. Milchviehhalter, die das Stroh kaufen, kommen dafür mit ihren Maschinen schon mal aus 100 Kilometer Entfernung. Die fertigen Rundballen werden aber per LKW transportiert. © Immo Cornelius
Oldtimer beim Stroh schwaden
Die meisten US-Landwirte besitzen modernste Landmaschinen. Beim Stroh schwaden ist zum Teil aber auch ältere Landtechnik im Einsatz. © Immo Cornelius
Oldtimer-Kabine
Trotz fehlendem Komfort in der Kabine kann man es auf dem alten Traktor aber auch aushalten. © Immo Cornelius
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