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Düngemittel

Dünger und Biostimulanzien: Das gilt ab 16. Juli zur CE-Kennzeichnung

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am Donnerstag, 07.07.2022 - 10:56 (2 Kommentare)

Die EU-Düngerprodukte-Verordnung gilt ab 16. Juli 2022. Sie soll Vorschriften EU-weit harmonisieren, etwa mit einer CE-Kennzeichnung. Zudem ist der Rechtsrahmen für Biologicals angepasst.

Ab dem 16. Juli 2022 darf kein Hersteller mehr Dünger als „EG-Düngemittel“ auf den Markt bringen. Denn ab diesem Tag ist die EU-Düngeprodukte-Verordnung 2019/1009 voll anzuwenden. Sie trat vor drei Jahren in Kraft und soll EU-Standards harmonisieren.

Alle EU-Düngeprodukte tragen künftig das CE-Kennzeichen, das die Konformität mit den Vorgaben der EU-Düngeprodukte-Verordnung 2019/1009 bestätigt. CE steht für 'Conformité Européenne', übersetzt 'Europäische Konformität'. Die CE-Kennzeichnung zeigt die Übereinstimmung mit den geltenden Anforderungen, die die EU an den Produzenten stellt.

Was sind die wesentlichen Neuerungen der neuen EU-weiten Kennzeichnung?

Mit der Verordnung werden erstmals EU-weite Grenzwerte für Schadstoffe in Düngeprodukten eingeführt. Das Ziel ist, Böden und Gewässer höchstmöglich zu schützen und die Risiken für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zu senken. Das gilt im Einzelnen

  • die bisherigen EG-Düngemittel-Typen fallen weg,
  • sogenannte Produktfunktionskategorien (PFC) werden eingeführt,
  • ebenfalls sogenannte Komponentenmaterialkategorien (CMC),
  • integriert werden organische Dünger, Sekundärrohstoffdünger, Bodenverbesserer, Substrate oder Biostimulanzien und andere,
  • Grenzwerte für Schadstoffe werden eingeführt,
  • ebenso negative und positive Toleranzen,
  • weiter umfangreich erweiterte Kennzeichnungsvorschriften,
  • sogenannte Konformitätsnachweise sind ebenso nötig wie
  • technische Dokumentationen.

Was sind sogenannte Produktfunktionskategorien (PFCs)?

Für einzelne Produktfunktionskategorien (PFCs) gibt es unterschiedliche Sicherheits- und Qualitätsanforderungen.

  • Ein EU-Düngeprodukt muss die Anforderungen bei Wirkungsweise, relativem Gehalt der Komponenten oder andere einschlägige Parameter erfüllen,
  • sie definieren Grenzwerte für Verunreinigungen,
  • sie bestimmen Mindestnährstoffgehalte,
  • sie legen bei Biostimulanzien die zulässigen Wirkungsweisen fest.

Was bedeutet die Konformitätsbewertung für das CE-Kennzeichen?

Alle EU-Düngeprodukte tragen zukünftig ein CE-Kennzeichen. Das bestätigt die Konformität mit den Vorgaben der Düngeprodukte Verordnung (EU) 2019/1009.

  • Die vorhergehende Konformitätsprüfung dienen der Qualitätssicherung und dem Nachweis darüber.
  • Je nach Produkteigenschaften und eingesetzten Ausgangsstoffen müssen die Produkte eins von vier Bewertungsmodulen durchlaufen.

Welche Anforderungen an die Kennzeichnung gelten nach EU-Düngeprodukte-Verordnung?

Allgemein gehören zu den Kennzeichnungsvorschriften folgende Angaben:

  • Produktbeschreibung,
  • Mengenangabe,
  • Anwendungszweck, Zielpflanzen, Anwendung, Einsatztermin, Anwendungshäufigkeit,
  • Lagerbedingungen,
  • Empfehlungen zur Risikominimierung,
  • Liste der Inhaltsstoffe < 5%.

Das sind die produktspezifische Kennzeichnungsanforderungen:

  • Spezifische Anforderungen an die Kennzeichnung von chemischen und physikalischen Parametern, Inhaltsstoffen (CMC),Wirkungsweisen und Sicherheitshinweisen für die verschiedenen Produktfunktionskategorien

Diese Regeln für Toleranzen gelten nur bei deklariertne Werten, nicht für Schadstoffe:

  • Toleranz für positive und negative Abweichungen,
  • Kein Überschreiten von Mindest- oder Höchstgehalten mit der Toleranz.

Was sind Industrielle Nebenprodukte auf einer Positivliste?

Mit der neuen EU-Düngeprodukte-Verordnung 2019/1009 gilt zudem eine Komponentenmaterialkategorie.

Für den delegierten Rechtsakt der EU-Kommission sind Kriterien zur agronomischen Effizienz und Sicherheit von Nebenprodukten sind Kriterien noch festzulegen. Ein Joint Research Center (JRC) ist beauftragt, Kriterien zu entwickeln: Vorgeschlagen ist die Einführung einer Positivliste.

Können Hersteller nach nationaler Gesetzgebung noch Düngemittel auf den Markt bringen?

Sobald die neuen Regeln der EU-Düngeprodukteverordnung ab dem 16. Juli 2022 gelten, können die Hersteller bei der Bereitstellung ihrer Düngeprodukte auf dem Europäischen Markt zwischen zwei Optionen wählen:

  • EU-Düngeprodukte mit einer CE-Kennzeichnung nach der Verordnung (EU) 2019/1009 oder
  • nach nationalem Recht hergestellte und zugelassene Düngemittel.

Dabei sind die Regeln nach der Verordnung (EU) 2019/515 für die gegenseitige Anerkennung zu befolgen, um die Produkte in einem anderen EU-Mitgliedsland zu vermarkten. Eine CE-Kennzeichnung ist in diesem Fall nicht möglich. Weitere Informationen zum Thema bietet der Industrieverband Agrar (IVA).

Was bedeutet die neue EU-Düngeprodukte-Verordnung für Biostimulanzien?

Eine neue Produktfunktionskategorie der Pflanzen-Biostimulants, Biolgicals oder Biostimulanzien sind weder Pflanzenschutz- noch Düngemittel. Mit der EU- Düngeprodukte-Verordnung 2019/1009 gibt es nun einen einheitlichen Rechtsrahmen für diese Produkte.

Demnach sind sie EU-Düngeprodukte, die dazu dienen, pflanzliche Ernährungsprozesse unabhängig vom Nährstoffgehalt zu stimulieren. Sie zielen ausschließlich auf verbesserte Merkmale der Pflanze oder ihrer Rhizosphäre ab:

  1. Effizienz der Nährstoffverwertung,
  2. Toleranz gegenüber abiotischem Stress, wie Trockenheit oder Kälte,
  3. Qualitätsmerkmale oder
  4. Verfügbarkeit von im Boden oder in Rhizosphäre enthaltenen Nährstoffen.“

 

Mit Material von IVA
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