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Düngeplanung

Düngerkrise: Mit der Grunddüngung Stickstoffaufnahme verbessern

Amazone Mineraldüngerstreuer in Weizen
am Dienstag, 11.01.2022 - 06:03 (2 Kommentare)

Stickstoff ist schwindelerregend teuer. Wer jetzt auch die Grundnährstoffe vernachlässigt, bremst die Stickstoffaufnahme weiter.

Extrem hohe Düngerpreise, vor allem beim Stickstoff – wer denkt da nicht ans Reduzieren? Das sollte mit Bedacht geschehen. Ein Grund mehr, die anstehende Nährstoffbedarfsermittlung vielleicht etwas genauer und umfangreicher als bisher durchzuführen, empfehlen die Berater des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum (DLR) aus der Eifel.

Schenken Sie dabei den Grundnährstoffen mehr Aufmerksamkeit. Wer die bei reduziertem Stickstoffangebot auch noch Grundnährstoffe vernachlässigt, nimmt rasant sinkende Erträge in Kauf.

Kalk: weniger Stickstoffaufnahme bei zu niedrigem pH

Zum Beispiel Kalk: Rutscht der pH-Wert unter das standortspezifische Optimum, sinkt die Stickstoffausnutzung schnell auf 50 bis 60 Prozent. Kalkdünger lassen sich auch im Frühjahr noch als „Kopfdüngung“ geben. Allein die Streuweite setzt hier bei Fahrgassen breiter als 15 m Grenzen.

Auch die anderen Hauptnährstoffe Phosphor, Kali, Magnesium und Schwefel werden oft zu wenig beachtet. Wie viel Stickstoffdünger die einzelnen Kulturen für den standorttypischen Ertrag benötigen, ist meist bekannt.

Wie hoch ist der Entzug von Phosphor, Kali und Schwefel?

Nährstoffabfuhr je nach Ertrag

Aber wieviel Phosphor benötigt Getreide? Oder wieviel Kali nehmen Raps oder Silomais auf? Welchen Schwefelbedarf haben die Pflanzen?

Bodenuntersuchungen sind zwar laut DüngeVO vorgeschrieben, die Ergebnisse sollten aber bei der Bemessung der Düngergabe stärker beachtet werden. Gehaltsklasse C, die mittlere Versorgungsstufe, bedeutet, dass zumindest der Entzug der Grundnährstoffe gedüngt werden sollte.

Dabei ist zu beachten: Die Nährstoffaufnahme ist oft deutlich höher ist als der Entzug – beispielsweise hat Raps bei einem Kalientzug vom 1 kg/dt einen Bedarf (Aufnahme) von 6 kg/dt.

Der Bedarf an Grundnährstoffen in kg/ha ist nicht unerheblich, wie nebenstehende DLR-Tabelle zeigt.

Phosphor: Auf Wasserlöslichkeit achten

Noch vor 20 Jahren war die „Schaukeldüngung“ beim Phosphor allgemeine Lehrmeinung. Heute wird sie kritisch gesehen. Phosphor wird zwar nicht ausgewaschen, unterliegt aber einem Alterungsprozess. Mit der Zeit wird er immer schlechter pflanzenverfügbar.

Achten Sie bei der Phosphatdüngung im Frühjahr auf eine hohe Wasserlöslichkeit. Phosphor ist im Boden kaum beweglich und sollte zu Sommerungen unbedingt vor der Saat eingearbeitet werden.

In Winterungen bietet sich die Düngung mit DAP an. Der enthaltene Phosphor ist wasserlöslich und der Stickstoff liegt als Ammonium vor und wird auch bei früher Düngung nicht ausgewaschen.

Kalium: Hoher Bedarf und reduzierte Verfügbarkeit

Kali wird auf sehr leichten Böden ausgewaschen und auf sehr tonigen Böden festgelegt. Beides reduziert die Pflanzenverfügbarkeit. Besonders Raps, Mais und Grünland haben einen hohen Kalibedarf, der bei verhaltenen Wirtschaftsdüngergaben oft nicht gedeckt ist. Diese Quelle liefert je nach Bodenversorgung nicht ausreichend Kali nach.

Kalium stärkt die Winterhärte, geben Sie ihn daher bevorzugt im Herbst. Aber auch in einer Frühjahrsgabe wirkt er gut.

Schwefel: Nmin als Indiz für Smin

Als Sulfat kann Schwefel ähnlich wie Nitrat ausgewaschen werden. Eine regelmäßige Zufuhr ist daher nötig. Die Schwefelgehalte in organischen Düngern werden meist überschätzt und er ist dort größtenteils organisch gebunden. Für die Pflanzen ist er erst mal nicht verfügbar. Die Umwandlung von organisch gebundenem Schwefel verläuft langsamer als die Freisetzung von Stickstoff.

Ähnlich dem Nitrat hängen Winterniederschläge und Schwefelverlagerung eng zusammen. Bleibt es trocken, wird weniger verlagert als in nassen Wintern. Hohe Nmin-Werte im Frühjahr sind daher ein Indiz für hohe Smin-Werte und umgekehrt.

Der Schwefeleintrag über Luft und Niederschläge ist fast bedeutungslos und wird in der Bedarfsplanung nicht berücksichtigt.

Je höher der Ertrag, desto höher der Schwefelbedarf. Eine ausgewogene Schwefeldüngung verbessert die Stickstoffausnutzung und umgekehrt führt Schwefelmangel zu einer schlechten Ausnutzung des eingesetzten Stickstoffs. Das ist nicht nur aus politischen Gründen zu vermeiden.

Elementarer Schwefel wirkt langsamer

Bakterien müssen elementaren Schwefel zunächst zu Sulfat (SO4) umwandeln, bevor Pflanzen ihn aufnehmen können. Das erklärt die geringe S-Düngewirksamkeit granulierter elementarer Schwefel. Pulver- und Flüssigprodukte haben eine große Oberfläche und können daher theoretisch schneller umgewandelt werden.

Andere Schwefeldünger in Sulfatform zeigen keinen Unterschied in der Wirksamkeit.

Wählen Sie den Schwefeldünger neben der im Betrieb vorhandenen Ausbringtechnik (flüssig/fest) vor allem nach der Preiswürdigkeit einschließlich des Kalkverlusts.

Magnesium nur bei Bedarf düngen

Bei hohen Magnesiumgehalten im Boden sollte möglichst kein zusätzliches Magnesium gedüngt werden. Greifen Sie dann auf magnesiumfreie Schwefeldünger zurück.

Bei einem Magnesiumbedarf bietet sich zur klassischen Düngestrategie die Gabe von 1,5 bis 2,0 dt/ha Kieserit an.

Bei ASL-Lösung unbedingt auf den pH-Wert achten

Auf den ersten Blick sind ASL-(Ammoniumsulfat-) Lösungen sehr preiswert und werden oft mit AHL (Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung) kombiniert.

Auf Standorten mit niedrigem pH-Wert ist hier unbedingt der Kalkausgleich mit einzukalkulieren und vor allem auch durchzuführen. Pro 100 kg N über eine 8/8 ASL-Lösung sind 300 kg CaO notwendig, um den pH-Wert zu halten.

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