Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Klimawandel

Dürre und Wasserknappheit: Ackerbauern in Not

Ausgetrocknetes Flussbett mit Rissen im Boden
am Freitag, 15.01.2021 - 12:15 (Jetzt kommentieren)

Mit dem Klimawandel nehmen die Dürren zu. Da lohnt es sich, gegen Wassernot aufzurüsten, etwa mit dem Einstieg in die Beregnung, dem Bau eigener Speicher oder den Anschluss an öffentliche Leitungen. Künftig zählt eine gerechte Wasserverteilung mehr denn je.

Extreme Wasserstände, heftige Dürren, steinharte Böden, verdörrte Ernten oder brennende Wälder, mangelnder Sauerstoff in Flüssen und aufgeheizte Seen - in einem eigentlich wasserreichen Land wie Deutschland sollten wir uns daran nicht gewöhnen müssen. Dagegen sind künftig bessere Strategien nötig. Letztlich ist die Wasserverteilung gesetzlich besser zu regeln.

Ackerbauern sind die Hauptbetroffenen bei Wassernot

Männer und Maschinen um offene Wasserleitung im Boden

Landwirte gehören zu den Hauptbetroffenen von Wassernot. Sie können aber auch viel dazu beitragen, die Folgen der Erderwärmung zu mildern. Die Sorge ums Wasser hat beispielsweise Franz-Josef Krechtmann lange beschäftigt. Der Viehhalter aus dem Münsterland hatte auf seinem Hof im Einzugsgebiet des Halterner Stausees nicht mehr genug Druck in den Leitungen. Und das bei einem der größten Vorkommen von Grundwasser in Nordrhein-Westfalen (NRW), das Millionen Menschen versorgt.

Die eigenen Brunnen reichten bei ihm zuletzt aber nicht mehr. Mehrmals hat der Landwirt neu nach Wasser gebohrt. Jetzt organisiert er mit ebenfalls Betroffenen aus der Nachbargemeinde den Anschluss ans öffentliche Wassernetz. Die Leitungen haben die Bauern aus Kostengründen selbst verlegt.

Die Nachbarn haben gebuddelt, um die „sonst unverhältnismäßig hohen Kosten“ für den Wasseranschluss niedrig zu halten. „Ohne die Initiative der Beteiligten und ihre große Eigenleistung wäre das im Außenbereich nur schwer realisierbar“, sagt Henning Hartmann von Gelsenwassser. „Das Projekt ist auch eine Vorlage für andere Regionen.“

Wenn nicht genug Regen fällt: Suche nach Lösungen nicht immer leicht

Denn auch andernorts treibt die Wassernot immer mehr Landwirten die Sorgenfalten in die Stirn. Doch die Suche nach Lösungen startet, etwa mit Regenrückhaltebecken oder Zusammenschlüssen, um das vorhandene Wasser besser zu nutzen. Denn Ackerbauern spüren Wassermangel als Erste. Sie wissen um den Ernst der Lage.

Wenn nicht mehr ausreichend Regen fällt, sinkt der Grundwasserspiegel, das wichtigste Reservoir für die Versorgung. 70 Prozent werden laut Umweltbundesamt (UBA) daraus gewonnen. „Um die Versorgung sicherzustellen, muss eine ausreichende Menge vorhanden sein“, so die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Neubildung und Entnahme müssen im Gleichgewicht stehen.“

Grundwasser gehört allen: Der Streit ums Wasser flammt bereits auf

Das ist längst nicht mehr überall der Fall. Mit dem Klimawandel verschärft sich das Problem. In Dürrejahren wird mehr Wasser verbraucht als in Jahren mit viel Regen. Da sind Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschafts- und Industriebetrieben, Wasserversorgungskonzernen oder Bergbauunternehmen schnell programmiert. Der Streit ums Wasser ist in den vergangenen Sommern bereits hier und dort aufgeflammt.

Ein drastisches Beispiel ist Coca-Cola in Lüneburg mit dem Mineralwasser Vio. Unter dem Motto „Unser Trinkwasser gehört uns“ demonstrierten aufgebrachte Bürger gegen einen Antrag für einen weiteren Brunnen, der die jährliche Fördermenge in etwa verdoppeln sollte. Daraus folgte die Frage, wem das Wasser gehört. Für die Initiatoren der Demo ist klar: „Jederzeit verfügbares Trinkwasser ist besonders in Zeiten des Klimawandels und der vermehrten Hitzesommer ein schützenswertes Gut.“ Es sei für viele Generationen vorzuhalten. Tenor: „Unser Grundwasservorkommen gehört der Allgemeinheit und darf nicht verkauft werden

Mit Beregnung erfolgreich gegen den Dürresommer

Die Politik reagiert nur langsam: Gemeinsame Strategien gefragt

Temporäre Damm mit Wasser in Wald

Doch die Politik reagiert nur langsam. Zwar will etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze „langfristig gedachte Konzepte“ erarbeiten, die eine „konfliktfreie Wassernutzung“ ermöglichen. Aber Ansätze ihrer ‚Nationalen Wasserstrategie‘ stellt sie erst im Sommer 2021 vor. Wie die konkret aussehen soll, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Schulze: „Unser Land ist zum Glück noch weit von einem Wassernotstand entfernt. Ich will, dass das in Zeiten des Klimawandels auch in Zukunft so bleibt.“ Deutschland brauche eine nationale Wasserstrategie, sprich eine „Wasserhierarchie“. Sie helfe, sich früh auf den möglichen Ernstfall einzustellen. Zwar würden „Entscheidungen, wer bei Knappheit Vorrang hat, letztlich immer vor Ort getroffen. Aber sie sollten sich an gemeinsamen Spielregeln orientieren.“

Beispiel Nordrhein-Westfalen: Handeln nach drei Dürrejahren

Im bevölkerungsreichen NRW dagegen schreibt das gerade novellierte Landeswassergesetz bereits fest, dass die Versorgung mit Trinkwasser uneingeschränkt Vorrang haben muss. Das gelte auch dann, wenn längere Dürren zu Nutzungskonflikten führen.

Nach drei trockenen Sommern will Landwirtschaftsministerin Ursula-Heinen-Esser beim Trinkwasser keine Zweifel aufkommen lassen. „In dieser Konsequenz gibt es dies bisher in keinem anderen Bundesland.“  Demnach arbeitet NRW derzeit ebenfalls an Lösungen, etwa gegen Verschwendung oder zur Wiederverwendung von Wasser. „Nutzungskonflikte müssen durch Vorausschau und Zusammenarbeit aller Akteure vermieden werden“, so Heinen-Esser.

Digitale Ausgabe agrarheute

Dies verkürzte Zusammenfassung des Originalbeitrags.
Lesen Sie die vollständige Reportage mit Lösungsvorschlägen aus den einzelnen Bundesländern in unserer digitalen Ausgabe agrarheute.

Wenn Sie bereits ein digitales Abo haben, geht es hier entlang.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...