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Versuchsergebnisse

Dutzende Produkte im Vergleich: Was Biostimulanzien wirklich bringen

Regenwürmer in fruchtbarem Boden
am Dienstag, 30.07.2019 - 06:44

Immer mehr Biostimulanzien erobern den Markt. Doch nur wenige sind in unabhängigen Feldversuchen hinlänglich getestet. EU-Ergebnisse zeigen: Rund ein Drittel der Mittel bringt positive Effekte.

Biostimulanzien, auch Bioeffektoren oder Biologicals genannt, umfassen eine breite Produktpalette. Sie basiert auf nützlichen Mikroorganismen, wie Bakterien und Pilze, auch auf bioaktiven Substanzen, etwa Pflanzen-, Algen-, oder Kompostextrakte. Weiter gibt es Produkte auf Basis von Huminstoffen und chemisch modifizierten Eiweiß- oder Abfallprodukten.

Sie alle sollen Abwehrkräfte gegen Stress stärken. Oft unterdrücken sie Krankheiten. Bei Extremwetter, Verboten bei chemischen Mitteln und weniger Nährstoffausträgen bilden sie bereits einen Markt mit weltweit rund 3 bis 4 Mrd. US -Dollar Umsatz.

Was EU-Versuche zeigen

Im EU-Projekt „Biofector“ haben 21 Institute und Produzenten das Potenzial der Mittel untersucht. Unter die Lupe kamen die Düngeeffizienz und der Schutz gegen Stress. Die Forscher testeten sie in Tomaten, Mais und Weizen unter vielen Klima- und Bodenbedingungen.

In 11 Ländern untersuchten sie 38 Produkte in gut 150 Versuchen. Nach fünf Jahren ließen sich in etwa 30 Prozent der über 1.100 Versuchsvarianten wachstumsstimulierende oder ertragssteigernde Wirkungen nachweisen.

Allerdings spielten die Einsatzbedingungen eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Produkte wirken oft ähnlich. Gezielte Kombinationen mit geeigneten Düngern waren meist sinnvoll. Optimierungsbedarf besteht bei Ausbringtechnik, Aufwandmengen und Arbeitsabläufen.

Schutz bei Dürre- oder Kältestress

Wegen der stressempfindlichen Etablierungsphase für mikrobielle Biostimulanzien und einer allgemein schwierigeren Ausbringtechnik unter Feldbedingungen zeigten sich in Ackerbaukulturen oft deutlichere Effekte bei nicht-mikrobiellen Präparaten.

Im Gegensatz zu Mikroorganismen sind hier neben Einarbeiten in den Boden oder Saatgut- behandlungen, bei Bedarf auch Blattspritzungen in geschlossene Bestände möglich. Das ermöglichte flexiblere Einsätze und längerfristige direkte Wirkungen.

Dabei zeigten zum Beispiel Produkte auf Basis Algen- und Pflanzenextrakten in mehrjährigen Feldversuchen eine Wirkung, oft in Kombination mit Mikronährstoffen, wie Zink und Mangan oder auch Silizium, nach Saatgut- oder Keimlingsbehandlung: Sie schützten gegen Kältestress im Jugendwachstum von Mais und nach Blattspritzungen im Herbst wie im Frühjahr und erhöhten die Auswinterungstoleranz bei Winterweizen.

Was nicht-mikrobielle Mittel bringen

Die Präparate wirken hauptsächlich durch Interaktion mit dem pflanzlichen Hormonstoffwechsel. Sie vermitteln so besseres Wurzelwachstum und erhöhte Produktion von Substanzen für den Kälteschutz sowie Antioxidanzien. Voraussetzung generell: ausreichende P-Verfügbarkeit.

Weiter zeigten sich auch fördernde Wirkungen durch Ammonium-, wie in Unterfuß- oder Saatbanddüngung bei Mais. Wie nicht-mikrobielle Biostimulanzien auf die Ertragsbildung von Winterweizen wirken, zeigen Feldversuche aus Horb auf schluffigem Lehm mit pH 5,9 und der Weizensorte Jessy sowie Nordirland auf Lehm mit pH 6,3 und der Sorte JB Diego.

Diese Präparate wurden mit je einer Blattspritzung vor Winter und mit ein bis vier Spritzungen im Frühjahr ausgebracht:

  • Superfifty, 3 l/ha,
  • Lamvita, 2 l/ha: Algenextrakt (von Bioatlantis, Kerry, Irland),
  • Manek, 0,625 l/ha: Heilpflanzenextrakt (von Agriges San Salvatore Telesino, Italien),
  • Vitanica ZnMn (Vitanica-Si: Silizium-NPK plus Algenextrakt 16 l/ha von Compo Expert, Münster), plus Folicin Zn 0,5 l/ha, Folicin Mn 0,5 l/ha (von Jost, Iserlohn),
  • AlgaVyt plus ZnMn, 0,5 l/ha: Algenextrakt plus Harnstoff plus Mikronährstoffe (von Agriges).

Vier von fünf Produkten profitabel

Ermittelt sind Durchschnittswerte der Behandlungen. Bei einem Weizenerlös von 150 Euro/t erwiesen sich vier von fünf Produkten als profitabel: Das sind

  • Superfifty, bis zu 3 Behandlungen, mit 70 bis 460 Euro/ha, Durchschnitt 215 Euro/ha,
  • Lamvita, bis zu 3 Behandlungen, mit 160 bis 310 Euro/ha, Durchschnitt 218 Euro/ha,
  • Manek, bis zu 5 Behandlungen, mit 190 bis 250 Euro/ha, Durchschnitt 228 Euro/ha, und
  • AlgaVyt ZnMn, 5 Behandlungen, mit 140 bis 190 Euro/ha.

Auch mikrobielle Biostimulanzien können vergleichbare Schutzwirkungen auslösen oder sogar verstärken. Vorausgesetzt es gelingt, sie vor dem Beginn der Stresseinwirkung an der Wurzel zu etablieren. Positive Wirkungen wurden auch bei Trockenheit oder Salzstress beobachtet.

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Mit Material von Uni Hohenheim, Biofektor/EU, Neumann
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