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Getreide

Ernte 2013: Der aktuelle Stand im Überblick

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von , am
22.07.2013

Die Getreideernte in Deutschland läuft - allerdings zwei bis drei Wochen später als üblich. Der Norden und Osten Deutschlands hinkt etwas hinterher: Hier soll die Haupternte erst Ende Juli beginnen.

Auf fast 90 Prozent der Flächen Deutschlands ist die Gerste nach Angaben des DWD bereits abgeerntet. © landpixel
Mit einer Verspätung von zwei bis drei Wochen hat vergangene Woche in fast allen Regionen Deutschlands die Getreideernte begonnen. Nachdem im Rheinland bereits in der zweiten Juniwoche einzelne Wintergerstenflächen gedroschen wurden, rollten seit Dienstag in den tieferen Lagen entlang des Rheins, in der Köln-Aachener Bucht und am Niederrhein die Mähdrescher auf breiter Front. In der Soester Börde wurden ebenfalls die ersten Mähdrescher in den Feldern gesehen.
 
In den südlichen Regionen von Rheinland-Pfalz und auf den trockeneren Standorten in Niedersachsen wurden die erste Gerste eingefahren, ebenso in einigen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. Im Rheingraben soll die Haupternte diese Woche starten, im Norden und Osten Deutschlands hingegen erst Ende Juli.

AMI: Gerste in Frühdruschgebieten kaum zu vermarkten

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) war die kühl-feuchte Witterung der vergangenen Monate für die Entwicklung der Getreidepflanzen sehr vorteilhaft, so dass voraussichtlich mit einer überdurchschnittlichen Ernte zu rechnen sei.
 
Laut AMI waren die Erträge und die Naturalgewichte der ersten Gerste in den Frühdruschgebieten auf den überwiegend leichten Böden niedrig ausgefallen; daher sei eine Vermarktung kaum möglich.
 
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hatte in seiner letzten Schätzung das diesjährige Getreideaufkommen in Deutschland auf etwa 46,3 Millionen Tonnen (Mio t) beziffert.

NRW: Gute Erträge erwartet

In Nordrhein-Westfalen werden nach Angaben der dortigen Landwirtschaftskammer für die diesjährige Getreideernte insgesamt gute Erträge erwartet. Das Getreide und der Raps seien gut durch den Winter gekommen, und ausreichende Niederschläge im Mai hätten die Ertragsbildung begünstigt. Zudem hätten niedrige Temperaturen im gleichen Zeitraum Schädlingen und Krankheiten das Leben schwer gemacht.
 
Lediglich lokal begrenzt, vor allen Dingen im Rheinland, habe es Ende Juni und Anfang Juli auf einigen Feldern Ertragsausfälle durch schwere Unwetter mit Hagel gegeben. Der Kammer zufolge ist die Getreideanbaufläche in Nordrhein-Westfalen vermutlich etwas höher als im vergangenen Jahr, da es im vergangenen Winter keine nennenswerten Frostschäden gegeben habe.

Niedersachsen: Gerstenernte binnen einer Woche abgeschlossen?

Bleibt das Wetter stabil, dann könnte die Gerstenernte in Niedersachsen innerhalb von nur knapp einer Woche abgeschlossen sein, berichtet das Landvolk Niedersachsen.
 
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wies darauf hin, dass die Auswinterungsschäden im Getreide trotz des erneut recht strengen und langen Winters unbedeutend seien, da die Felder in der Regel schneebedeckt und damit geschützt gewesen seien. Insgesamt seien die Getreidebestände trotz des späten Wachstumsbeginns recht gut entwickelt. Die sehr starken Niederschläge Ende Mai und Anfang Juni hätten in den betroffenen Gebieten für eine Nährstoffverlagerung gesorgt, von denen das Getreide jedoch weniger betroffen sei als beispielsweise Mais oder Zuckerrüben, so die Kammer.
 
Mittlerweile zeigten sich durch die aktuell anhaltende Trockenheit sogar auf besseren Standorten erste Trockenstellen im Getreide. Der Verlauf der Abreife sei aber inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Ertragseinbußen nicht zu stark ausfallen dürften.

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Rheinland-Pfalz: Sommer-/Braugerste Anfang August erntereif

In Rheinland-Pfalz hatte laut Darstellung der Landwirtschaftskammer Bad Kreuznach das zuletzt trockene und sonnige Wetter den Reifeprozess beschleunigt und ein trockenes Einbringen der Wintergerste ermöglicht. Die Sommer- oder Braugerste, die wegen des langen Winters in diesem Jahr relativ spät ausgesät worden sei, dürfte Anfang August erntereif sein. Die Landwirtschaftskammer erwartet für ihr Bundesland eine gute Getreideernte.
 
Nach Angaben des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV) lassen die ersten Ernteergebnisse bei Wintergerste bisher auf eine durchschnittliche, zufriedenstellende Ernte schließen, sowohl bei den Mengen als auch bei den Qualitäten. Allerdings zeichne sich je nach Standort ein sehr heterogenes Bild der Erträge ab. Vor allem die Ertragslage der Winterbraugerste sei bisher eher unterdurchschnittlich. Auch die übrigen Getreidebestände, zum Beispiel Weizen, ließen bislang auf eine eher durchschnittliche Ernteerwartung schließen.

Hessen: Ernteprognosen 'nicht so schlecht'

Der Hessische Bauernverband (HBV) machte bei seinem ersten Erntegespräch am Freitag in Lorsch deutlich, dass die Ernteprognosen für dieses Jahr insgesamt betrachtet "nicht so schlecht" seien. Insgesamt könne man eine gut durchschnittliche Ernte in Menge, Qualitäten und Erzeugerpreisen erwarten. Hoffnung setze man vor allem auf den Winterweizen als Hauptfrucht der hessischen Landwirtschaft.

Mecklenburg-Vorpommern: Gute Erträge bei Raps und Getreide

In Mecklenburg-Vorpommern stehen auf insgesamt 557.300 ha Getreide zur Körnergewinnung an. Das sind nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Schwerin sieben Prozent weniger als im Vorjahr.
 
"Bei den Getreidearten und beim Raps rechnen wir mit einem guten Ertrag, und auch die übrigen Ackerkulturen haben sich zufriedenstellend entwickelt", erklärte Ressortchef Dr. Till Backhaus. Bisher gebe es nur wenig Befall durch tierische und pilzliche Schaderreger.
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