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Getreide

Ernte in Hessen schreitet voran

von , am
02.08.2013

Hofheim/Taunus - Beim Erntegespräch des Hessischen Bauernverbandes wurde eine Zwischenbilanz über die bisherigen Ernteergebnisse gezogen.

© Mafied/aboutpixel.de
Auf Einladung des Hessischen Bauernverbandes fand am gestrigen Donnerstag ein weiteres Erntegespräch des Hessischen Bauernverbandes auf dem Betrieb des Landwirts Jürgen Pauly in Hofheim am Taunus statt.
 
"In dem hessischen Frühdruschgebiet ist die Wintergerstenernte als erste Erntefrucht des Jahres weitgehend abgeschlossen", so der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider. Daher habe man jetzt erste belastbare Ergebnisse, die auch Rückschlüsse auf die weiteren Erntefrüchte, insbesondere Weizen und Raps, zuließen. "Die ersten Ernteergebnisse für dieses Jahr sind insgesamt betrachtet nicht so schlecht", so Schneider. "Wir hatten schon deutlich Schlechtere in den zurückliegenden Jahren, besonders im letzten Jahr, als hessenweit ungewöhnlich harte Kahlfröste einen großen Teil des Wintergetreides vernichtet haben."

Einige Druschgebiete fielen dem Juni-Hochwasser zum Opfer

Allerdings sei in den hessischen Gebieten mit dem starken Juni-Hochwasser die Ernte zum Teil regelrecht ins Wasser gefallen. "Wir haben zusammen mit der hessischen Landesregierung die Voraussetzungen schaffen können, dass die Ausfälle durch das Hochwasser zumindest zum Teil kompensiert werden können. Das Ausgleichsverfahren für diese Schäden läuft", so Schneider weiter. In diesem Zusammenhang wehrte sich Schneider gegen einen weiteren Hochwasserschutz durch Schaffung weiterer Retentionsräume. Hochwasserschutz sei nach seiner Sicht technisch zum Schutz wertvoller Acker- und Grünlandflächen durch eine Ertüchtigung und Pflege der Dämme zu gewährleisten.

Wintergerste und Weizen sind durch geringe Kornausbildung gekennzeichnet

Die Druschergebnisse der Wintergerste lassen nach Auffassung von Schneider auf durchschnittliche Erträge schließen, wenn auch das sogenannte Hektolitergewicht auf eine geringere Kornausbildung und damit auf ein geringeres Gewicht hinweise. Regional gebe es da unterschiedliche Ergebnisse. Dies dürfte auch Auswirkungen auf die Weizenernte haben. Auch hier deute sich eine geringere Kornbildung und damit ein geringerer Mehlanteil an. Daher, so Schneider, sehen viele Weizenbestände wohl besser aus als sie tatsächlich sind.

Regen hat vor allem den späten Kulturen geholfen

Die Regenschauer der letzten Tage haben nicht geschadet, sofern es nicht eben Starkregen oder heftige Gewitter waren. Für die späten Kulturen sei der Regen gut gewesen, so Schneider weiter. Die Landwirte beobachteten Wettervorhersagen im Moment sehr genau. Die für das Wochenende vorhergesagte Periode trockenen und warmen Sommerwetters sei für das weitere Abreifen des Weizens und für die Ernteabläufe insgesamt gut.

Günstiges Erntewetter muss genutzt werden

Die Schlagkraft der Landwirtschaft zeige sich gerade darin, dass in den meist schmalen Zeitfenstern günstigen Erntewetters ein Großteil der Erntefrüchte geerntet werden könne. Dabei gehe es schon mal rund um die Uhr. "Ich appelliere daher an unsere Mitbürger, Rücksicht und Verständnis zu haben, wenn es dann vermehrt - auch abends und nachts - zu Verkehrsbeeinträchtigungen durch Erntefahrzeuge komme, so Schneider weiter.

Erdbeer-, Spargel- und Gemüseernte verlief schlecht

Das nasskalte Wetter im Frühjahr bis in den Juni hinein war hingegen für die Sonderkulturbetriebe im Main-Taunus-Kreis eine mittlere Katastrophe. Daher sei eine Erntebewertung sehr schwierig. Einmal sei die Erdbeer-, Spargel- und Gemüseernte sehr schlecht verlaufen, mit den Getreidebeständen könne man aber zufrieden sein. Über die derzeitigen Getreidepreise zeigte sich Schneider enttäuscht. "Wir sehen jedes Jahr, dass die Erzeugerpreise durch zu viele und zu frühe Ernteprognosen nach unten geredet werden", so Schneider.

Bauernpräsident rechnet mit mittleren Qualitäten und niedrigen Preisen

So sei es auch in dieser Saison. Der Weizenpreis sei schon seit Wochen unter Druck, obwohl die physische Ware noch auf dem Halm stehe und endgültige Klarheit über Mengen und Qualitäten noch nicht bestehen könne, sagte Schneider weiter. "Ich gehe aber davon aus, dass wir stabile Preise für unser Getreide erzielen werden. Abstürze wie vor einigen Jahren sind aufgrund der global weiter steigenden Nachfrage nach Lebensmittel nicht zu erwarten", so Schneider. "Für 2013, so mein erstes Fazit, können wir eine gut durchschnittliche Ernte in Menge, mittleren Qualitäten und eher niedrigen Erzeugerpreisen in der Ernte erwarten", so Schneider abschließend.
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