Login
Getreide

Erntestart in Schleswig-Holstein

von , am
17.07.2012

Unter feuchten Witterungsbedingungen startet in Schleswig-Holstein die Gerstenernte. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Landwirtschaftskammer optimistisch und geht von deutlich höheren Erträgen aus.

© Sven Brentrup/aboutpixel.de
Deutlich zu kühl und von immer wieder regional unterschiedlich kräftigen Regenschauern durchzogen, zeigt sich der Juli nicht gerade von seiner besten Seite. Auf den leichten Standorten der Geest hat die Gerstenernte begonnen, während im Weizen und Roggen die Kornfüllung für die Ertragsbildung noch nicht abgeschlossen ist.

Verzögerung der Abreife im Weizen

Mitunter ist die Befahrbarkeit der Felder niederschlagsbedingt eingeschränkt. "Wir brauchen jetzt trockenes beständiges Wetter für die Gerstenernte und die dann folgende Raps- und Weizenernte", sagte Kammerpräsident Claus Heller heute auf Gut Mehlbek in Mehlbek im Kreis Steinburg. Mit dem Beginn der Winterweizenernte ist nach derzeitiger Einschätzung nicht vor Beginn der zweiten Augustdekade zu rechnen. Derzeit führten überdurchschnittliche Regenmengen, begleitet von kräftigem Wind, zu einer Verzögerung der Abreife und zunehmender zu Lagergefahr in den Weizenbeständen.
 
Bestände konnten sich gut entwickeln
 
Die Wintergetreide- und Rapsaussaat erfolgte im Herbst 2011 witterungsbedingt spät und unter schwierigen, oft zu nassen Bodenbedingungen. Auch 2010 war die Herbstbestellung für Wintergetreide und Raps schwierig gewesen. Die Folge beider Jahre ist in diesem Jahr eine deutlich geringere Anbaufläche von Raps mit 60.000 Hektar (ha), 30 Prozent (%) weniger als im Vorjahr). Im Gegensatz zum Vorjahr war 2012 in den meisten Landesteilen ausreichend Niederschlag vorhanden. Lediglich der November, Februar und März waren zu trocken. Überdurchschnittliche Temperaturen im November, Dezember und Januar sorgten für eine gute Entwicklung der Bestände.
 
Starke Fröste Ende Januar bis Mitte Februar von bis zu minus 20 °C führten dank einer Schneeauflage von drei bis fünf Zentimeter zu nur geringen Auswinterungsverlusten von rund 500 ha im Land. Frosttiefen von bis zu 50 Zentimeter im Boden sorgten für eine positive Frostgare nach der oft zu nassen Herbstbestellung. Insgesamt konnten sich die Wintergetreidebestände bis zum jetzigen Zeitpunkt gut bestocken und positiv entwickeln.

Anbauflächen 2012 und Ernteschätzungen

Wintergerste steht 2012 auf 53.000 ha, das sind gegenüber dem Vorjahr 33 % mehr Anbaufläche. Die erwartete Erntemenge liegt bei 400.000 Tonnen (t). Damit liegt sie um ca. 70 % über der Vorjahresmenge. Dieser Ertragszuwachs ergibt sich aus der Flächenzunahme und der deutlich höheren Ertragserwartung im Vergleich zum Vorjahr. Hält die wechselhafte regnerische Witterung, die bisher nur einen sporadischen Erntebeginn im Lande zuließ weiter an, müs- sen Ertragserwartungen von 80 bis 90 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) nach unten korrigiert werden.
 
Der Winterweizen als flächenstärkste Getreideart hat seine dominante Stellung unter den Getreidearten mit 70 % Anbauanteil mit 222.000 ha behauptet. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von zehn Prozent. Es wird eine Erntemenge von knapp zwei Millionen Tonnen erwartet, das sind 20 % mehr als im Vorjahr. Dennoch ist nach derzeitigem Stand davon auszugehen, dass das langjährige Ertragsmittel von 89,7 dt/ha nicht ganz erreicht wird. Die Qualität und Menge der diesjährigen Weizenernte lässt sich erst im weiteren Ernteverlauf sicher bewerten.
 
Winterroggen steht in Schleswig-Holstein auf 26.000 ha im Lande, das sind gegenüber dem Vorjahr 30 % mehr Anbaufläche. An Erntemenge werden bei überdurchschnittlicher Ertragserwartung knapp 180.000 t erwartet, das wären ca. 70 % mehr als im Vorjahr.
 
Wintertriticale steht als Futtergetreide auf 5.500 ha. Die zu erwartende Erntemenge wird auf knapp 43.000 t geschätzt, das ist 20 % mehr als im Vorjahr.
 
Sommergetreide steht auf knapp 24.000 ha. Die Sommergetreidebestellung konnte Mitte März bei guten und trockenen Bodenbedingungen erfolgen. Lediglich beim Sommerweizen gab es im Vergleich zum Vorjahr deutlichere Flächenzunahmen. Für die Ernte 2012 werden 48.000 t Sommerweizen, 41.000 t Sommergerste und 42.000 t Hafer erwartet. Die Flächen liegen deutlich über Vorjahresniveau und die erwarteten Mengen von Sommerweizen und Hafer deutlich über Vorjahresniveau, von Sommergeste knapp darunter.
 
Die Rapsanbaufläche wird in diesem Jahr auf 60.000 ha geschätzt. Damit ist sie ge- genüber dem langjährigen Mittel um rund 50.000 ha niedriger! Die Rapsernte wird mit 245.000 t voraussichtlich zehn Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. Witterungsbedingt ist die Entwicklung des Rapses etwas verzögert, die Ernte hat noch nicht begonnen. Es ist mit regional unterschiedlichen Rapserträgen je nach Standort zu rechnen, denn die Bedingungen für die Aussaat und für die Herbstentwicklung waren zum Teil sehr schlecht. Die Erträge dürften zwischen 30 und 50 dt/ha liegen. Der landesweite Durch- schnittsertrag dürfte in diesem Jahr bei rund 40 dt/ha liegen.
 
Die diesjährige Maisanbaufläche liegt bei rund 181.000 ha. Mais ist damit nach wie vor die zweitstärkste Ackerkultur.
 
Auf rund 57.000 ha wurden Ackergras und Leguminosen angebaut. Davon 400 ha Erbsen und 1.200 ha Ackerbohnen. Auf 5.500 ha stehen Kartoffeln und auf 7.100 ha Gemüse und Erdbeeren. Neben der Ackerfläche wird ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen als Dauergrünland bewirtschaftet. Diese Flächen haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert und nehmen 317.000 ha ein.
 
Auch interessant