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Getreide

Erste N-Gabe bei Getreide- und Rapsbeständen richtig setzen

von , am
06.03.2010

Die weitere Bestandesentwicklung von Getreide und Raps wird wesentlich vom Witterungsverlauf und von der Startstickstoffgabe im Frühjahr bestimmt.

© agrarfoto.com

Sowohl Überangebot als auch Mangel an Stickstoff können zu Ertragsverlusten führen. Bei der Andüngung sind vor allem die jeweiligen Nmin-Gehalte, die Bestandesentwicklung und die Blattverluste bis zum Beginn der Vegetation zu beachten. Die Nmin-Gehalte können in Abhängigkeit von Bodengüte, vorangegangener Bewirtschaftung, organischer Düngung und der angebauten Fruchtart stark variieren. Dies geht aus dem aktuellen Pflanzenbaurat des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hervor.

Demzufolge weiden erste Bodenuntersuchungen darauf hin, dass die Nmin- und Smin-Gehalte unter kräftig entwickelten Raps- und Getreidebeständen und auf leichten sowie flachgründigen Standorten auf niedrigem Niveau liegen. Wegen der starken Streuung der Werte werden möglichst schlagbezogene Nmin-Untersuchungen empfohlen. Die Treffsicherheit der N-Düngungsempfehlungen ist umso besser, je weniger Zeitdifferenz zwischen der Nmin-Bodenprobenahme und dem N-Düngungstermin liegt. Eine Probenahme weit vor Vegetationsbeginn ist daher fachlich nicht zu rechtfertigen.

N-Angebotslücke vermeiden

Grundsätzlich ist auf eine für den Schlag repräsentative Probenahme zu achten. Das trifft besonders für heterogene Schläge zu. Bei spätem Vegetationsbeginn sind schwache Bestände und solche mit Blattverlusten zuerst und ausreichend mit Stickstoff zu versorgen. Kräftige Bestände sollten verhalten angedüngt werden, um den Aufbau zu dichter Bestände vor allem auf leichten Böden wegen der Trockenstressgefahr zu vermeiden. Die Anschlussgabe ist zeitlich und mengenmäßig so zu steuern, dass keine N-Angebotslücke entsteht. Bei hohem Andüngungsbedarf wird eine Gabenteilung empfohlen. Dadurch erhält man sich die Option, während der Bestockung bis zum Schossen mit einer Nachdüngung auf die Bestandesentwicklung korrigierend eingreifen zu können. Zuviel vorgelegter Stickstoff hingegen schränkt die Handlungsmöglichkeiten ein und begünstigt die Lagerbildung.

Beim Raps auf Schwefel- und Borversorgung achten

Zur Absicherung einer optimalen Ertragsbildung von Raps empfiehlt das LfULG Sachsen auf leichten und flachgründigen sowie heterogenen Standorten eine S-Düngung von 20 bis 40 kg/ha zu Vegetationsbeginn. Auf den sorptionsstarken Lö-Standorten in Sachsen ist nicht grundsätzlich mit einem S-Düngebedarf zu rechnen. Hier ist es ratsam, den S-Düngebedarf vorrangig mit Hilfe des Schwefelschätzrahmens oder auch mit Smin-Untersuchungen abzuklären beziehungsweise die Bestände regelmäßig auf Mangelsymptome zu bonitieren.

Zur Abdeckung des S-Bedarfes ist besonders der Einsatz schwefelhaltiger Stickstoffdünger zu Vegetationsbeginn geeignet. Bei nicht optimaler Mg-Versorgung sollte Kieserit verwendet werden. Nach dem feuchten Herbst und kaltem Winter ist besonders auf die Borversorgung der Rapsbestände zu achten. Sicheren Aufschluss über den Versorgungszustand liefern Boden- oder Pflanzenanalysen. Im Bedarfsfall kann die Borzufuhr als Blattdüngung (0,4 kg B/ha) oder als Bodendüngung (1,5 bis 2,3 kg B/ha) erfolgen. Auch bei Wintergetreide wird vor allem auf leichten Böden die S-Düngung immer wichtiger. Spritzungen (1 bis 2 x) mit Bittersalz sind in akuten Fällen zu empfehlen.

Bodenfrost bei der Düngung im Auge behalten

Die Eindringtiefen des Bodenfrostes weisen gegenwärtig wegen der stark wechselnden Schneeverhältnisse auch kleinräumig starke Unterschiede auf. Der Deutsche Wetterdienst bietet als Service im Internet eine Vorhersage zum Bodenfrost an. Zu beachten ist, dass die Düngeverordnung das Aufbringen von Düngemitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff und Phosphor auf überschwemmte, wassergesättigte, gefrorene oder schneebedeckte (Schneehöhe > 5 cm) und damit nicht aufnahmefähige Böden untersagt. Selbst geringe Niederschläge können unter diesen Bedingungen zu einem oberflächlichen Abschwemmen der Düngemittel führen. Neben direkten finanziellen Verlusten für den Landwirt kommt es zur Ungleichverteilung von Nährstoffen auf dem Feld mit negativen Auswirkungen auf die Ertragsbildung und Produktqualität.

Optimalen Düngungstermin nicht verpassen

Für die Düngebedarfsermittlung lässt die Düngeverordnung neben der ausdrücklich zu favorisierenden Bodenuntersuchung auch die Übernahme von Nmin-Untersuchungsergebnissen vergleichbarer Praxisschläge oder die Nutzung von Beratungsempfehlungen zu. Der optimale N-Düngungstermin liegt für Getreide und Raps im Zeitraum um den Vegetationsbeginn, empfiehlt die LfULG Sachsen. Zuerst sollte schwach entwickelter Raps und dann spätgedrilltes Getreide und zuletzt die gut entwickelten Bestände gedüngt werden. Wegen der sich vielerorts verschlechternden PK-Bodenversorgung ist der Einsatz von Mehrnährstoffdüngern, mit denen neben Stickstoff frisches Phosphat und Kalium in Wurzelnähe gebracht werden, verstärkt in Erwägung zu ziehen. Das trifft vor allem für Verwitterungsböden und leichte D-Standorte sowie für geschwächte Bestände zu. (pd)

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