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Düngeverordnung

Erweiterte Kontrolle: Verschärfte Düngeverordnung ist auch CC-relevant

Gülle-Schleppschuh
am Freitag, 29.05.2020 - 08:58 (Jetzt kommentieren)

Die neuen Regeln der im Mai 2020 in Kraft getretenen Düngeverordnung werden bei Cross Compliance (CC)-Kontrollen der EU-Agrarförderung überprüft. Wir fassen wichtige Vorgaben zusammen.

Neue Auflagen: Abstände zu Gewässern bei Hangneigung erweitert

Gewässer in der Landwirtschaft

Auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden besteht ein absolutes Ausbringverbot für stickstoffhaltige Düngemittel, Boden- oder Pflanzenhilfsstoffe und Kultursubstrate.

Ein direkter Eintrag in Oberflächengewässer ist durch ausreichenden Abstand zwischen dem Rand der Ausbringfläche und der Böschungsoberkante zu vermeiden. Er beträgt im Allgemeinen mindestens 4 m.

Werden Düngerstreuer mit Grenzstreueinrichtung verwendet oder solche, bei denen die Streu- der Arbeitsbreite entspricht, beträgt er mindestens 1 m zur Böschungsoberkante. Weiter gibt es ein absolutes Ausbringverbot von Stickstoffdüngern, Boden- oder Pflanzenhilfsstoffen und Kultursubstraten auf Flächen mit Hangneigung zu Gewässern innerhalb eines Abstandes

  • von 3 m zur Böschungsoberkante eines Gewässers bei durchschnittlicher Hangneigung von mindestens 5 Prozent im 20-m-Bereich,
  • von 5 m zur Böschungsoberkante eines Gewässers bei durchschnittlicher Hangneigung von mindestens 10 Prozent im 20-m-Bereich,
  • von 10 m zur Böschungsoberkante eines Gewässers bei durchschnittlicher Hangneigung von mindestens 15 Prozent im 30-m-Bereich.

Zusätzlich gelten auf bestellten oder unbestellten Ackerflächen mit Hangneigung zu Gewässern innerhalb dieser Abstände folgende besondere Anforderungen:

  • Auf unbestellten Ackerflächen sind diese Dünger vor der Saat oder Pflanzung sofort einzuarbeiten.
  • Auf bestellten Ackerflächen:
    1. Bei Reihenkulturen mit Reihenabstand von 45 cm und mehr sind diese Dünger sofort einzuarbeiten, sofern keine entwickelte Untersaat vorhanden ist.
    2. Bei allen anderen Kulturen muss eine hinreichende Bestandsentwicklung vorliegen oder
    3. die Fläche muss mit Mulchsaat- oder Direktsaat bestellt worden sein.

Weiter dürfen auf Ackerflächen mit einer Hangneigung von durchschnittlich mindestens 15 Prozent im 30-m-Bereich, die unbestellt sind oder nicht über einen hinreichend entwickelten Pflanzenbestand verfügen, Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel ferner nur bei sofortiger Einarbeitung auf der gesamten Ackerfläche des Schlages aufgebracht werden.

Beträgt bei Flächen, die eine Hangneigung von mindestens 10 Prozent im 20-m-Bereich oder von mindestens 15 Prozent im 30-m-Bereich aufweisen, der nach § 3 Absatz 2 Satz 1 DüV ermittelte Düngebedarf mehr als 80 kg/ha Gesamtstickstoff, so dürfen die genannten Stoffe nur in Teilgaben aufgebracht werden, die jeweils 80 kg/ha Gesamtstickstoff nicht überschreiten dürfen.

In jedem Bundesland sind weitergehende landeswasserrechtliche Vorgaben zu beachten. Außerdem wird derzeit gerade das Wasserhaushaltsgesetz geändert, das es zusätzlich zu beachten gilt.

Das wird jetzt bei der Düngebedarfsermittlung kontrolliert

Der Düngebedarf wird grundsätzlich wie bisher ermittelt. Einzelne Werte, die dabei heranzuziehen sind, wurden aber geändert. Dabei ergeben sich bei der ab Mai 2020 folgende Änderungen:

  • Anpassung der in Anlage 4 Tabelle 2 und 4 aufgeführten Stichstoffbedarfswerte, wenn das tatsächliche Ertragsniveau der angebauten Kulturen im Durchschnitt der letzten fünf (bisher drei) Jahre vom aufgeführten Ertragsniveau abweicht.
  • Zu berücksichtigen ist die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen oder organisch-mineralischen Düngemitteln zu den Vorkulturen des Vorjahres in Form eines Abschlages
  • Ferner zu berücksichtigen ist die Menge an verfügbarem Stickstoff, die zu Winterraps oder Wintergerste ab dem Zeitpunkt, ab dem die Ernte der letzten Hauptfrucht abgeschlossen ist, bis zum Ablauf des 1. Oktober aufgebracht worden ist.

Der ermittelte Düngebedarf darf im Rahmen der geplanten Düngung nicht überschritten werden. Teilgaben sind zulässig. Überschreitungen um höchstens 10 Prozent sind zulässig, soweit aufgrund nachträglich eintretender Umstände, besonders Bestandsentwicklung oder Witterungsereignisse, ein höherer Düngebedarf besteht. In diesem Fall ist der Düngebedarf erneut zu ermitteln und einschließlich der Gründe für den höheren Düngebedarf aufzuzeichnen.

Obergrenze von 170 kg/ha: Nicht alle Flächen anrechnen

Hier gelten folgende Änderungen, gültig für das Düngejahr, das nach Mai 2020 beginnt: Flächen, auf denen das Ausbringen von stickstoffhaltigen einschließlich Wirtschaftsdüngern nach anderen als düngerechtlichen Vorschriften oder vertraglich verboten ist,

  • sind vor der Berechnung des Flächendurchschnitts von der zu berücksichtigenden Fläche abzuziehen.
  • dürfen beim Berechnen des Flächendurchschnitts bis zur Höhe der Düngung berücksichtigt werden, die nach diesen anderen Vorschriften oder Verträgen auf diesen Flächen zulässig ist.

So müssen Sie Düngung und Weidehaltung dokumentieren

Spätestens zwei Tage nach jeder Düngung sind aufzuzeichnen:

  • eindeutige Bezeichnung und Größe des betreffenden Schlages, der Bewirtschaftungseinheit oder der zusammengefassten Flächen,
  • Art und Menge des zugeführten Stoffs,
  • Menge der aufgebrachten Nährstoffe, bei organischen und organisch-mineralischen Düngern neben der Menge an Gesamt- auch die an verfügbarem Stickstoff.

Bei Weidehaltung ist aufzuzeichnen, allerdings erst nach Abschluss der Weidehaltung:

  • die Zahl der Weidetage,
  • die Art und Anzahl der auf der Weide gehaltenen Tiere.

Das gilt für Überschreitungen der Düngegaben

Der ermittelte Düngebedarf darf im Rahmen der geplanten Düngegaben nicht überschritten werden. Teilgaben sind zulässig. Überschreitungen um höchstens 10 Prozent sind zulässig, soweit aufgrund nachträglich eintretender Umstände, insbesondere Bestandsentwicklung oder Witterungsereignisse, ein höherer Düngebedarf besteht. In diesem Fall ist der Düngebedarf erneut zu ermitteln und einschließlich der Gründe für den höheren Düngebedarf aufzuzeichnen.

Auf Grünland, Dauergrünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Saat bis zum Ablauf des 15. Mai dürfen in der Zeit vom 1. September bis zum Beginn der Sperrzeit am 1. November mit flüssigen organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff nicht mehr als 80 kg Gesamtstickstoff/ha ausgebracht werden.

Diese Sperrzeiten werden kontrolliert

Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff, also mehr als 1,5 Prozent Gesamtstickstoff in der Trockenmasse, dürfen zu den nachfolgend genannten Zeiten nicht ausgebracht werden:

Auf Ackerland ab dem Zeitpunkt der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 31. Januar. Ausnahmen:

  •  Bis zum Ablauf des 1. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps und Feldfutter bei einer Aussaat bis zum Ablauf des 15. September oder zu Wintergerste nach Getreidevorfrucht, bei einer Aussaat bis zum Ablauf des 1. Oktober, jedoch insgesamt nicht mehr als 30 Kilogramm Ammoniumstickstoff oder 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar.
  •  Bis zum Ablauf des 1. Dezember zu Gemüse-, Erdbeer- und Beerenobstkulturen.

Auf Grünland, Dauergrünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum 15. Mai in der Zeit vom 1. November bis zum Ablauf des 31. Januar.

Auf Grünland, Dauergrünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum Festmist von Huftieren oder Klauentieren oder Komposte dürfen in der Zeit vom 1. Dezember bis zum Ablauf des 15. Januar nicht aufgebracht werden. Ablauf des 15. Mai in der Zeit vom 1. November bis zum Ablauf des 31. Januar

Die zuständige Behörde kann die genannten Zeiträume um maximal vier Wochen verschieben, aber nicht verkürzen.

Einen betrieblichen Nährstoffvergleich für Stickstoff gibt es nun nicht mehr. Er wird jetzt nicht mehr überprüft und bewertet. Dafür gibt es nun eine schlaggenaue, exakte Aufzeichnungspflicht über die ausgebrachten Düngegaben, auch bei Weidehaltung. Auch die Abstände zu Gewässern bei Hangneigung sollen kontrolliert werden.

Änderungen gelten ab Mai 2020 und ab Januar 2021

Die bei Cross Compliance ab 1. Mai 2020 zu beachtenden Änderungen sind in einer ausführlichen Übersicht zusammengestellt.

Ab dem 1. Januar 2021 treten zusätzliche Vorschriften in belasteten Gebieten in Kraft. Über sie wird in der CC-Infobroschüre 2021 informiert.

Mit Material von BMEL
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