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Getreide

EU: 2012 mehr Weizen und Gerste auf den Äckern

© agrar-press
von , am
28.02.2012

Trotz des Kälteeinbruchs in Mittel- und Westeuropa und der Trockenheit auf der iberischen Halbinsel: Die neue Ernte soll mit 133 Millionen Tonnen rund drei Millionen Tonnen (2,5 Prozent) größer ausfallen als 2011.

Die Wintergerstenvermehrung wurde um rund 1.700 ha reduziert. © Mühlhausen/landpixel
Zu diesem Ergebnis kommt die EU-Kommission in ihrer ersten Prognose zur Entwicklung von Anbauflächen und Erträgen auf Basis von nationalen Daten und den Erhebungen des europäischen Crop-Monitoring (MARS).

EU-weit gab es nur wenig Auswinterungsschäden, diese blieben auf wenige Länder (darunter auch Deutschland) begrenzt.

40 Prozent mehr Weizen

Die Anbaufläche von Weichweizen wird von der Kommission auf Basis der vorlegenden Daten auf 23,3 Millionen Hektar geschätzt. Das sind 0,5 Prozent (%), beziehungsweise gut 110.000 Hektar (ha) mehr als im letzten Jahr. Die Erträge sollen im Vergleich zum problematischen Vorjahr um zwei Prozent zulegen, so dass die Gesamtproduktion um 2,5 Prozent auf knapp 133 Millionen Tonnen steigt. Damit übertrifft die Produktion den erwarteten Verbrauch in der EU um 17 Millionen Tonnen.
 
Während die Fachleute der Kommission bei der industriellen Verwertung und beim Einsatz für die Bioenergieherstellung von leicht steigenden Verbrauchszahlen ausgehen, rechnet man bei der Verfütterung von Weizen mit einem deutlichen Rückgang von fast vier Prozent auf 53 Millionen Tonnen. Eine Folge ist das Anwachsen der Bestände um 40 Prozent auf 15 Millionen Tonnen.
 
Beim Export erwartet die Kommission wegen der starken internationalen Konkurrenz mit 15 Millionen Tonnen hingegen eher stabile Ausfuhrmengen.

Wenig Schäden durch Kälteeinbruch

Die Schäden durch den Kälteeinbruch in den letzten Wochen schätzt die Kommission vergleichsweise gering ein. Der gute Zustand der Wintersaaten vor der Kälteperiode hat die Pflanzen offensichtlich geschützt.
 
Auswinterungsschäden sind auf einige Regionen im
  • Osten Frankreich,
  • in den Beneluxländern,
  • in Deutschland,
  • Polen und
  • Tschechien begrenzt.
Mehr zu den Auswinterungsschäden in Deutschland erfahren Sie im Artikel: "Frostige Folgen - Weizen steht schlecht da" ...
 
Hingewiesen haben die Experten der EU-Kommission bei ihrer Prognose auch noch einmal auf die Trockenheit in Spanien und Portugal und die Auswirkungen auf das Ertragspotential in diesen Ländern. Seit November sind dort nur 20 bis bis 50 Prozent der normalen Niederschläge gefallen. Gleichzeitig ist Spanien ist der sechstgrößte Weizenproduzent und der drittgrößte Gerstenproduzent der EU und musste wegen der knappen Versorgung mit Futtergetreide im Februar 200.000 Tonnen Weizen aus den USA importieren.

Wieder mehr Futtergerste

Ausgedehnt haben die europäischen Landwirte auch den Anbau von Gerste. Hier rechnet die Kommission - einschließlich der noch zu erwartenden Sommergerstenfläche - mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent auf insgesamt 12,3 Millionen Hektar. Damit bleibt man allerdings noch immer unter dem langjährigen Mittel und sogar rund 15 Prozent unter der Anbaufläche von 2008. Die Produktion von Gerste soll indessen 2012 wegen der höheren Erträge um 5,5 Prozent auf 54,7 Millionen Tonnen zulegen. Damit wächst auch der Einsatz von Futtergerste um knapp eine Million Tonne auf 37,5 Millionen Tonnen an. Das Exportpotential sehen die EU-Experten wegen der starken internationalen Konkurrenz unverändert bei fünf Millionen Tonnen. Die industrielle Nutzung nimmt ebenfalls leicht zu.

Zunahme des weltweiten Weizenanbaus für 2012/13 erwartet
 

Anbaufläche bei Mais stabil

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Bei Mais rechnen die Fachleute der Kommission derzeit mit einer stabilen Anbaufläche auf hohem Niveau (-0,5 %) bei 8,91 Millionen Hektar. Da man davon ausgeht, dass die Rekorderträge dieses Jahres nicht wieder erreicht werden, rechnet man mit einem Rückgang der Erntemenge um 5,5 Prozent auf 63,4 Millionen Tonnen. Der Einsatz als Tierfutter würde dennoch um 1,5 auf 55 Millionen Tonnen steigen und auch die Importe würden leicht auf 5,5 Millionen Tonnen wachsen. Anders als im letzten Jahr reicht die Produktionsmenge jedoch nicht zu Deckung des Bedarfs (68,5 Millionen Tonnen). Deshalb geht man davon aus, dass die Bestände um gut 20 Prozent auf 10,8 Millionen Tonnen abschmelzen.
 
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