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Getreide

EU-Getreide: Gefahr von Trockenschäden nimmt zu

von , am
16.03.2012

Trockenheit und Auswinterungsschäden sorgen für eine Korrektur der EU-Ernteprognosen für 2012 nach unten.

© Burkhardt Trautsch/aboutpixel.de
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains reduzierte in seiner monatlichen Prognose die EU-Getreideernte um 1,1 Mio. auf jetzt 288,3 Mio. t. Betroffen wären sowohl Weizen als auch Gerste. Lediglich die Maisproduktion würde wieder einmal zunehmen.

Auswinterungsschäden in Frankreich und Deutschland

Die neue europäische Weichweizenernte schätzt Strategie Grains jetzt auf 131,1 Mio. t und damit 1,6 Mio. kleiner als bei der letzten Prognose. Auswinterungsschäden erwarten die Analysten insbesondere in Frankreich und Deutschland. In beiden Länder zusammen summieren sich die Produktionsausfälle auf lediglich bei 0,8 Mo. t. Mit weiteren 0,8 Mio. t Auswinterungsverlusten rechnet man im Südosten der Europäischen Union. Demgegenüber sieht das französische Analystenhaus Agritel die Auswirkungen der Winterfröste deutlich dramatischer. Allein für Frankreich rechnet Agritel mit einer Minderproduktion bei Weizen von 1,9 Mio. t.

Trockenschäden in Spanien

Auf den wegen der Auswinterung umgebrochenen Flächen wird nach Einschätzung von Strategie Grains vor allem dem Mais angebaut. In ihrer aktuellen Prognose setzten die Analysten die erwartete europäische Maisernte um 2 Mio. t auf 64,6 Mio. t nach oben. Der Zuwachs erfolgt vor allem in Rumänien und Bulgarien und teilweise auch in Zentral- und Westeuropa. Bei Gerste gehen die Markt-Beobachter von einer Produktionseinbuße von 1,2 Mio. t auf 53,4 Mio. t aus. Die Auswinterung reduziert die Produktionsmenge in Frankreich und Deutschland um jeweils 0,1 Mio. t und im Südosten um 0,3 Mio. t. Den stärksten Rückgang erwartet man mit 0,5 Mio. t indessen in Folge der anhaltenden Trockenheit in Spanien. Dort hat es wichtigsten Anbauregionen seit November kaum geregnet und die Folgen einer anhaltenden Trockenheit auf die Produktion und den Importbedarf könnten ganz erheblich sein.

Trockenheit auch in Südengland, Frankreich und Marokko

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Auch in anderen EU-Ländern nehmen die Befürchtungen über trockenbedingte Mindererträge zu. Neben Spanien und Portugal leidet auch der Südosten des Vereinigten Königreiches (East Anglia) unter der schlimmsten Trockenheit seit Jahrzehnten. Auch in Teilen Frankreichs und in Deutschland gibt es Regionen, in denen die Winterniederschläge deutlich unter dem normalen Niveau geblieben sind. Dies berichteten zumindest US-Metrologen in einem aktuellen Bericht. Ähnlich trocken ist es offensichtlich auch im benachbarten Nordafrika. Dort nehmen die Meldungen über deutliche Produktionseinbußen in Marokko zu. Zuletzt lag der Importbedarf des Landes bei Weizen bei 3 Mio. t. Mittlerweile halten Analysten für Marokko einen neuen Einfuhrrekord von 5 Mio. t für möglich.
 
 

Video "Getreidemarkt: Mit rückläufigen Preisen ist zu rechnen"

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