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Getreide

EU-Getreideernte noch schlechter als erwartet

von , am
27.09.2010

Brüssel - Die EU-Getreideernte ist deutlich schlechter ausgefallen als ursprünglich prognostiziert. COPA/COGECA und Coceral weisen in ihren Schätzungen deutlich nach unten korrigierte Zahlen aus.

© agrarfoto

COPA und COGECA rechnen jetzt noch mit einem Gesamtaufkommen von 274,14 Millionen Tonnen. Das sind 11,9 Millionen Tonnen weniger als Ende Juni erwartet. Im Vergleich zur Ernte 2009 ergibt sich damit ein Minus von 14,6 Millionen Tonnen.

Zwei Millionen Tonnen Weizen weniger

Nach den Berechnungen der Branchenvertreter wurden lediglich 126,4 Millionen Tonnen Brotweizen gedroschen, zwei Millionen Tonnen weniger als im vergangenen Jahr. Die Hartweizenproduktion verringerte sich um 0,4 Millionen Tonnen auf 8,3 Millionen Tonnen, das Maisaufkommen um 2,5 Millionen Tonnen auf 54,2 Millionen Tonnen.

Einbrüche bei Gerste, Roggen und Hafer

Regelrechte Einbrüche im zweistelligen Prozentbereich müssen die Gerste-, Roggen- und Haferproduzenten hinnehmen: Laut COPA/COGECA schrumpfte das Druschergebnis für Gerste im Jahresvergleich um 6,0 Millionen Tonnen auf 53,7 Millionen Tonnen, während das Roggenaufkommen mit 8,1 Millionen Tonnen um 1,6 Millionen Tonnen hinter dem Vorjahreswert zurückblieb. Die Hafererzeugung sank um 1,1 Millionen Tonnen auf 7,5 Millionen Tonnen. COCERAL ist sogar noch pessimistischer: Der Getreidehandel erwartet eine Gesamternte von 273,0 Millionen Tonnen, also noch einmal 1,14 Millionen Tonnen weniger als die Bauernverbände und Genossenschaften. Da COCERAL für 2009 aber ein höheres Aufkommen als COPA/COGECA ausweist, ist der Rückgang noch deutlicher, nämlich 20,2 Millionen Tonnen.

Auch Ölsaatenproduktion geringer 

Auch die Ölsaatenernte ist nach Einschätzung der Experten 2010 geringer ausgefallen. COPA/COGECA rechnen im Jahresvergleich mit einem Rückgang um 0,4 Millionen Tonnen auf 27,9 Millionen Tonnen, davon 19,8 Millionen Tonnen Rapssaat und sieben Millionen Tonnen Sonnenblumensaat. COCERAL veranschlagt eine Produktion von insgesamt 27,7 Millionen Tonnen, nach ihren Statistiken eine Verminderung um 1,5 Millionen Tonnen. Die Händler gehen von 20,2 Millionen Tonnen Raps und 6,7 Millionen Tonnen Sonnenblumen aus. COPA/COGECA befürchten, dass die schlechten Witterungsbedingungen auch die Qualität der Ware EU-weit verschlechtert hätten. Ferner seien in vielen Mitgliedstaaten die Saatbettbedingungen nicht optimal, was die Ernte 2011 beeinträchtigen könne. Insbesondere erwarte man eine Einschränkung der Rapsfläche.

Marktinstrumente beibehalten

COPA/COGECA nahmen ihre Schätzungen zum Anlass, um noch einmal die Notwendigkeit einer starken Gemeinsamen Agrarpolitik zu unterstreichen. Generalsekretär Pekka Pesonen erklärte in Brüssel, die EU müsse die wirtschaftliche Rolle der Landwirte in der Nahrungsmittelproduktion bewahren, um die Versorgung von 500 Millionen Bürgern sicherzustellen. Dazu gehörten angesichts immer größerer Preisschwankungen ausreichende Instrumente zur Marktsteuerung und die Fortführung der Direktzahlungen.

Marktentwicklungen beobachten

Nicht nur Spekulation beeinflusse die Preise - die Produktionsschwankungen schlügen sich durchaus auf den physischen Markt durch. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Getreide, Paul Temple, forderte eine schärfere Beobachtung der Marktentwicklungen durch die EU. Die großen Getreideexportländer der Welt hielten Daten zurück und erleichterten so Preistreiberei. (AgE)

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