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Marktanalyse

EU-Weizenernte bricht ein: Chance für den deutschen Export?

Dr. Olaf Zinke/agrarmanager/Hermann Krauß/agrarheute
am
09.08.2016

Die europäische Weizenernte wird wohl deutlich kleiner ausfallen als bislang erwartet. Ursache ist in erster Linie der witterungsbedingte Produktionseinbruch in Frankreich.

In Frankreich könnte die Ernte nach derzeitigen Schätzungen so klein werden wie seit 13 Jahren nicht mehr. Hinzu kommen offenbar  auch noch Qualitätsprobleme. Aber auch in anderen wichtigen europäischen Produktionsländern mussten die Erntemenge zuletzt nach unten korrigiert werden. Dazu gehören insbesondere das Vereinigte Königreich, aber auch Deutschland und Polen, wie Dr. Olaf Zinke, Marktexperte beim agrarmanager schreibt.

Die Preise am europäischen Terminmarkt haben auf diese Entwicklung bislang nicht wirklich reagiert und bewegen sich zuletzt eher seitwärts. Der Grund für die trotz des erwarteten Produktionseinbruchs verhaltene Entwicklung der europäischen (und globalen) Weizenpreise dürfte die gewaltige Weizenernte in Russland sein, die einen neuen Rekordwert erreicht. Auch in der Ukraine ist die neue Weizenernte und damit auch die Exportmenge deutlich größer als zunächst erwartet.

Europäische Ernte 10 Prozent kleiner als 2015

Das französische Landwirtschaftsministerium Agreste veranschlagte die europäische Weich-Weizenernte auf der Basis der eigenen deutlich nach unten korrigierten Daten für Frankreich und der aus anderen EU-Ländern vorliegenden Meldungen auf nur noch 136,2 Millionen Tonnen (Mio. t). Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Vorjahr von 152 Mio. t wäre dies ein kräftiger Produktionsrückgang von 15,2 Mio. t bzw. von reichlich 10 Prozent (%).

Die Europäische Kommission hatte ihre Ernteschätzung Ende Juli nur leicht von 145,1 Mio. t auf 144,5 Mio. t nach unten korrigiert. Ganz offensichtlich war dabei der dramatische Produktionseinbruch in Frankreich noch nicht berücksichtigt, so dass es hier bei der nächsten Schätzung wohl noch zu deutlichen Korrekturen kommen wird.

Das französische Analystenhaus ODA ging Anfang August sogar nur noch von einer europäischen Ernte von 130 Mio. t aus und liegt damit noch deutlicher unter allen anderen Schätzungen.

Weizen: Drastischer Einbruch in Frankreich

Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten und Exporteur der Europäischen Union, schätzte Agreste die Produktion von Weichweizen jetzt auf 29,1 Mio. t. Das wären knapp 11 Mio. t weniger als zur Rekordernte im vorigen Jahr (40,9 Mio. t) und 8,0 Mio. t weniger als im Vergleich zur vorigen Prognose (37,0 Mio. t). Gleichzeitig wäre dies die kleinste französische Weichweizen-Ernte seit dem Jahr 2003 (29,0 Mio. t) also seit 13 Jahren.

Das französische Analystenhaus ODA ging Anfang August sogar nur noch von einer französischen Ernte von 28,2 Mio. t  aus und liegt damit unter den übrigen Schätzungen.

Moderate Korrekturen in Deutschland

Für Deutschland erwarteten die Experten von Agreste in der aktuellen Prognose eine Weizenernte von 25,7 Mio. t. Im Vergleich zur Weizenernte von 2015 (26,5 Mio. t) wäre die für 2016 erwartete deutsche Produktion damit um 0,8 Mio. t kleiner.

Trotz der Korrekturen der Prognosen wäre die derzeit erwartete deutsche Weizenernte noch immer relativ gut. Allerdings verbessert die kleine und zudem qualitativ schwache französische Ernte die deutschen Exportmöglichkeiten erheblich.

Die Weizenernte im Vereinigten Königreich soll nach der aktuellen Prognose von Agreste (und der Kommission) eine Größenordnung von 14,6 Mio. t (Vorjahr: 16,4 Mio. t) erreichen. Für Polen geht Agreste nur noch von einer Weizenernte von rund 9,4 Mio. t (Vorjahr: 11,0 Mio. t) aus, nach 10,2 Mio. t bei der vorigen Schätzung

Noch mehr Ernteschätzungen und Hintergründe zu den Märkten finden Sie hier.

Sonne, Weizen, Stroh: Die schönsten Erntebilder im August

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