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Getreide

Europäer steigern Weizenexport um 25 Prozent

© landpixel
von , am
19.12.2012

Die Europäer exportierten im laufenden Wirtschaftsjahr trotz einer kleineren Ernte deutlich mehr Weizen als im letzten Jahr. Bis Mitte Dezember übertrafen die Ausfuhren in Drittländer den Vorjahreswert um 25 Prozent.

Eine gute Ernte wird durch eine überdachte Vermarktung noch veredelt. © Mühlhausen/landpixel
Dabei haben die Exporte vor allem in den letzten vier bis sechs Wochen kräftig zugelegt. Ausschlaggebend für diese Nachfrageschub dürfte der Rückgang der Ausfuhren vom Schwarzen Meer sein und die dadurch entstandene Versorgungslücke in den Importregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens.

Trotz kleinerer Ernte mehr Exporte

Von Juli bis Mitte Dezember haben die EU-Länder insgesamt 8,56 Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen in Drittländer verkauft. Dies sind 25 Prozent (%) beziehungsweise 1,7 Mio. t mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
 
Dabei war die diesjährige europäische Weichweizenernte mit 122,8 Mio. t knapp fünf Prozent (sechs Millionen Tonnen) kleiner als im letzten Jahr. Allerdings hat Frankreich fast zwei Millionen Tonnen Weichweizen mehr geerntet als im letzten Jahr und die deutsche Ernte lag in etwa auf Vorjahresniveau.

Frankreich und Deutschland sind Top-Exporteure

Größter Einzelexporteur war im laufenden Wirtschaftsjahr Frankreich mit einer Ausfuhrmenge von 3,4 Mio. t. Deutschland exportierte bis Mitte Dezember knapp 2,2 Mio. t Weichweizen. Unter anderem wurden 50.000 t deutscher Qualitätsweizen bis nach Brasilien verkauft.
 
Die Hauptabnehmerländer für europäischen Weizen waren mit Algerien, Marokko, Saudi-Arabien und Ägypten allerdings Länder aus Nordafrika und dem Nahen Osten.

Exporttempo zuletzt deutlich beschleunigt

Die deutlich größere Gesamtausfuhr ist jedoch nicht nur auf die umfangreicheren Exporte der beiden TOP-Exporteure Frankreich und Deutschland zurückzuführen. Im letzten Jahr lagen die französischen Ausfuhren zu diesem Termin (nach den Daten der Kommission) bei 3,34 Mio. t und damit nur knapp unter dem derzeitigen Wert und auch Deutschland exportierte im letzten Jahr mit 2,09 Mio. t lediglich 84.000 t weniger als in diesem Jahr.
 
Allerdings haben beide Länder ihre Ausfuhren (nach relativ schwachem Start) vor allem in den letzten sechs Wochen sehr kräftig ausgeweitet. Allein in den ersten beiden Dezemberwochen wurden jeweils mehr als 500.000 t Weizen ins Ausland verkauft.

Auch Balten und Rumänen exportieren mehr

Mitverantwortlich für den gegenwärtigen Ausfuhrboom ist der Exportzuwachs in solchen Ländern wie Litauen, Lettland und Rumänien. Diese haben durchweg deutlich mehr Weizen in Drittländer exportiert als im letzten Jahr. So ist die Ausfuhrmenge Litauens mit 0,78 Mio. t fast fünfmal größer als im letzten Jahr (0,16 Mio. t).
 
In Lettland wurden 0,50 Mio. t anstelle 0,09 Mio. t exportiert und in Rumänien 0,61 Mio. t anstelle 0,36 Mio. t.

Einfuhrmenge deutlich kleiner

Der Weizenimport der EU lag Mitte Dezember mit gut zwei Millionen Tonnen etwa 0,8 Mio. t niedriger als im letzten Jahr (2,8 Mio. t). Größter Einzelimporteuer war zu diesem Zeitpunkt Spanien mit 0,8 Mio. t, Italien mit 0,34 Mio. t, die Niederlande mit 0,24 Mio. t und das Vereinigte Königreich mit 0,22 Mio. t. Im letzten Jahr hatten Spanien (1,04 Mio. t) und Italien (0,78 Mio. t zu diesem Termin schon deutlich mehr Weizen importiert als in diesem Jahr.
 
Die Importprognose für das gesamte Wirtschaftsjahr hat die EU-Kommission auf 4,4 Mio. t Weichweizen veranschlagt. Hinzu kommen Importe von zwei Millionen Tonnen Hartweizen.

Exportpreise zuletzt etwas schwächer

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Die Exportpreise für deutschen Brotweizen lagen Mitte Dezember zwischen 284 und 290 Euro/t (fob Osteseehafen) und damit rund fünf Euro niedriger als am Anfang des Monates. Französischer Brotweizen kostete im Export (fob Rouen) 349 USD/t (270 Euro/t). US-Weizen der Sorte Soft-Red-Winter wurde im Export (fob) für 327 USD/t und der Hard-Red-Winter für 357 USD/t angeboten. Argentinischer Weizen kostete an den südamerikanischen Exporthäfen 348 USD/t.
 
Der Exportindex des Internationalen Getreiderates (IGC) ist im Dezember nur leicht zurückgegangen. Besonders kräftig sind zuletzt die Preise für US-Weizen gefallen. Grund sind die mehr als zehn Prozent kleineren US-Weizenexporte als im Vorjahr.
 
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