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Getreide

Europäischer Weizen mit sehr guten Exportchancen

von , am
17.08.2012

Berlin - Trotz der hohen Preise geht das europäische Analystenhaus Strategie Grains von deutlich verbesserten Exportchancen für europäischen Weizen am Weltmarkt aus.

An der Matif war die Tonne Weizen nur noch 146,75 Euro je Tonne wert. © Mühlhausen/landpixel
Die Wettbewerbsfähigkeit von europäischem Weizen am Weltmarkt hat sich in den letzten Wochen deutlich verbessert und sie könnte sogar noch weiter zunehmen. Und dies trotz des kräftigen Preisanstiegs in den letzten Wochen. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt das europäische Analystenhaus Strategie Grains in einer aktuellen Einschätzung zur Entwicklung am europäischen Weizenmarkt.

US-Weizen zu teuer

Begründet wird diese Prognose mit dem im Vergleich deutlich stärkeren Preissprung für US-Weizen. Mitte August kostet der Chicago gehandelt Weizen (SRW, eigentlich Futterqualität) etwa so viel wie der Mahlweizen an den europäischen Terminmärkten oder an den europäischen Exporthäfen. Damit wird die geringere Transportentfernung zu den wichtigsten Absatzmärkten in Nordafrika und dem Nahen Osten zum entscheidenden Vorteil.
 
Allerdings hat bei den beiden ersten Auktionen des weltweit größten Weizen-Importeurs Ägypten jeweils Russland den günstigsten Preis geboten. Dies dürfte sich nach der Erwartung von Strategie Grains jedoch bald ändern.

Russland kann nicht mehr exportieren

In den ersten beiden Monaten des neuen Wirtschaftsjahres haben die Russen deutlich mehr Weizen exportiert als die enge Bilanz eigentlich zulässt. Das russische Analystenhaus SovEcon meldete jetzt einen sehr kräftigen Rückgang der Lagerbestände in den Landwirtschaftsbetrieben von 20 Prozent. Das wäre das niedrigste Niveau seit 2006.
 
Die meisten Marktbeobachter erwarten spätestens im September eine staatliche Regulierung der Ausfuhren. Strategie Grains schätzt den russischen Weizenexport vor diesem Hintergrund auf nur noch vier Millionen Tonnen (Mio.t) nach unten. Bislang hatten die ungünstigsten Prognosen noch bei acht Millionen Tonnen gelegen.

Mehr Export und schrumpfende Bestände

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Für die EU-Länder (insbesondere Frankreich und Deutschland) würde dies ein deutlich wachsendes mengenmäßiges Absatzpotential bedeuten. Strategie Grains hat sein Exportschätzung für die EU vor deshalb um 1,2 Mio. t auf 16,4 Mio. nach oben geschraubt. Das würde allerdings auch auf Kosten der EU-Lagerbestände gehen, die deutlich, auf nur noch knapp neun Millionen Tonnen abschmelzen würden, denn auch die EU-Ernte ist diesem Jahr alles als reichlich.

Etwas bessere Ernte in Frankreich und Deutschland

Die erwartete Produktionsmenge von Weichweizen wurde von Strategie Grains für die EU 27 um 1,7 Mio. t auf 125 Mio. t nach oben gesetzt. Grund sind die etwas über den Erwartungen liegenden Erträge in Frankreich, Deutschland und Polen.
 
Für Frankreich setzte man die Erntemenge um 1,6 Mio. t nach oben und für Polen und Deutschland zusammen um 1,5 Mio. t. Für das Vereinigte Königreich wurde die Weichweizenernte wegen des sehr feuchten Wetters hingegen um 1,1 Mio. t reduziert. Auch für das Baltikum und Osteuropa setzte man die Ernteprognosen nach unten.

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