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Getreide

EU/Weizen: Kommission setzt deutsche Ernte nach unten

© landpixel
von , am
31.08.2013

Ende August nahm die EU-Kommission ihre Schätzung zur europäischen Weizenernte um fast 0,5 Mio. t zurück. Sollte sich das bestätigen, steht dennoch die zweitgrößte europäische Weizenernte seit 2008 bevor.

Eine gute Ernte wird durch eine überdachte Vermarktung noch veredelt. © Mühlhausen/landpixel
Die EU-Kommission hat Ende August ihre Erwartungen an die europäische Weizenernte minimal gesenkt. Die meisten anderen internationalen und europäischen Analysten haben ihre Schätzungen hingegen im August nochmals nach oben genommen. Das trifft unter anderem auf Strategie Grains, Töpfer International und auch das USDA zu.
 
Die europäischen Weizenpreise hatten Ende August erstmals seit Juli wieder die Marke von 190-Euro übersprungen. Grund war die befürchteten (witterungsbedingten) Ertragsausfälle bei Mais und Soja in den USA. Kurz vor dem Monatswechsel lagen die Weizenpreise allerdings schon wieder unter der der Marke von 188 Euro pro Tonne.

Zweitgröße Weizenernte überhaupt

Ende August nahm die EU-Kommission ihre Schätzung zur europäischen Weichweizenernte sehr moderat um fast 0,5 Millionen Tonnen (Mio. t) auf 131,3 Mio. t zurück. Sollte sich die aktualisierte Kommissions-Prognose bestätigen, steht die zweitgrößte europäische Weizenernte seit dem Rekordjahr 2008 (139,4 Mio. t) bevor.
 
Ein Grund für die Korrektur der Gesamternte nach unten ist im Vergleich zum Juli die etwas kleinere deutsche Produktion. Diese wurde gegenüber dem Vormonat um 0,8 Mio. t auf 23,2 Mio. t nach unten gesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr (22,2 Mio. t) wäre die Produktion damit eine Mio. t größer. Für unsere polnischen Nachbarn haben die Analysten die Ernteprognose ebenfalls von 10,2 Mio. t auf 9,6 Mio. t gesenkt.

Etwas mehr Weizen in Frankreich

Für Frankreich schätzt die Kommission Ende August die Weichweizenernte auf 36,1 Mio. t und damit 0,2 Mio. t größer als im Juli. Gegenüber dem Vorjahr wäre die französische Weichweizenernte um 0,3 Mio. t größer.
 
Auch für das Vereinigte Königreich hat die Kommission nach der Aufwärtskorrektur im Vormonat die Prognose leicht nach unten genommen. Anstelle 12,7 Mio. t Weichweizen (Juli) erwarten die EU-Experten jetzt 12,6 Mio. t und damit 0,1 Mio. t weniger. Im letzten Jahr lag die Produktion bei 13,3 Mio. t. Im neuen Wirtschaftsjahr werden die britischen Importe deshalb wohl noch höher sein.

Sehr gute Ernte in Südosteuropa

Für Ungarn erwartet die Kommission eine Ernte von 5,1 Mio. t, nachdem man im Vormonat von 4,8 Mio. t ausging. Weiter auf Rekordniveau blieb die Ernte für Rumänien mit sieben Mio. t und damit 2,3 Mio. t größer als im Vorjahr. Nach oben ging es auch mit der Produktion von Bulgarien von 4,2 Mio. t auf 4,5 Mio. t.
 
Die Ernteerwartung für Tschechien setzte die Kommission mit 4,3 Mio. t rund 0,3 Mio. t höher an als im Juli und auch für die Slowakei wurde die Produktionserwartung um auf 1,4 von 1,2 Mio. t nach oben gesetzt.
Nicht verändert hat die Kommission die Ernten für Dänemark (4,1) und Österreich (1,5). Unverändert bei 6,8 Mio. t ließen die EU-Analysten auch die Ernte in Spanien. Damit übertreffen die Spanier ihre Vorjahresernte von 4,7 Mio. t um fast 50 Prozent. Unverändert schätzte die Kommission die Ernte für Italien, Litauen, die Beneluxländer, das übrige Baltikum und für Skandinavien.

Exporte zu gering angesetzt?

Autor: Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass © dlv

Den europäischen Export von Weichweizen (ohne Durum) erwartet die Kommission bei 16,9 Mio. t. Damit wären die Exporte im laufenden Wirtschaftsjahr trotz größerer Ernte rund vier Mio. t.
 
Das USDA teilt diese Meinung nicht und hat die Ausfuhr zuletzt nochmals von 20 Mio. t auf 22 Mio. t nach oben geschraubt. Bislang läuft der europäische Weizenexport jedenfalls (insbesondere für Deutschland) rekordverdächtig.

Noch mehr Weizen ins Futter

Den Inlandsverbrauch von Weichweizen in der EU veranschlagt die EU-Kommission in ihrer August- Schätzung im Wirtschaftsjahr 2013/14 bei 114,3 Mio. t. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Anstieg um 6,3 Mio. t oder knapp sechs Prozent. Zunehmen soll nach Einschätzung der Kommission vor allem der Verbrauch von Futterweizen.
 
Mit einer Zunahme von 0,6 Mio. t auf 48,5 Mio. t rechnet die Kommission beim Verbrauch von Weizen in der Nahrungsmittelindustrie. Gleichzeitig erwarten die EU-Experten, dass die Endbestände um 3,5 Mio. t auf 11,8 Mio. t zunehmen. Für die Herstellung von Bioethanol aus Weizen werden rund 4,4 Mio. t Weizen benötigt und damit kaum mehr als in der letzten Saison.
 

Marktreport: Steigende Getreidepreise und Futterkosten (29. August)

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