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Gesundheit

Experte: "Weizen ist besser als sein Ruf"

pd/af
am
04.12.2015

Gerade in der Weihnachtszeit, wenn Kekse gebacken werden, gehört der Weizen in jeden Küchenschrank. Doch was ist dran an der Mär vom bösen Weizen?

Weizen liefert vor allem wichtiger Mineralstoffe. © ES/landpixel

Dumm und dick soll er machen, und man sollte ihn gänzlich vom Speisezettel verbannen: Die Anti-Weizen-Welle aus den USA ist mit diversen Bestsellern zum Thema längst in Deutschland angekommen. Doch Weizen ist wesentlich besser als sein Ruf, unterstreicht Dr. Friedrich Longin, Weizen-Experte an der Universität Hohenheim.

Weizen soll moderne Erkrankungen verursachen

Weizen soll verantwortlich sein für fast alle modernen Erkrankungen. Das jedenfalls behaupten die Autoren von Bestsellern wie "Weizenwampe" oder "Dumm wie Brot". Sie glauben, dass Weizen an Fettsucht, Diabetes, Nervenerkrankungen und vielem mehr schuld sei und empfehlen einen völligen Verzicht.

Dr. Friedrich Longin, Weizen-Spezialist an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim, verteidigt den Ruf des Weizens. "Viele Hypothesen werden in den Büchern als wissenschaftlich bewiesen dargestellt", meint er, "und oft werden Kausalzusammenhänge hergestellt, die so nicht haltbar sind."

Alte Weizenarten: Kein Beleg für bessere Verträglichkeit

Oft spricht man von "alten Weizenarten oder Weizensorten", die besser verträglich sein sollen. "Doch selbst Einkorn, Emmer und Dinkel weisen heute große genetische Unterschiede zu den Sorten vor 10.000 Jahren auf", erläutert Dr. Longin. "Und dafür, dass sie besser bekömmlich sind, gibt es bislang keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg."

Drei Krankheiten durch Weizen

Selbstverständlich, betont Dr. Longin, gebe es drei anerkannte Krankheitsbilder im Zusammenhang mit Weizen. Unstrittig, so der Mediziner, seien die Weizenallergie und die durch Gluten ausgelöste Zöliakie. Beide Krankheiten seien eher selten, sie treten bei weniger als 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung auf. Die Zöliakie sei klar diagnostizierbar, gewisse Unsicherheiten bestünden noch bei der Weizenallergie.

Schwieriger verhalte es sich mit der Weizensensitivität. "Die Ursache ist entgegen anderslautender Meinungen in Presse, Büchern und Internet wissenschaftlich leider noch nicht geklärt", so Prof. Schuppan. "Es gibt außer der klinischen Präsentation, oft mit Symptomen außerhalb des Verdauungssystems, und dem Ausschluss einer Zöliakie und Weizenallergie sowie anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten auch noch keine positive Diagnosetechnik." Es scheint aber, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Weizen gut vertrage, betont der Experte.

Weizen liefert wichtige Mineralstoffe

"Weizen ist allerdings ein wichtiger Lieferant von Mineralstoffen, die in zahlreichen Ländern nicht ausreichend über die Ernährung aufgenommen werden", stellt Dr. Longin klar. Deswegen versuchen Weizenzuchtprogramme für Entwicklungsländer teilweise darauf zu selektieren, dass neue Weizensorten höhere Zink- und Eisengehalte aufweisen.

Weizenernte der Superlative: Die Rekordhalter und ihre Maschinen

Die Weizenernte bei Rod Smith ist in vollem Gange! © Agrii
Smith konnte auf seinem Betrieb an der Küste von Northumberland 16,52 Tonnen Weizen pro Hektar ernten. © Agrii
Bei Rod Smith und seinen Mitarbeitern herrscht beste Stimmung. Die Bedingungen in England schienen 2015 perfekt für den Weizen gewesen zu sein. © Agrii
Das Weltrekord-Team hat Grund zum Feiern. Sie haben den Titel nach England geholt. © Agrii
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