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Getreide

Von einem Extrem zum anderen

von , am
30.08.2010

Teltow/Ruhlsdorf - Auf knapp 504.000 Hektar wurde in Brandenburg Getreide angebaut. Die Getreideernte 2010 geht nun dem Ende entgegen. 2010 war ein Jahr der Extreme.

© agrarfoto.com

Nach einem langen Winter mit viel Schnee folgte ein kaltes Frühjahr mit wenig Regen, ein Mai mit zuviel Regen und sogar Nachtfrösten. Der Juni & Juli war knallig heiß und extrem trocken und im August lief wegen des Starkregens das Oderbruch und einige andere Gebiete zu.

Zu Beginn der Ernte konnte die Gerste noch mit guten Ergebnissen eingebracht werden. Auch der Raps konnte sich "noch sehen lassen". Danach verschlechterten sich die Ergebnisse wöchentlich. Der Regen der letzten Wochen macht die Felder unbefahrbar und die Kornfeuchte verhindert den Drusch.  

Die größten Ertragsausfälle bei Roggen

Zirka 89.000 Hektar Weizen, Triticale und Roggen warten auf die Beerntung. Die Stroh- und Heubergung ist kaum möglich und die Aussaat von Winterraps verzögert sich. Mit einem mittleren Getreideertrag von 47,3 Dezitonnen pro Hektar liegt die Druschernte 2010 etwa 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Während die Gerste – als positive Ausnahme - nur 4,5 Prozent Verlust aufweist, sind bei Raps 14 Prozent , bei Weizen 13 Prozent und bei Triticale ca. 12 Prozent Verluste zu verzeichnen. Die größten Ertragsausfälle hat der Roggen. Hier bleiben die Erträge 27 Prozent unter dem Vorjahreswert. Pro Hektar wurden gut 13,2 Dezitonnen weniger geerntet als 2009 (ca. 273.000 Tonnen).

Preise seit dem Erntestart auf Erholungskurs

Die Erzeugerpreise sind seit dem Erntestart auf sehr hohem Niveau. Die Gründe dafür sind Ertragsausfälle wegen Dürre (China, Russland, Ukraine) oder Überflutung (Pakistan), reduzierte Ernteschätzungen (USA, Kanada) und das Getreide-Exportverbot von Russland. Je nach Kultur und Qualität macht das einen Zuwachs von mehr als 50 Prozent aus. Schlechte Ernteaussichten weltweit sowie die starke Anfrage nach Qualität lassen die Getreidepreise auch in den nächsten Monaten auf diesem hohen Niveaus verharren.

Qualitätsprobleme sind unausweichlich 

Das derzeitige Preisniveau freut alle, die im Vorfeld keine Kontraktbindung eingegangen sind, denn nur die können jetzt von dem Preisniveau profitieren. Die guten Preise nutzen aber auch nur jenem Betrieb, der das Getreide auch in guter Qualität vom Halm bekommt. In vernässten Gegenden u.a. dem Oderbruch sind die Landwirte froh, wenn sie das Getreide überhaupt vom Acker runter bekommen. Derzeit sind in Brandenburg über 20.000 Hektar von Wasserschäden betroffen. Die Wetterextreme sind noch nicht vorbei. Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Wochen bringen. (pd)

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