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Klimaschutz

Faktencheck: Kann Basaltmehl auf Äckern das Klima wirklich retten?

Streuen-Kalk
am Freitag, 17.07.2020 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Basaltgestein bindet beim Verwittern CO2. Aber ist es deswegen gleich ein Klimaretter, wenn es massenhaft fein vermahlen auf die Äcker gefahren wird? Aus einer Studie zitierte Zahlen halten Fachleute für unrealistisch. Wir haben den Faktencheck zum Thema CO2-Bindung durch Gesteinsmehl gemacht.

reinhard-Müller

Zum Thema CO2-Bindung durch Basaltmehl zitierte kürzlich das Publikumsmagazin ‚Der Spiegel‘ die Zeitschrift ‚Nature‘.

Demnach zeigen neue Forschungsergebnisse und Modellkalkulationen: Das umfangreiche Ausbringen von Basaltmehl auf Ackerflächen könne beachtliche Mengen an Kohlendioxid (CO2) binden und so zum Klimaschutz beitragen.

„Die Berichte sind insofern positiv, da sie dem Thema CO2-Bindung zur Vorsorge gegen den Klimawandel und auch dem globalen Kohlenstoffkreislauf mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagt dazu Dr. Reinhard Müller, Leiter der Düngekalk-Hauptgemeinschaft im Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie.

Aber es gebe einige Argumente, warum die Idee und die propagierte Größenordnung  in der Praxis auf Schwierigkeiten stoßen.

Die Idee: Worauf das Konzept der Forscher tatsächlich basiert

Das Konzept der CO2-Bindung durch Steinstaub von Basalt oder Silikatsteine basiere darauf, dass unter Einfluss von Wasser und CO2 die im Silikat enthaltenen Kationen Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium im Boden gelöst werden. Parallel werde das CO2 der Luft im Bodenwasser als Hydrogencarbonat-Ion (HCO3−, Bicarbonat) gebunden. Das sei die natürliche Gesteinsverwitterung.

Schließlich gelangen diese Stoffe über den Wasserkreislauf ins Meer. Dort werden sie - durch Bindung von CO2 - als Karbonat dauerhaft abgelagert. Die in der Natur langsam verlaufende Verwitterung lasse sich wesentlich beschleunigen, wenn die Steine fein gemahlen werden und eine sehr große Oberfläche zur chemischen Reaktion bieten. Daher sei die Idee grundsätzlich nicht abwegig.

Die Machbarkeit: Woher sollen 12 Mrd. Tonnen Basalt kommen?

Basaltgestein-steinbruch

Die Studie rechnet damit, dass jedes Jahr mit einer entsprechenden Ausbringung von Basaltmehl auf Ackerflächen bis zu 2 Mrd. t CO2 aus der Atmosphäre gespeichert werden könnten.

Das wäre die theoretische Höchstleistung, die mit der weltweiten Ausbringung von rund 12 Mrd. t Basalt erreichbar wäre - mit 80 % Korngröße von 0,1 mm. Allein in Deutschland müssten 480.000.000 t Basalt auf die circa 12 Mio. ha Acker ausgebracht werden, weil eine Menge von 40 t/ha Basalt unterstellt wurde.

Da stellt sich schon die Frage: Woher sollen die Mengen kommen und wie ist das alles zu bewältigen?

Die Kosten: Sind rund 120 Euro Kosten pro Tonne CO2-Bindung realistisch?

steine-basalt

Die Kosten für die Umsetzung der Idee werden im Nature-Artikel mit 80 bis 180 US-Dollar je Tonne CO2-Bindung angegeben. Der Spiegel-Artikel nennt 80 bis 160 Dollar je Tonne Steinstaub. Das ist ein gravierender Unterschied.

Was aber könnte eine praktische Umsetzung der Idee konkret kosten?  Wenn das Verfahren je t CO2-Bindung netto 120 Euro kostet und 4 t/ha Basalt benötigt würden, kostete 1 t Basalt auf dem Acker 30 Euro. Bei einer Ausbringung von 40 t/ha würden 1.200 Euro/ha anfallen, um 10 t CO2 zu binden. Ist das wirklich realistisch?

Der Düngeeffekt: Steigert Basaltmehl den Ertrag wirklich signifikant?

Die Artikel sprechen von einem Beispiel mit 20 % Ertragssteigerung mit Basaltdüngung bei Sorghum. Dieses Ergebnis beruht auf einem Einzelversuch und ist schwerlich zu verallgemeinern.

In den allermeisten Feldversuchen in Europa und in Deutschland hat eine praxisübliche Basaltdüngung nicht zu signifikanten Mehrerträgen geführt. Das zeigt jedenfalls der Standpunkt der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Auf anderen Kontinenten mag das bei anderen Bodenbedingungen vielleicht anders ein. Weitere Infos gibt es beim Potsdam-Institut (PIK).

Fazit von Reinhard Müller: "Insgesamt erscheint die Idee zumindest für Deutschland und Europa nicht praxisreif."

 

Mit Material von Düngekalk-Hauptgemeinschaft, AGES, PIK-Potsdam
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