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Pflanzenschutz

Faktencheck Getreidehähnchen: Behandeln oder nicht?

Larve des Getreidehähnchens
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
23.05.2018

Das Getreidehähnchen hinterlässt vor allem in Gerste Schäden. Die Behandlungsschwellen sind aber unbedingt einzuhalten. Erste Resistenzen werden beobachtet.

Der Besatz mit Getreidhähnchenlarven ist momentan hoch, aber nicht immer besorgniserregend. Das LTZ Augustenberg in Baden-Württemberg rät: „Nicht immer ist eine Behandlung notwendig denn der Schädling hat eine Vielzahl natürlicher Feinde.“

Dazu zählen beispielsweise Raubwanzen, Marienkäfer, Laufkäfer und die Larven der Florfliege. Auch ein insektenpathogener Pilz schädigt die Larven.

Unbedingt Schadschwellen einhalten

Das LTZ weist darauf hin, dass es nicht den Leitlinien des integrierten Pflanzenschutzes entspricht, ohne Beachtung der Schadschwellen zu behandeln. Beispielsweise durch unbedachtes Zumischen eines Insektizids zur abschließenden Ähren- oder zur Fusariumbehandlung.

Wann drohen wirklich Verluste?

Hier der Faktencheck, wann Schäden ertragswirksam sind:

  1. Gerste reagiert auf Larvenbefall und Blattfraß empfindlicher als Winterweizen.
  2. Die Larven können in etwa vom Schossen bis zur Milchreife Schäden an den Blättern hervorrufen.
  3. Die Schadensschwelle beträgt bei Getreidehähnchen bei 0,5 bis 1,5 Eier und Larven je Halm und Fahnenblatt.
  4. Eine Larve zerstört in ihrem Reifungsfraß ca. 2,5 bis 3,5 cm2 Blattfläche. Das entspricht einem Anteil der Gesamtfläche des Fahnenblattes von etwa 10 bis 20 Prozent.
  5. Erst wenn 20 Prozent der Fahnenblattfläche durch Larvenfraß zerstört ist, kann es zu einem etwa 10 prozentigen Ertragsverlust kommen.
  6. Die Schadensschwelle bei Blattläusen liegt zum Zeitpunkt der Blüte bei 65 Prozent besiedelten Ähren bzw. Fahnenblättern.

Nur abends und nur mit B4-Mitteln behandeln

Oberste Priorität hat der Bienenschutz. Wenn eine Behandlung gegen Getreidehähnchen tatsächlich notwendig ist, sollte sie erst nach dem täglichen Bienenflug erfolgen. Auch wenn bienenungefährliche Mittel ausgebracht werden!

Bienen sind auch bei Honigtaubildung gefährdet oder wenn andere blühende Pflanzen im Bestand sind. „Daher ist es also mehr als ratsam, sogenannte B4-Mittel (bienenungefährlich) einzusetzen“, sagen die Ackerbauberater des LTZ.

Zu den B4-Mitteln gehören beispielsweise Biscaya (300 ml/ha) oder Karate Zeon (75 ml/ha).

Achtung auf Pyrethroidresistenzen

Ergänzend weist die Landwirtschaftskammer (LWK) Nordrhein-Westfalen darauf hin, dass sowohl beim Rothalsigen Getreidehähnchen als auch bei der Großen Getreideblattlaus erste Pyrethroidresistenzen nachgewiesen sind, beispielsweise gegen Karate Zeon, Decis forte und viele weitere.

Die LWK NRW empfiehlt daher, um die Resistenz nicht zu verschärfen, keine Pyrethroide mehr einzusetzen: „Muss in Ausnahmefällen tatsächlich die Larve des Getreidehähnchens bekämpft werden, sollte Biscaya mit 300 ml/ha gewählt werden.“

Mit Material von LTZ Augustenberg, LWK NRW

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