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Gänse im Norden: Schäden bis zum Totalausfall

AF_Wildgänse-Winter
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Karl Bockholt, agrarheute
am
26.04.2018

Wildgänse sind im Norden seit Jahren ein Ärgernis. Fraß und Verkotung haben auf Äckern und Wiesen heftig zugenommen. Die Schäden reichen bis zum Totalausfall.

Die Bestandszahlen von Wildgänsen sind in Norddeutschland in den letzten Jahren stark gestiegen. Die wachsende Population führt dazu, dass auch die Schäden durch Gänsefraß und Verkotung extrem zunehmen. Betroffen sind immer mehr landwirtschaftliche Nutzflächen, besonders an der Westküste. Die Schäden sind zum Teil extrem. Sie reichen bis zum Totalausfall auf Acker- und Weideflächen.

Öffentliches Gänsemanagement: Fehlanzeige!

„Das Gänseproblem ist nicht in den Griff zu kriegen, wenn weiterhin nur Handlungskonzepte entwickelt, aber nicht umgesetzt werden“, sagt der Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Werner Schwarz. Zwar gibt es seit Längerem einen Runden Tisch. Doch Schutzabkommen, Habitatauflagen, EU-Verordnungen und unterschiedliche Ländervorschriften in Schleswig-Holstein und Niedersachsen machen die Sache kompliziert.

Hintergrund: Das Konzept „Gänsemonitoring und -management in Schleswig-Holstein“, wurde 2016 durch den Landtag beschlossen. Es sieht international abgestimmte Managementpläne vor. Die Handlungskonzepte sollen landesweit aufeinander abgestimmt werden. Doch weder Bejagen noch Vergrämen sind nicht mal in Niedersachsen, wo etwa das Rheiderland betroffen ist, und Schleswig-Holstein gleich geregelt. Das zeigte sich auf dem Gänsegipfel in Ockholm Ende April.

Schutzflächen besser bewirtschaften!

Die bisherigen Handlungskonzepte erfassen nicht die Ursache. Sie versuchen lediglich, die Symptome zu mildern. Eine befriedigende Lösung ist bis heute in weiter Ferne. So werden beispielsweise die Naturschutzflächen nicht ausreichend bewirtschaftet. Da Wildgänse gemähte Flächen brauchen, laben sie sich hinter den Deichen, statt davor. Betroffen sind laut Bauernverband rund 18.300 ha, vor allem Weizen, Ackergras und Grünland.

Ausgleichszahlung nötig!

Die Schäden durch Fraß und Kot sind nach älteren Zahlen in drei Stufen eingeteilt: Niedrig eingestuft werden sie auf mindestens 4.500 ha, mittel auf 9.500 ha und hoch auf 3.200 ha. Die betroffenen Landwirte fordern deswegen inzwischen Entschädigungen.  

Angemessene Ausgleichszahlungen für die Fraß- und Verkotungsschäden sind aber offenbar noch immer nicht festgelegt. Allerdings scheint es in der Landesregierung inzwischen zumindest einen Wechsel zu geben im Ansatz, neben Landesmitteln dafür auch EU-Gelder zu nutzen oder neue Varianten im bezahlten Vertragsnaturschutz anzubieten – damit Wildgänse und Bewirtschafter zu ihrem Recht kommen.

 

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