Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Düngeverordnung (DüV)

Gelbe Gebiete laut DüV: So werden eutrophierte Kulissen ausgewiesen

Neue Gebietskulisse NRW
am Donnerstag, 17.12.2020 - 11:09 (Jetzt kommentieren)

Ziel der Düngeverordnung (DüV) ist es, neben Nitrat- auch Phosphoreinträge in Gewässer zu senken. Wir zeigen, wie eutrophierte Gebietskulissen ausgewiesen werden und welche Auflagen dort gelten.

Gelangt zu viel Phosphor (P) in Flüsse und Seen, verändern sich die Ökosysteme. Eutrophierung zeigt sich im verstärkten Wachstum von Algen und Wasserpflanzen in Gewässern durch angereicherte Nährstofffrachten.

Zum Schutz von Oberflächengewässern legt die Düngeverordnung 2020 Auflagen fest. In Gegenden mit eutrophierten Gewässern, in denen statistisch nachweisbare P-Einträge aus der Landwirtschaft mehr als 20 Prozent am Gesamt-P-Eintrag ausmachen, gelten weitere Auflagen für die Bewirtschaftung. In diesen gelben Gebieten sind zum Beispiel Schwellenwerte für den tolerierbaren Abtrag wertvollen Bodens vorgesehen.

Schwelle 20 Prozent vom Gesamteintrag: Phosphor in Gewässern und Seen

Signifikante Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft liegen also vor, wenn deren Anteil am Gesamt-P-Eintrag größer als 20 Prozent ist. Ausgewiesen werden die eutrophierten Gebiete bundeseinheitlich nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten.

Die Wasserwirtschaft ermittelt die Einzugsgebiete eutrophierter Oberflächengewässer und legt diese anhand gewässerbezogener Daten fest. Veröffentlicht werden sie federführend durch die Landwirtschaftsverwaltung.

So werden die eutrophierten Gelben Gebiete ausgewiesen

Die zuständigen Ämter fertigen Karten an, auf denen die eutrophierten Gebiete gelb dargestellt sind. Die Darstellung soll mindestens im Maßstab 1:25.000 zu sehen sein oder in einem flächenscharfen digitalen System. Diese Karten werden ans Umweltbundesamt geschickt.

Bei den signifikanten Nährstoffeinträgen aus landwirtschaftlichen Quellen größer 20 Prozent am Gesamt-P-Eintrag werden für einzelne Regionen noch eigene Werte festgelegt. Gelb wir ein Gebiet demnach auch, wenn die flächenspezifische, landwirtschaftlich bedingte Fracht jährlich pro km2 größer ist als folgende Grenzwerte in den Ökoregionen:

  • Norddeutsches Tiefland, unter 200 m: 5 kg P/km2,
  • Alpen, über 800 m, Alpenvorland: 30 kg P/km2,
  • Mittelgebirge: 20 kg P/km2,
  • Sondertypen, regionunabhängig: 5 kg P/km2.

Phosphorausträge zum Beispiel über Drainagen, Gräben oder Erosion

Im Tiefland dominieren P-Austräge über Dränagen und Grabensysteme; im Berg- und Hügelland dagegen über Erosion. Die Werte für den flächenspezifischen landwirtschaftlich bedingten P-Eintrag sollen diese Verhältnisse widerspiegeln. P-Einträge aus landwirtschaftlichen Quellen umfassen die Eintragspfade

  • Wassererosion mit Ursprung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen,
  • abgeschwemmte Dünger von an Oberflächengewässer grenzenden Flächen, 
  • Dränagen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Eintragspfade
  • Zwischenabfluss,
  • Winderosion, Deposition und Grundwasser

können zusätzlich anteilig berücksichtigt werden.

Das gilt in Gelben Gebieten, die mit Phosphat eutrophiert sind

PS_Tagung_Northeim_Foto

In Gelben Gebieten mit eutrophierten Oberflächengewässern durch Phosphat sind die zusätzlichen Auflagen beim Düngen ebenso einhalten wie in Roten Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers. Dazu gehört etwa die Pflicht zur Untersuchung von Wirtschaftsdünger und Gärresten vor Aufbringung, wobei die Ergebnisse nicht älter als 2 Jahre sein dürfen. Weiter sind vor allem größere Abstände zu Gewässern nötig zur Böschungsoberkante von mindestens 5 bis 30 m je nach Hangneigung.

Bei Hangneigung von 10 Prozent auf 10 bis 30 m ab Böschungsoberkante darf nur wie folgt gedüngt werden:

  • auf unbestellten Ackerflächen vor der Saat oder Pflanzung nur bei sofortiger Einarbeitung,
  • bei Reihenkultur mit 45 cm und mehr Reihenabstand nur bei entwickelter Untersaat oder bei sofortigem Einarbeiten,
  • ohne Reihenkultur nur bei hinreichender Bestandsentwicklung oder
  • nach Mulch- oder Direktsaat.

Die Vorgaben der Düngeverordnung sind in Gelben Gebieten Pflicht

Weiter müssen dokumentationspflichtige Betriebe die Aufzeichnungen des Düngebedarfs und des jährlichen betrieblichen Düngeaufwands bis zum 31. März des Folgejahres in eine Datenbank übermitteln. Die Aufzeichnungs- und Vorlagepflichten sowie die Aufbewahrungsfrist von 7 Jahren für die Unterlagen bleiben unberührt. Grundsätzlich ist ansonsten festgeschrieben:

  • Düngebedarf exakt ermitteln,
  • Düngung senken,
  • Grenze von 170 kg N/ha einhalten,
  • Zwischenfrüchte anbauen,
  • Herbstdüngung einschränken,
  • Sperrfristen einhalten,
  • Nmin-Bodenproben ziehen,
  • Gülle und Wirtschaftsdünger untersuchen,
  • Gewässerabstand einhalten.

Checken, wer betroffen ist: Einzelbetrieblicher Überblick der Feldblöcke

Viele Betriebsleiter fragen sich im Moment, ob sie von den neuen roten und gelben Gebieten betroffen sind. Um die Auflagen der Düngeverordnung und zur Gebietsangrenzung einzuhalten, lassen sich jetzt schon auf Grundlage der Entwürfe und mit Hilfe des InVeKos-Flächenexports vorläufige einzelbetriebliche Übersichten erstellen.

Erste Entwürfe mit den von der Nitrat- oder Phosphatkulisse betroffenen Feldstücken sind bereits online. Vielerorts müssen die Daten aber noch in die Karten eingepflegt werden. In Bayern sind sie zum Beispiel über iBalis aufzurufen. Um die eigene Betroffenheit abzuschätzen, können Mitglieder im Bauernverband an vielen Geschäftsstellen schon auf Basis der Entwürfe und mit Hilfe des Flächenexports einzelbetriebliche Übersichten erstellen lassen.

Dabei erhalten Sie eine Übersicht über Flächen, die

  • gleichzeitig in der Nitrat- und Phosphatkulisse liegen,
  • nur von der Nitratkulisse betroffen sind,
  • nur von der Phosphatkulisse betroffen sind und
  • von keiner der beiden Gebietskulissen betroffen sind.

In der Übersicht sind folgende Informationen zu den Feldstücken enthalten:

  • Indentifikationsnummer,
  • Schlagname,
  • Feldstücksgröße,
  • Gemarkung,
  • Gemeinde,
  • Förderstatus: Acker / Dauerkultur / Grünland / Dauergrünland,
  • Dauergrünland, das befreit ist von der Auflage, bei der Stickstoffdüngung 20 Prozent unter dem errechneten Bedarfswert zu bleiben.

Wo keine Gelben Gebiete ausgewiesen werden müssen

Durch Phosphat eutrophierte Gebiete müssen nicht ausgewiesen werden, wenn der Eintrag überwiegend aus Punktquellen stammt. Das sind zum Beispiel Abläufe von Kläranlagen. Gelbe gebiete müssen demnach auch nicht sein, wenn zusätzliche düngebezogene Maßnahmen keine Verbesserung erwarten lassen.

Laut Vorschrift müssen die Länder Einzugs- und Teileinzugsgebiete von Oberflächenwasserkörpern nicht ausweisen, wenn P-Einträge aus Punktquellen einen überwiegenden Anteil an den Gesamt-P-Einträgen haben und zusätzliche düngebezogene Maßnahmen keine Verbesserung bei der Einhaltung der Werte erwarten lassen.

Diese Übergangsregeln gelten für das Ausweisen Gelber Gebiete

Liegen Messergebnisse für Orthophosphat-Phosphor zum Einstufen der physikalisch-chemischen Komponenten nicht vor, ist für das erstmalige Ausweisen eine Einstufung auf Basis Gesamtphosphor möglich. Das gilt auch, wenn Messergebnisse nicht nutzbar sind, etwa wegen Fehlern bei

  • Probenahmen,
  • Laborergebnissen,
  • Analysefehlern.

Zudem ist es für das erstmalige Ausweisen möglich, Messwerte eines anderen Oberflächenwasserkörpers zu übertragen, wenn sie den gleichen Gewässertyp und eine vergleichbare Belastungssituation aufweisen. Das gilt für kommunale, industrielle, landwirtschaftliche oder andere Verunreinigungen durch Punkt- oder diffuse Quellen.

Mit Material von BMEL, AVV, BBV

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...