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Getreideviren

Gelbverzwergung: Gefahr im Herbst

Blattläuse an Triticale
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
09.10.2017

Gelbverzwergung ist immer häufiger an Getreide zu finden. Hauptüberträger sind Blattläuse. Erste Infektionen können sie schon jetzt im Herbst gesetzt werden.

Früh gesäte Wintergetreidebestände unterliegen einem hohen Befallsrisiko mit Getreideviren. Durch Insekten übertragene Viruskrankheiten können in einzelnen Jahren einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Daher müssen die Pflanzen rechtzeitig und besonders auf Blattläuse als Virusvektoren kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden.

Die größte Bedeutung im Getreide haben das Gelbverzwergungsvirus der Gerste (BYDV) und seit einigen Jahren zunehmend auch das Weizenverzwergungsvirus (WDV). Im Herbst ist das Infektionsrisiko besonders hoch, wenn ein sehr warmer Spätsommer die Blattlauspopulationen ansteigen lässt und im Ausfallgetreide oder in Zwischenfrüchten bereits hohe Befallswerte mit BYDV gefunden werden.

Gelbverzwergungsvirus

Erste Infektionen mit BYDV können bereits im Herbst durch Blattläuse, die in die jungen Getreidebestände einfliegen, gesetzt werden. Diese geflügelten Mutterläuse setzen zügig Larven ab, die das Virus ihrerseits erneut von bereits infizierten Pflanzen aufnehmen und im Bestand weiter verbreiten. So kommt es zu den typischen Virusnestern mit verzwergten Pflanzen als Schadsymptom.

In extremen Jahren kann sich das Virus fast flächendeckend auf einem Schlag ausbreiten. Deutliche Ertragsverluste sind dann die Folge. Je milder der Herbst und der Winter, desto höher ist die Vermehrungsleistung der Blattläuse und somit das Risiko der Virusausbreitung.

Weizenverzwergungsvirus

Seit einigen Jahren spielt auch das Weizenverzwergungsvirus (WDV) eine größere Rolle. WDV wird nicht von Blattläusen, sondern von Zikaden übertragen.

Bei den Zikaden übertragen nur die erwachsenen Tiere das Virus und unter 10 °C ist ihre Mobilität stark eingeschränkt. Bei höheren Temperaturen sind sie dagegen sehr mobil und lassen sich nur äußerst schwer bekämpfen.

Von den derzeit zugelassenen Insektiziden hat keines eine Indikation auf Zikaden. Bei Insektizideinsätzen gegen Blattläuse sind die Nebenwirkungen gegen die Zikaden nur gering beziehungsweise schwankend.

Gefahr im Herbst

Im Herbst war in den letzten Jahren der Befall mit dem Gelbverzwergungsvirus das vorrangige Problem. Das galt besonders dann, wenn sich durch einen sehr warmen August und September bereits große Blattlauspopulationen entwickeln konnten. Sowohl Mais als auch Ausfallgetreide und Zwischenfruchtflächen können als „grüne Brücken“ fungieren: Dort bauen sich oft sehr große Populationen von Getreideblattläusen auf, häufig bereits mit dem Virus beladen.

Im letzten Jahr war bei anhaltend hohen Temperaturen bereits im September eine deutliche Flugaktivität von Blattläusen zu erkennen. Beim Monatswechsel zum Oktober gingen sie mit fallenden Temperaturen leicht zurück. Gleichzeitig fanden sich bereits Anfang Oktober in Septembersaaten von Gerste oder Weizen, also im 1- bis 2-Blatt-Stadium des Getreides, hohe Besätze mit geflügelten Blattläusen.

In so einer Situation müssen alle Septembersaaten und auch frühe Oktobersaaten auf ihren Blattlausbesatz kontrolliert und gegebenenfalls mit einem Insektizid behandelt werden. Die Bekämpfungsschwelle für Blattläuse als Virusvektoren liegt bei 10 Prozent befallener Pflanzen, bei Auflaufterminen ab der zweiten Oktoberhälfte bei 20 Prozent.

Junge Bestände kontrollieren

Alle Getreidebestände müssen regelmäßig auf Blattläuse kontrolliert werden. Wird die bis Mitte Oktober gültige Bekämpfungsschwelle von 10 Prozent befallener Pflanzen überschritten, ist ein Insektizideinsatz ab dem 2- bis 3-Blatt-Stadium des Getreides erforderlich.

Mit Material von Dr. Bernhard Werner, LWK Niedersachsen

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