Login
Getreide

Getreide: Russland erwägt Exportzölle

von , am
27.01.2012

Russland könnte seine Getreideexporte vor der neuen Ernte durch die Einführung von Exportzöllen regulieren. Experten rechnen damit allerdings nicht vor April.

© Mühlhausen/landpixel
Zu dieser Einschätzung kommen verschiedene russische und internationale Marktanalysen angesichts der hohen Geschwindigkeit der russischen Getreideausfuhren. Nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums exportierte Russland von Juli bis Dezember 14,8 Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen, 2 Mio. t Gerste, 0,75 Mio. Mais und 0,5 Millionen Tonnen sonstiges Getreide. Die Gesamtexporte erreichen damit gut 18 Mio. t. Bis Ende Januar halten Analysten ein Ausfuhrvolumen von 20 Millionen Tonnen für möglich. Damit nähert sich die Ausfuhrmenge immer schneller der Marke von 24 bis 25 Mio. t, bei der die russische Regierung die Einführung von Exportzöllen oder anderen Regulierungsmaßnahmen angekündigt hat.

Kaum noch Exportgetreide in Südrussland

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Allerdings könnte die Geschwindigkeit der Exporte in den nächsten Wochen auch zurückgehen, denn die wichtigsten Exportregionen in Südrussland sind mittlerweile ziemlich "leergeräumt". Rund 85 Prozent (%) der gesamten russischen Getreideausfuhren kommen nämlich aus den drei südrussischen Regionen Krasnodar, Rostov und Stavropol. Die spürbare Angebotsverknappung wird durch die steigenden russischen Binnenmarktpreise bestätigt.
 
Das in den östlichen Provinzen (Ural und Sibirien) vorhandene Getreide lässt sich hingegen - trotz niedrigerer Preise - nicht gewinnbringend bis an die Verladehäfen am Schwarzen Meer transportieren. Hinzu kommt, dass die Transportwege (Flüsse, Eisenbahn) sowie die Häfen im Winter nicht den Umsatz erlauben, wie in der eis- und frostfreien Jahreszeit. Und nicht zuletzt ist die Nachfrage nach Getreide wegen der gewachsenen Geflügel- und Schweinebestände auch am russischen Binnenmarkt ziemlich robust.
 
Importzölle nicht vor April
 
Sollte es jedoch zur einer Marktregulierung durch Exportzölle kommen, halten die meisten Analysten eine Einführung nicht vor April für wahrscheinlich. Dann wäre es bis zur neuen Ernte noch vier Monate. Ein Rückgang der russischen Exporte würde die Wettbewerber an den Exportmärkten jedenfalls stärken. Dies wären neben der Ukraine sicherlich auch die Europäer und die USA.
 
In Argentinien sind die Exportpreise für Weizen wegen der dortigen Trockenheit zuletzt kräftig gestiegen und haben die Wettbewerbsfähigkeit der Südamerikaner spürbar gemindert. Auch an diesem - im übrigen streng regulierten Markt - halten Beobachter angesichts der erwarteten Ernterückgänge eine Verschärfung der Ausfuhrbestimmungen für möglich.
 
 
Auch interessant