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Getreide

Getreide: Was tun bei verhaltenem Wachstum?

von , am
11.04.2012

Trotz frühlingshafter Temperaturen in den Wochen vor Ostern ist die Entwicklung der Bestände teilweise noch nicht richtig angelaufen. Eine Reihe von Ursachen kann daran schuld sein.

 
Die generative Entwicklung läuft infolge der Lichteinwirkung und der Vorwinterentwicklung schneller als in den vergangenen Jahren ab, insgesamt aber ist oft noch kein Zug im vegetativen Wachstum zu spüren. Das gilt vor allem für das frostgeschädigte Wintergetreide.

Art der N-Düngung beeinflusst Wachstum

Getreidebestände, die mit ausschließlich NH4-haltigen Düngern angedüngt wurden, ergrünen wesentlich langsamer als Bestände, die mit NO3-Dünger beziehungsweise über das Blatt gedüngt wurden. Ursache dafür ist, dass die Aufnahme von NO3-N (auch von Schwefel und des zweiwertigen Magnesiums) zum Großteil durch Massenfluß proportional zur Verdunstung erfolgt und somit in die Pflanze gelangt, ohne dass diese im Wachsen sind. Das NH4+ und das K+ erfordern dagegen das aktive Wachstum der Pflanze, damit sie von der Pflanze aufgenommen werden können. Solange die Nitrifikation im Boden noch nicht in Gang gekommen ist, werden sich die ausschließlich mit NH4 gedüngten Bestände schwer tun, zumal die NO3-Vorräte in der Wurzelzone meist zu niedrig waren.

Bodenfeuchte und Wurzelbildung nicht optimal

Erschwerend kommt hinzu, daß die oberen fünf Zentimeter des Bodens zum Teil "ausgetrocknet" sind und deshalb die Bodenfeuchte nicht ausreicht, um den Dünger in Lösung zu bringen. Außerdem läßt aber auch die Wurzelausbildung zu wünschen übrig. In diesem Fall hat die Blattdüngung mit AHL oder Harnstoff, idealerweise mit der NP-Lösung Vorteile. Die frühe Startgabe mit P-haltigen Düngern (Volldünger oder auch Gülle) hatte offensichtlich eine schnellere Regeneration zur Folge, da die Beweglichkeit des Phosphates im Boden doch stark eingeschränkt ist. Wo dies nicht erfolgt ist und die Getreidebestände trotz einer ausreichenden (NO3-)N-Startgabe hängen, sollte eine Blattdüngung mit P-betonten Blatt-Volldüngern (z.B. Wuxal P 5+20+5) oder NP-Lösung erfolgen.

Teufelskreis in Auswinterungsjahren kommt in Gang

Eine zentrale Rolle für die Regeneration der Bestände spielen in diesem Frühjahr die Spurenelemente, die als Bestandteil von Enzymen die Entwicklungsprozesse und Phytohormon-Aktivierung steuern. Probleme mit der Spurenelement-Versorgung treten deshalb verstärkt auf, wenn zum einen durch den Frost die (Primär-) Wurzel in Mitleidenschaft gezogen wurde und die Kronenwurzeln sich auch infolge des trockenen Bodens nur langsam entwickelten. Damit ist das Aufnahmevermögen stark eingeschränkt. Weil die Pflanzen die Mikro-Nährstoffe vorwiegend durch Interzeption (die Wurzel muss insbesondere für die Cu-Aufnahme zum Nährstoff hinwachsen) aufnehmen, kommt jetzt der Teufelskreis in Auswinterungsjahren in Gang: Keine Nährstoff-Aufnahme, kein Wachstum, kein Wachstum, keine Wurzelbildung, keine Nährstoffaufnahme.

Spurenelemente im Boden verstärkt festgelegt

Wenn in den letzten Wochen wenigstens 10 - 15 mm Regen gefallen sind, sieht die Situation etwas freundlicher aus. Wo aber die oberen zehn Zentimeter des Bodens bereits ausgetrocknet sind, wurden die Spurenelemente im Boden verstärkt festgelegt. Selbst wenn es regnen sollte, wird die Freisetzung aber auf sich warten lassen, weil die reduzierenden Bakterien, die die festgelegten (oxidierten) Spurenelemente - vor allem das Mangan - wieder für die Pflanzen verfügbar werden lassen, erst langsam aktiv werden. Cu- und Mn-Mangel treten in diesem Jahr auf humosen, kalkhaltigen Böden meist zusammen auf. Die einseitige Blattdüngung mit einem Element würde den Mangel des anderen Elementes verstärken.
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