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Getreide

Getreide-Weltmarkt: Versorgung bleibt trotz Rekordernte knapp

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von , am
08.08.2011

Wien - In der EU wird dieses Jahr eine höhere Getreideernte als im Vorjahr eingefahren. Sie wird mittlerweile auf rund 275 bis 278 Millionen Tonnen geschätzt.

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Das ist etwas mehr als im letzten Jahr (274 Mio. t) und entspricht aber im langjährigen Vergleich einer unterdurchschnittlichen Menge. "Die Weltgetreideernte wurde vom Internationalen Getreiderat (IGC) in London zuletzt um neun Mio. t auf den Rekordwert von 1,817 Mrd. t revidiert. Da der Verbrauchszuwachs aber rasanter eingeschätzt wird und voraussichtlich 1,829 Mrd. t erreicht, werden die globalen Getreidereserven einen weiteren Abbau erfahren", sagte am Freitag der Abteilungsleiter für Marktordnungen und -berichte von Agrarmarkt Austria (AMA), Christian Gessl.
 
Im abgelaufenen Getreidewirtschaftsjahr 2010/2011 hat sich die Marktsituation in der EU stark verändert. Nach einer unterdurchschnittlichen Ernte 2010 wurden die Lagerbestände abgebaut und die staatlichen Interventionsbestände in der Höhe von rund 6 Mio. t fast zur Gänze verkauft. "Die Getreideausfuhren wurden in den letzten zwölf Monaten zusätzlich auf zirka 30 Mio. t gesteigert. Ermöglicht wurde diese Erhöhung durch die stark reduzierten Exporte aus der Schwarzmeerregion, hervorgerufen durch die verheerenden Trockenschäden. Somit stellt sich die Versorgungslage mit Ende des abgelaufenen Wirtschaftsjahres 2010/2011 in der EU knapper dar als im Jahr davor, der Endbestand hat sich von 48 Mio. auf 40 Mio. t reduziert", berichtete Gessl weiter.

Ernteprognosen ständig nach oben revidiert

Nach einem außergewöhnlich trockenem Frühjahr haben sich in der EU die Niederschläge im Juni europaweit positiv auf die Erträge ausgewirkt, sodass die Ernteprognosen laufend nach oben revidiert werden mussten. Nur in den südlichen Teilen Europas konnten die durch die Trockenheit entstandenen Schäden nicht mehr aufgeholt werden. Die eingetretene Schlechtwetterperiode in weiten Teilen Europas hat den Erntefortschritt teilweise gestoppt. Vor allem in Frankreich und Deutschland sind die Druscharbeiten unterbrochen worden. "Die noch zu erntenden Bestände werden daher qualitätsmäßig stark zurückfallen, sodass davon ausgegangen wird, dass der Anteil an Getreide für die Verfütterung und die Ethanolerzeugung höher sein wird", erläuterte der AMA-Experte.
 
Seitens der EU-Kommission wurden bereits hohe Getreideimporte bewilligt. In den ersten Juliwochen wurden allein bei Weizen 2,4 Mio. t Importe genehmigt, was den Einfuhren des gesamten letzten Wirtschaftsjahres entspricht. Da kein Rückgang des Verbrauches am Binnenmarkt zu erwarten ist, die Exportmärkte aber weiterhin bedient werden, bleibt die Versorgungslage in der EU weiterhin angespannt.

Schwarzmeerregionen konkurrieren verstärkt mit EU-Exporteuren

"Der Produktionsanstieg in der Schwarzmeerregion hat heuer nicht nur Einfluss auf weltweite Ernteschätzungen, sondern auch auf den internationalen Exportmarkt. Das Ausfuhrpotenzial der Länder Russland, Ukraine und Kasachstan wird bei Weizen auf derzeit etwa 28 Mio. t für das neue Wirtschaftsjahr geschätzt - 2010/2011 waren es noch 14 Mio. t. Diese Situation beeinflusst nicht nur die gestiegenen Weizenimporte in die EU, sondern stellt auch eine starke Konkurrenz zu den traditionellen Exportmärkten der EU dar", so Gessl.
 
Spannend werde die Vermarktungssaison vor allem aufgrund des Comebacks von Russland als Getreideexporteur nach einjähriger Pause. Die aktuellen Ernteerwartungen (höhere Erträge, geringerer Anteil an Top-Qualitäten bei Weizen) spiegeln sich derzeit auch bei den Preisentwicklungen an den wichtigsten Börsen wider. Während Mais deutlich über den Notierungen im Vergleichszeitpunkt des Vorjahres liegt, notiert Weizen in Paris derzeit mit rund 200,- Euro je Tonne unter dem Vorjahresniveau.

Weltmarkt: Rekordverbrauch prognostiziert

Der Internationale Getreiderat schätzt die weltweite Ernte in diesem Jahr auf 1,817 Mrd. t, was einer neuerlichen Rekordernte entspricht. Der globale Verbrauch steigt jedoch wie in den letzten Jahren kontinuierlich an und erreicht mit prognostizierten 1,829 Mrd. t ebenfalls Rekordniveau. Somit übersteigt der jährliche Verbrauch sowohl bei Weizen als auch bei Mais die Produktion.
 
Gründe für den weiter steigenden Bedarf sind laut Experten neben der ständig wachsenden Weltbevölkerung auch der steigende Einsatz in der Verfütterung. Angesichts dieser Entwicklung dürften die Weltgetreidevorräte, wenn auch geringfügig, reduziert werden. Letztendlich bleiben sie mit rund 347 Mio. t weiterhin hoch. "Die Langzeitprognosen der FAO gehen von kontinuierlichen Steigerungen beim Verbrauch in der Höhe von 1,2 Prozent pro Jahr oder 22 Mio. t aus. Somit steigt der zusätzliche jährliche Bedarf an Getreide trotz der Rekordernte weiter an, er entspricht ungefähr dem derzeitigen Exportpotenzial der gesamten EU", kommentiert AMA-Experte Gessl die aktuelle Situation.
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