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Getreide

Getreidebauern schreiben rote Zahlen

von , am
20.08.2009

München - "Das ist wirtschaftlich das schlechteste Jahr, das wir als Getreidebauern je hatten", zieht Leonhard Keller, Getreidepräsident, ein ernüchterndes Fazit zur Getreideernte 2009.

© ap/agrarportal.com

"Die Getreideproduktion war aufgrund hoher Düngerpreise so teuer wie nie und gleichzeitig haben die Getreidepreise fast die historischen Rekordtiefstände aus dem Jahr 2004/05 erreicht."

Bei Futtergetreide, wie Gerste und Triticale haben die Preise das Niveau aus dem Jahr 2004 fast wieder erreicht. 8,25 Euro/dt für Futtergerste und 8,15 Euro/dt Triticale erlösen die Erzeuger derzeit in Bayern beim Verkauf. Für Brotweizen bekommen die Erzeuger derzeit nur um die zehn Euro/dt. Im letzten Jahr lag der Preis noch bei 15,80 Euro/dt.

Weizen: Zunehmende Preisdifferenz

Bei Weizen zeigt sich aber zunehmend eine Preisdifferenzierung zwischen E- und B-Weizen. Eine gute deutschlandweite Ernte und ein rückläufiger Vermahlungsgrad drückten auch bei Roggen kräftig die Erzeugerpreise. Mit acht bis 8,70 Euro/dt liegen sie 40 Prozent unter Vorjahr. Auch Raps verlor binnen Jahresfrist 12,5 Euro/dt und wird derzeit mit 23,60 Euro/dt gehandelt. Die Preissituation bei Braugerste ist noch schlechter. Mit einem Minus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr werden derzeit nur noch 10,50 Euro/dt für Braugerste gezahlt.

Erträge: Bayernweit meist zufriedenstellend

"Wenigstens sind die Erträge in den meisten Regionen Bayerns zufriedenstellend. Denn schlechte Preise und niedrige Erträge wären doppelt fatal gewesen", erklärt Keller. Die Ernteschätzung des bayerischen Landesamtes für Statistik geht von einer Getreideernte von 7,1 Millionen Tonnen aus. Damit würde entgegen den Erwartungen die Erntemenge nur marginal über dem Vorjahresniveau von 7,0 Millionen Tonnen liegen. Anscheinend erfüllten die augenscheinlich guten Weizenbestände die Ernteerwartungen nicht.

Raps: Regional extrem schwankende Erträge

Nach bisheriger Auswertung liegt der Hektarertrag mit 68,6 dt/ha deutlich unter dem Vorjahresniveau (73,10 dt/ha). Sehr gute Erträge erzielten die Ackerbauern bei Wintergerste und Raps. Zwar zeigen sich bei Raps regional extreme Ertragsschwankungen von minus 25 Prozent zu plus 30 Prozent zum Vorjahr, doch insgesamt kompensierten die guten Wachstumsbedingungen in der Kornfüllungsphase die Probleme im Frühjahr deutlich. Auch Braugerste konnte hinsichtlich Ertrag und Qualität in Bayern überzeugen. Damit die bayerischen Getreidebauern im internationalen Wettbewerb bestehen könnten, sei Wettbewerbsgleichheit zuschaffen.

Absatzalternative Bioenergie: erhalten und fördern

Keller fordert deshalb den weiteren Rückgang der Agrardieselsteuer und keine neuen Auflagen wie Erosionskataster und Gewässerrandstreifen. Ein Anliegen für die gesamte Landwirtschaft muss es auch sein, so Keller, dass die Absatzalternative Bioenergie erhalten und gefördert wird. "Getreide, das heute zu Bioethanol oder in Biogasanlagen verwendet wird, entlastet den Markt. Dafür brauchen wir verlässliche politische Rahmenbedingungen."  (pd)

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