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Getreide

Getreideernte 2012: Weniger Weizen, Rekorde beim Mais

© agrar-press
von , am
30.04.2012

Die nächste globale Weizenernte wird kleiner ausfallen als bislang erwartet. Kurz vor dem Monatswechsel hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Produktionsschätzung für die kommende Ernte aktualisiert und dabei die erwartete Produktionsmenge um fünf Millionen Tonnen auf 676 Millionen Tonnen gesenkt.

© krick/agrar-press
Im Vergleich zur Rekordernte des letzten Jahres wäre die Produktion damit fast 20 Millionen Tonnen kleiner und verfehlt den Verbrauch von 680 Millionen Tonnen (Mio. t) um vier Millionen Tonnen. Allerdings befinden sich die globalen Bestände derzeit auf Rekordniveau und puffern den Produktionsrückgang gut ab.

Kleinere Weizenernte in Europa

Den größten Teil der globalen Produktionssenkung begründet der IGC mit den reduzierten Ernteerwartungen für Europa. Dort haben die Auswinterungsschäden in Deutschland und Frankreich die Ernteerwartungen bereits unter den Wert des Vorjahres gedrückt. Hinzu kommen Befürchtungen über weitere Ertragseinbußen durch Trockenheit beziehungsweise Niederschlagsmangel.
Vor zwei Monaten hatte der IGC bereits die Ernteerwartung für die Ukraine um rund ein Drittel gesenkt. Dort hatten Trockenheit und Frost für einen Umbruch von einem Drittel der Winterweizenflächen gesorgt.
 
Der globale Weizenexport könnte im neuen Wirtschaftsjahr mit 135 Mio. t rund fünf Millionen Tonnen unter dem Rekordergebnis des laufenden Jahres liegen. Ursache hierfür ist der Rückgang beim globalen Futterweizenverbrauch zu Gunsten von Mais. Anders als beim Mais rechnet man beim Weizen jedoch mit einer Zunahme des Einsatzes im Energiesektor (Ethanol).

Lauter Rekorde beim Mais

Am internationalen Maismarkt werden im kommenden Jahr alle Rekorde gebrochen. Sowohl die Produktion (900 Mio. t) als der Verbrauch (893 Mio. t) und nicht zuletzt der Handel (100 Mio. t) könnten neue Spitzenwerte erreichen. Davon geht der Internationale Getreiderat IGC in seiner aktuellen Prognose vom 26. April aus. Das starke Produktionswachstum kommt insbesondere von der kräftigen Anbauausweitung in den USA und der Ukraine. Aber auch in anderen Regionen und Ländern wird der Mais-Anbau offenbar ausgeweitet.
 
Nicht zuletzt in Europa haben die Auswinterungsschäden zu einer Ausweitung des Maisanbaus geführt. Dabei wird die Anbauexpansion offenbar nicht durch die Energienachfrage angetrieben. Vielmehr wird im kommenden Jahr wieder mehr Mais in die Futtertröge fließen. Die Verwertung für die Ethanolherstellung (USA) stagniert hingegen oder ist sogar rückläufig. Entscheidend für den Maiseinsatz wird am Ende jedoch die Relation zwischen Mais und (Futter)-Weizenpreisen sein.

Gerste reicht gerade so

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die Erwartung an die neue globale Gerstenernte hat der IGC diesen Monat um zwei Millionen Tonnen auf 140 Millionen Tonnen nach unten korrigiert. Als Begründung wurden auch hier die Auswinterungsschäden bei Wintergerste in Europa (Deutschland) genannt. Eine Anbauexpansion und kräftiges Produktionswachstum erwartet der IGC indessen in den Schwarzmeerländern (Ukraine) und auch in Kanada. Hinzu kommt ein deutliches Produktionswachstum in Argentinien.
 
Insgesamt wird das globale Angebot noch rund fünf Millionen Tonnen über der Vorjahresernte liegen. Der erwartete Bedarf von 139 Millionen Tonnen wird allerdings gerade so gedeckt und die Bestände schrumpfen nicht weiter. Allerdings sind diese insbesondere in Europa bereits recht niedrig. Im internationalen Handel dürften deshalb vor allem die Ukraine und Argentinien Marktanteile hinzugewinnen, während das kleine Angebot die Exportmöglichkeiten der Europäer beschränkt. Insgesamt rechnet der IGC mit Exporten in etwa auf Vorjahresniveau (18,5 Mio. t) 
 
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