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Kommentar

Getreideerzeuger: Über Wasser halten

Klaus Strotmann, dlz agrarmagazin
am
01.09.2016

Das Getreide ist vom Halm. Neben enttäuschenden Erträgen und Preisen beschäftigt die Landwirte auch das Greening und die DüV - ein Kommentar von Klaus Strotmann, dlz agrarmagazin.

Klaus Strotmann, Redakteur dlz agrarmagazin

Das Getreide ist vom Halm - endlich, seufzen viele Berufskollegen. Das Frühjahr ließ noch eine klasse Ernte vermuten, danach fehlte quer durch die Republik die Sonne, um den Regen in ordentliche Erträge umzuwandeln. Raps, Gerste und Weizen haben verbreitet 10 bis 20 Prozent weniger gedroschen als im Vorjahr.

In manchen Regionen Deutschlands war es noch schlimmer - zum Beispiel im Norden durch Auswinterung und anschließende Trockenheit. Das alles bewegt sich im Rahmen der üblichen Witterungsschwankungen, mit denen jeder tagein, tagaus leben muss.

Existenzbedrohend wird es dann, wenn die Politik unsere unternehmerischen Freiheiten zusätzlich einschränkt. Und es rollen neue Flutwellen auf uns zu.

Greening: 'Keine Zwangsökologisierung unserer Betriebe'

Erstes Beispiel Greening: Noch nie waren so viele Landwirte bereit, sich mit neuen Verfahren, Mischungen und Kulturen auseinanderzusetzen - etwa bei Zwischenfrüchten oder Leguminosen. Letztere hat Agrarkommissar Hogan jetzt im Visier.

Geplant und gefordert waren Vereinfachungen beim Greening, aber was ist herausgekommen? Ökologische Vorrangflächen sollen generell keinen Pflanzenschutz mehr erhalten, also auch wenn dort Bohnen, Erbsen oder Soja wachsen. Deren Anbau ist dann kaum mehr wirtschaftlich. Dann halt doch das böse Protein aus Übersee statt heimischem Eiweiß.

Weiterhin auf Hogans Wunschliste: Brachflächen sollen jetzt neun Monate im Jahr unbestellt sein. Die Folgefrucht Raps funktioniert dann nicht mehr. Was ist das für eine Vereinfachung?

Ich bin der Meinung, dass Brüssel jetzt endlich beim Greening Farbe bekennen muss. Wohin soll der Kurs gehen? Muss eine Zwangsökologisierung nicht auch entsprechend bezahlt werden? Sollen selbstständige Unternehmer, die es gelernt haben, in Generationen zu denken, zu staatlichen Grünpflegern werden? Ich will keine Zwangsökologisierung unserer Betriebe.

Düngeverordnung: 'Qualitäten drohen abzusaufen'

Zweites Beispiel Nährstoffe: Dänemark hat schon vor langer Zeit den Stickstoffkreislauf stark heruntergeschraubt. Mit der Konsequenz, dass kaum mehr Qualitätsweizen produziert wird. Von 12 Prozent Rohprotein vor 20 Jahren werden heute gerade noch 8 Prozent erreicht. Auch bei uns drohen die Qualitäten abzusaufen, wenn die Düngeverordnung greift.

Keine Frage, alle Anstrengungen sind nötig, um Boden und Wasser zu schonen. Zwischen erlaubter Düngermenge und dem Pflanzenbedarf von Qualitätsweizen liegen aber 60 bis 70 kg N/ha. Die müsste der Boden jedes Jahr durch Mineralisation nachliefern.

Einen großen Teil des Stickstoffs nimmt das Getreide aber nach dem Ährenschieben auf; zu einer Zeit, in der die Nachlieferung aus dem Humus durch Wetterkapriolen zunehmend unsicherer wird. Die Kornfüllung leidet dann noch mehr.

Ernten in Russland und Nordamerika bestimmen Weltmarktpreis

Schlechte Ernten, kombiniert mit Gängelungen und Preisverfall gehen an die Substanz. Sorge bereiten mir die starken Ernten in Russland und Nordamerika: Hier entsteht der Weltmarktpreis.

Ich hoffe, dass wir für die anstehende Aussaat nicht vom Regen in die Traufe kommen.

Dieser Kommentar ist als Editorial im dlz agrarmagazin (Ausgabe September 2016) erschienen.

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