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Neonicotinoide

Getreideviren: Wintergerste keinesfalls zu früh säen

Gelbverzwergungsvirus
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
12.09.2018

Drei wichtige Neonicotinoid-haltige insektizide Beizen sind auch beim Getreide vom Tisch. Damit stehen keine Saatgutbehandlungsmittel gegen virusübertragende Insekten mehr zur Verfügung. Vor allem geht es um Blattläuse und Zikaden.

Wintergetreidesaatgut, das mit den Neonicotinoiden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam behandelt ist, darf weder eingeführt, noch gehandelt oder ausgesät werden.

„Für die Wintergerste ist in absehbarer Zeit auch nicht mit der Zulassung eines Beizmittels mit einer Wirkung gegen Virusvektoren zu rechnen“, so die Einschätzung des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Virusinfektionen von Rändern und Ausfallgetreide

Umso wichtiger sind alle pflanzenbaulichen Stellschrauben, um Infektionen der Gerstenkeimlinge mit dem Gerstengelbverzwergungsvirus und dem Weizenverzwergungsvirus zu verhindern. Die zuerst genannte Krankheit wird durch Getreideblattläuse, die zweite durch Zikaden übertragen.

Quellen für solche Infektionen sind Wegränder, Böschungen, Ausfallgetreide und – sofern sie nicht vorzeitig geerntet wurden – Maisbestände.

Wintergerste nicht vor dem 20. September säen

Um eine Übertragung der Viren durch Blattläuse und Zikaden zu verhindern, sollte das Ausfallgetreide rechtzeitig beseitigt und die Wegränder gemulcht werden.

Je später die Wintergerste gesät wird, umso weniger werden die Keimlinge infiziert. „Deswegen sollten Sie mit der Aussaat der Wintergerste nicht vor dem 20. September beginnen“, empfehlen die Berater in Baden-Württemberg.

Neuere Gerstensorten reagieren bei später Aussaat in der Regel nicht mit geringerem Ertrag. Die Sorte Paroli hat eine Resistenz gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus.

Zusatznutzen: Weniger Unkräuter

Ein günstiger Nebeneffekt der späteren Aussaat ist die geringere Verunkrautung mit Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Trespen-Arten und mit im Herbst keimenden Unkräutern.

Insektizide zur Flächenbehandlung

Wenn in früh gesäter Wintergerste mehr als 10 Prozent der Pflanzen mit Blattläusen besiedelt sind, kann ab dem 2-Blatt-Stadium ein Insektizid gegen Blattläuse als Virusvektoren zum Einsatz kommen. Das LTZ nennt beispielsweise Kaiso Sorbie, Hunter, Karate Zeon, Lambda WG, Mavrik Vita, Bulldock, Decis forte, Shock down, Sumicidin Alpha EC und weitere.

Beachten Sie dabei unbedingt die Hinweise zum Bienenschutz!

Bei später Saat ist der Richtwert erst ab 20 Prozent von Blattläusen besiedelter Pflanzen erreicht.

Wenn schon Bodenviren vorhanden sind

Auf Flächen, auf denen in den vergangenen Jahren die bodenbürtigen Gerstengelbmosaikviren (BaYMV) aufgetreten sind, sollten nur resistente Sorten zur Aussaat kommen, beispielsweise California, Sandra, SU Vireni oder KWS Infinity.

Für mit BaYMV Typ 1 und 2 befallene Flächen empfiehlt die Beratung beispielsweise die Sorten Caribic, SU Ellen und Hedwig.

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