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Getreide

Großbritannien plant 2012 Freilandversuch mit GV-Weizen

© Rainer Sturm
von , am
26.09.2011

London - Großbritannien will den Versuchsanbau einer genetisch veränderten Weizensorte gestatten. Der Versuchsanbau soll im Frühjahr 2012 in Harpenden beginnen.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Das britische Landwirtschaftsministerium hat dem Agrarforschungsinstitut Rothamsted Research mit Sitz im englischen Hertfordshire die Genehmigung erteilt, eine gegen Blattläuse resistente GV-Weizensorte zu erproben.
 
Wie Rothamsted Research mitteilte, wird der Versuchsanbau im Frühjahr 2012 beginnen. Die Weizensorte sei so modifiziert worden, dass sie ein Pheromon produziert, das Blattläuse abstößt. Nach Angaben aus britischen Medien soll der Versuchsanbau auf einer dem Forschungsinstitut zugehörigen Farm im ostenglischen Harpenden erfolgen.
 
Maurice Moloney, Leiter von Rothamsted Research, wies darauf hin, dass Weizen die wichtigste Marktfrucht in Großbritannien mit einem geschätzten jährlichen Wert von 1,2 Milliarden Pfund sei. "Keiner sollte die wirtschaftlichen Schäden, die durch Blattläuse entstehen, unterschätzen", betonte er. Normalerweise würden Blattläuse durch Insektizide kontrolliert, doch Wissenschaftler seines Instituts hätten nun Weizen so modifiziert, dass er diese Schädlinge auf "nachhaltige und umweltfreundliche Weise" selbst bekämpfe. Die Pflanzen seien so verändert worden, dass sie ein Pheromon produzieren, was Blattläuse normalerweise nutzen würden, um sich gegenseitig über Gefahren zu warnen.

Skepsis über Grüne Gentechnik ist verbreitet

Nun würde getestet, ob dieser natürliche Mechanismus der Schädlingsbekämpfung im Versuchsanbau funktioniere, führte Moloney weiter aus. Das Agrarministerium teilte mit, Wissenschaftler seien überzeugt, dass der Feldversuch keine schädigenden Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt haben wird. Während unter europäischen Verbrauchern Skepsis über die Grüne Gentechnik verbreitet ist, hatte die britische Landwirtschaftsministerin Caroline Spelman wiederholt zum Ausdruck gebracht, sie wünsche sich angesichts der wachsenden Herausforderungen an die weltweite Ernährungssicherung eine "wissenschaftlich fundierte" Auseinandersetzung mit der Biotechnologie, berichtet Dow Jones News.

Australien könnte GV-Weizen 2020 auf den Markt bringen

In der EU ist derzeit keine gentechnisch veränderte Weizensorte zugelassen. Allerdings wurden im Zeitraum 1993 bis 2010 insgesamt 36 Anträge (13 Großbritannien, 9 Spanien, 5 Italien, 6 Deutschland, 2 Belgien, 1 Ungarn) auf Freilandversuche mit GV-Weizen gestellt. Entwickelt wurden Sorten mit Resistenzen gegen Unkräuter, Pilze oder veränderte Stärkegehalte.
 
In den USA und Kolumbien wurde jeweils eine GV-Weizensorte als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Der US-Antrag zum Anbau von herbizidtolerantem GV-Weizen wurde 2004 zurückgezogen und die Pläne für eine Markteinführung aufgegeben. Weitere Länder, die GV-Weizensorten züchten, sind Kanada, Argentinien, Japan, China, Australien, Ägypten und die Schweiz. In Australien wird der Anbau von GV-Weizen angestrebt, erste Sorten könnten 2020 auf den Markt kommen. (aiz)
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