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Grünes oder Rotes Gebiet? 6 Defizite bei der Ausweisung korrigieren

Ein Messwagen kontrolliert die Grundwasserqualität
am Montag, 31.08.2020 - 10:45 (1 Kommentar)

Die Bauernverbände fordern, die Bundesverwaltungsvorschrift zur Ausweisung der mit Nitrat und Phosphat belasteten Gebiete ordentlich nachzubessern. Der Bayerische Bauernverband will sogar eigene Regeln für Gebiete mit wenig Regen. Hier sechs Schwachpunkte des bisherigen Entwurfs, der ab heute im Bundesrat beraten wird.

Heute starten die Beratungen der Länderkammer zur Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift für die Ausweisung der Roten Gebiete. Für die Festlegung sollen auch die Ergebnisse eines hydrogeologischen Gutachtens berücksichtigt werden, fordern die Bauernverbände.

Das vom Deutschen Bauernverband (DBV) in Auftrag gegebene Gutachten der Hydor Consult GmbH aus Berlin befasst sich mit zahlreichen Schwachstellen im aktuellen Entwurf der Bundesverwaltungsvorschrift.

1. Wieso soll eine einzige schlechte Messstelle reichen?

Nach derzeitigem Stand sollen auch Gebiete mit solchen Grundwasserkörper, die sich in einem guten Zustand befinden, komplett als Rotes Gebiet ausgewiesen werden, wenn sie nur eine einzige schlechte Messstelle enthalten.

Die Verbände monieren, dass dieser Fakt die Vorgaben der Düngeverordnung massiv verschärft. Das sei nur zu rechtfertigen, wenn die belasteten Bereiche über sogenannte geostatistische Methoden zweifelsfrei identifiziert würden. Das sei jedoch derzeit nicht zwingend vorgesehen, zumal laut Gutachten dafür die Qualität und die Dichte der vorhandenen Messnetze in den Bundesländern oft überhaupt nicht ausreichen.

2. Warum soll nur einmal pro Jahr gemessen werden?

Kritisiert wird zudem, dass der Entwurf der Verwaltungsvorschrift momentan nur eine Messung pro Jahr vorsehe. Um beispielsweise jahreszeitliche Schwankungen entsprechend abbilden zu können, müsse mehrfach pro Jahr gemessen werden. Dabei müsse dann der Mittelwert der Messwerte ausschlaggebend sein für das grüne oder roten Gebiet - und nicht wie aktuell geplant der Höchstwert.

3. Weshalb bleibt der Nitratabbau unberücksichtigt?

In der bisher vorgesehenen Modellierung bleibe zudem der Abbau von Nitrat im undurchwurzelten Boden völlig unberücksichtigt.

„Es kann nicht sein, dass die Landwirte einerseits massive, teils fachlich nicht mehr zu rechtfertigende Verschärfungen in der landwirtschaftlichen Düngepraxis hinzunehmen haben, dies jedoch nur mit unzureichenden Messnetzen, unzureichenden Daten und unzureichenden Modellierungen begründet wird“, sagt Carl von Butler, stellvertretender BBV-Generalsekretär in München.

4. Warum werden die natürlichen Phosphatwerte nicht berücksichtigt?

Bei der Ausweisung der eutrophierten Gebiete mit Belastung durch Phosphat will die bundesweite Vorschrift, dass ein Gebiet rot werden muss, wenn ein regionaler und gewässerabhängiger Phosphateintrag durch die Landwirtschaft in ein Gewässer überschritten wird. Zudem muss die Düngung mehr als 20 Prozent Anteil am Gesamteintrag verursachen.

Dazu stellt das Hydor-Gutachten die vorgeschriebenen Werte in Frage, die je nach Region und Gewässeranteil gelten sollen. Sie liegen teilweise unter den natürlich vorkommenden Werten. Zudem sei die 20-Prozent-Schwelle fraglich.

5. Wie können Rechenmodelle in niederschlagsarmen Gebieten reichen?

Darüber hinaus sieht der Bayerische Bauernverband massiven Änderungsbedarf auch aus ackerbaulicher Sicht. So müssten bei der Ausweisung der Roten Gebiete eigene Lösungen her für Gebiete mit wenig Niederschlag. Die seien bisher nicht entwickelt worden.

6. Warum fließen Daten aus gewässerschonenden Betrieben nicht ein?

Weiter brauche es Möglichkeiten, um laufend einzelbetriebliche Daten von gewässerschonend arbeitenden Betrieben zu berücksichtigen. Ziel der bundeweiten Verwaltungsvorschrift müsse „eine nachvollziehbare, regional differenzierte und verursachergerechte Abgrenzung der Roten Gebiete sein“, so Butler.

Die sei bundesweit nach einheitlichen, rechtssicheren und von der EU-Kommission akzeptierten Maßstäben zu erstellen. Die Bundesländer müssten im Bundesrat alle nötigen Korrekturen umsetzen.

 

Einen ausführlichen Bericht über die künftige Gebietsausweisung lesen Sie in der gedruckten agrarheute-Magazin 9/2020 ab Seite 40 oder im neuen agrarheute-Digitalmagazin.

Mit Material von DBV, BBV
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