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Gülleaufbereitung

Gülle ansäuern: Zitronen- statt Schwefelsäure gegen Ammoniakverluste

Gülle Ansäuern Traktor auf dem Feld
am Dienstag, 07.07.2020 - 08:13 (Jetzt kommentieren)

Das neue Produkt ‚NH3relief‘ senkt gasförmige Stickstoffverluste aus dem Schweinestall und beim Ausbringen von Gülle. Es enthält organische Zitronen- statt Schwefelsäure. Wir haben erste Versuchsergebnisse.

Ammoniak entsteht beim Ausbringen der Gülle auf den Acker und im Stall. Beide Emissionen gilt es künftig weiter zu verringern. Sonst besteht die Gefahr, dass überschüssige Nährstoffe auswaschen, sich Feinstaub bildet oder der Boden versauert.

Ein geringerer Gehalt an Ammoniak (NH3) in der Stallluft ist auch wichtig für die Arbeit im Stall, fürs Tierwohl, für saubere Luft. Vor allem aber hat die Gülle nur dann eine gute Düngewirkung, wenn nicht große Mengen an Stickstoff gasförmig verloren gehen.

Neue Strategie mit Sorbent, um Ammoniakverluste zu senken

Prof.Hans-Werner-Olfs

Ein sogenannter NH3-Sorbent soll Ammoniak in der Stallluft und auf dem Feld binden. Um zu klären, wie gut das funktioniert, stellt ein Team um Prof. Dr. Hans-Werner Olfs von der Hochschule Osnabrück seit anderthalb Jahren Versuche an.

Beteiligt sind Schweinehalter Detlef Kreye aus Großenkneten, die plantus GbR aus Huntlosen als Dienstleister fürs Versuchswesen und die Offizialberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Gegen die NH3-Emissionen beim Gülle-Ausbringen gibt es bislang diese Strategien:

  • schnellstmögliches Einarbeiten der Gülle in den Boden
  • Absenken des pH-Werts in der Gülle mit Schwefelsäure
  • als weitere Möglichkeit wird das Zumischen des NH3-Sorbenten zur Gülle getestet

Gülle-Zugabe organischer Zitronensäure statt Schwefelsäure

Geht ein großer Teil des pflanzenverfügbaren Stickstoffs in der Gülle als Ammoniak verloren, ist er für die Feldfrüchten nicht mehr verfügbar. Um das zu verhindern, lässt sich Schwefelsäure in die Gülle mischen. Dadurch sinkt der pH-Wert. Weniger Ammonium-Stickstoff wird zu Ammoniak umgewandelt.

Dieser Ansatz hat sich jedoch bislang noch wenig durchgesetzt. Der Einsatz von Schwefelsäure stellt nämlich hohe Forderungen an die Arbeitssicherheit. ‚NH3relief‘ dagegen basiert auf organischen Säuren, wie zum Beispiel Zitronensäure.

Wie gut das Produkt wirkt, wurde dieses Jahr im Feldversuch mit Weizen getestet. Folgende drei Varianten wurden genutzt:

  • Gülle ohne Zusatz
  • Gülle plus Schwefelsäure
  • Gülle plus ‚NH3relief‘

Die ersten Ergebnisse lassen darauf schließen, dass das eingemischte ‚NH3relief‘ die Ammoniak-Emissionen ähnlich stark verringert wie Schwefelsäure. Allerdings ist die benötigte Menge deutlich höher. So sind weitere Versuche nötig, um die Effektivität des Produkts als Güllezugabe zu steigern.

Sorbent im Stall schon erfolgreich

In neuen Stallanlagen reinigen zwar meist Ammoniakwäscher die Abluft. Die anfallenden Waschwässer sind jedoch teuer zu lagern, bevor sie sich ausbringen lassen. Mit NH3relief entfällt diese Lagerung, denn Ammoniak wird direkt in der Stallluft gebunden.

Dazu wird es über Düsen fein vernebelt. „Die Menge an Ammoniak, die den Stall über die Abluft verlässt, reduziert sich deutlich“, so Olfs. Das sind die Ergebnisse erster Messungen. „In der Stallluft sind auch weniger Schwefelwasserstoff und Staub“, ergänzt Landwirt Kreye. Das soll in weiteren Versuchen wissenschaftlich überprüft werden. Auch sei der Gestank der Gülle niedriger.

Bis August 2021 Ergebnisse im Forschungsprojekt AmmondMind

Das Forschungsprojekt ‚AmmonMind‘ ist in vier Teilprojekte untergliedert:

  • Reduktion der NH3-Emissionen im Stall
  • Beurteilung der N-Verfügbarkeit von sorbiertem Stickstoff
  • Reduktion der NH3-Emissionen bei der Gülle-Applikation
  • Projektkoordination und Praxistransfer

Es wird mit knapp einer halben Million Euro aus EU-Mitteln des Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) im Programm zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum Niedersachsen und Bremen 2014 bis 2020 und der EU-Innovationspartnerschaft 'Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft' (EIP Agri) gefördert. Es läuft bis August 2021.

Mit Material von Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hochschule Osnabrück

Technikcheck: So funktioniert das Ansäuern von Gülle und Gärresten

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