Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Blog Tobias

Gülle im Wintergetreide: darauf kommt‘s an

Ein Selfie von Tobias vor seinem Güllebehälter
am Donnerstag, 17.02.2022 - 09:35 (Jetzt kommentieren)

Junglandwirt Tobias setzt in seinem Wintergetreide bei der ersten Düngergabe des Jahres auf Gülle. Er erklärt, wo die Herausforderungen liegen und wie er das Problem mit der Befahrbarkeit des Bodens löst.

Hallo zusammen,

wie ihr ja bestimmt wisst, ist seit 2020 bei der Düngung von Getreidebeständen mit Gülle die bodennahe Ausbringung verpflichtend. Um mich mit der Technik vertraut zu machen, habe ich ab 2019 die Gülle im Getreide mit Schleppschuhtechnik ausgebracht – vorher hatte ich selbst keinen geeigneten Schlepper, um solche Technik zu nutzen.

Die Gülletechnik von Tobias Maschinengemeinschaft

Da sich für mich selbst der Kauf eines eigenen Schleppschuhverteilers samt Güllefass ökonomisch nicht darstellen lässt, bin ich einer Maschinengemeinschaft beigetreten. Dabei besitzen mehrere Landwirte aus zwei Landkreisen gemeinsame Gülletechnik:

  • Zwei Fässer mit Breitverteiler
  • Drei Fässer mit Schleppschuhverteiler samt Untenanhängung und Zwangslenkung ausgestattet. Zwei davon haben sogar eine Reifendruckregelanlage.

Gülle in Getreide: Nährstoffe vs. Gewicht

Wenn die erste Düngergabe im Getreide mit Gülle durchgeführt wird, ist das normalerweise eine Herausforderung. Da Güllestickstoff verglichen mit Mineraldüngerstickstoff länger braucht, um pflanzenverfügbar zu sein, besteht Zeitdruck. Denn zum Ablauf der Sperrfrist der Düngung sind die Böden meist feucht oder gar nass. Ein Befahren mit einem Güllegespann bedeutet verglichen zu Schlepper mit Düngerstreuer ein zusätzliches Gewicht von etwa zwanzig Tonnen.

Die Reifendruckregelanlage auf einem Getreidefeld bei der Gülleausbringung

Da Strukturschäden nicht gewollt sind, muss man den geeigneten Zeitpunkt zur Gülleausbringung richtig erwischen. Auf die Tragfähigkeit des Bodens zu warten, klingt allerdings einfacher, als es ist. Denn:

  • Etliche Flächen enthalten kleine oder größere staunasse Bereiche, die man besser überhaupt nicht befährt - oder erst Tage oder Wochen nach dem Rest der Fläche.
  • Das Wetter bringt zudem Niederschläge, die die Befahrbarkeit wieder einschränken oder unmöglich machen.
Somit ist der Zeitpunkt, an dem man einen Acker befahren kann, bei jeder Fläche ein anderer. Das macht die Startgabe per Güllefass zur echten Herausforderung.

Güllesilvester: Vorbereitung ist alles

Umso wichtiger ist es, alle vorbereitenden Maßnahmen erledigt zu haben, um dann die Gülle auch gleich ausbringen zu können, wenn der Boden soweit ist. Klar, dass ich die Düngebedarfsermittlung und N-Min Proben bereits abgehakt hatte, ehe die Sperrfrist ablief. Ein Güllefass war rechtzeitig gebucht und bereits am Betrieb. Den Güllebehälter hatte ich bei geeignetem Wetter – also Regen – aufgerührt. Und dann hieß es: warten und fahren. Und warten, und fahren.

Befahrbarkeit oft tückisch

Seit dem Ende der Güllesperrfrist am 1. Februar habe ich an fünf Tagen Gülle ausgebracht. Oft nur ein paar Stunden, denn der Boden sollte nicht an den Reifen kleben. Ein halber Tag Wind macht den Boden oberflächlich schon mal trockener als drei regenfreie Tage ohne Sonnenschein. Entlang der Wohnbebauung habe ich bei Regen gefahren. Wege und Straßen wurden trotzdem nicht verschmutzt. Die konkurrierenden Ziele lassen grüßen ...
Der halb leere Güllebehälter von Tobias.

Vor dem Fahren ist bei vielen Flächen das vorherige Erkunden zu Fuß momentan Pflicht. Denn wo die Schuhe einsinken, kann man sich einen Versuch mit dem Schlepper getrost sparen. Gerade auf Sandboden kann dabei allerdings eine oberflächliche Tragfähigkeit tückisch sein, wenn dann 30 cm unter der Oberfläche das Wasser steht. Da hilft nur Erfahrung mit der Fläche.

Die Stelle, an der sich Tobias mit dem Güllefass im Acker fast festgefahren hat.

Doch auch die hilft nicht immer: Auf einem Acker hatte ich mich verschätzt und habe mit halb vollem Fass eine Stelle befahren, die nicht tragfähig war. Eine Tonplatte. Gerade so konnte ich mich ohne fremde Hilfe wieder rückwärts herauswühlen. Nur wenige Meter weiter ist der Acker so sandig, dass die Befahrbarkeit überhaupt keine Herausforderung darstellt. Nach dem Erlebnis ist mir klar: Auf mir fremden Äckern würde ich derzeit definitiv keine Experimente starten.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Tobias

Samson, Kotte, Joskin und Co.: Die Gülletechnik der Landwirte

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...