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Getreide

Heftige Turbulenzen am Weizenmarkt

von , am
09.08.2010

Frankfurt/Paris - Die Preisausschläge an den internationalen Weizenmärkten werden immer heftiger. Am Donnerstag mussten für neuerntigen Matif-Weizen in der Spitze 236 Euro/t bezahlt werden - fast 100 Euro/t mehr als noch vor sechs Wochen.

Das neue Jahreshoch wurde in Paris markiert, nachdem das dürregeplagte Russland Minuten zuvor einen befristeten Exportstopp verkündet hatte.

An diesem Handelstag wurden quer durch alle Laufzeiten fast 75.000 Weizenkontrakte gedreht, was einer physischen Menge von 3,75 Millionen Tonnen entspricht.

Keine 24 Stunden später sind die Weizenpreise dann regelrecht unter die Räder gekommen: Der am Freitagmittag einsetzende Preisrutsch konnte beim November-Weizen erst durch die Schlussglocke bei 209,50 Euro/t gestoppt werden.

Schwarzmeerländer: Undurchsichtige Exportpolitik verunsichert Terminhändler

Als Auslöser für den Crash haben Marktbeobachter diesmal das benachbarte Kasachstan ausgemacht, wo man verlauten ließ, sich dem Moskauer Exportstopp zumindest vorerst nicht anschließen zu wollen. Rätsel gibt bisher die Exportpolitik der Ukraine auf. Sollten die Weizenausfuhren entgegen den Beteuerungen der Kiewer Regierung demnächst doch beschränkt werden, könnte dies den nächsten Höhenflug beim Matif-Weizen auslösen.

FAO rechnet nicht mit Weizenverknappung

Zu Wochenbeginn hatte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) noch vergeblich versucht, die überhitzten Weizenmärkte zu beruhigen. Die UN-Organisation hatte darauf hingewiesen, dass man nicht mit einer Verknappung beim weltweit wichtigsten Nahrungsgetreide rechnet.

Chicago: Futterweizen rutscht ins 'Limit Down'

Am späten Freitagabend ist der an der Welt-Leitbörse von Chicago gehandelte Futterweizen ins "Limit Down" gegangen. Das ist das größtmögliche Tagesminus, bei dem der Handel zur Marktberuhigung vorrübergehend ausgesetzt wird. Das lässt Analysten zufolge am heutigen Montag keine freundliche Eröffnung an der europäischen Leitbörse Matif erwarten.

Eurex: Kursausschläge bei Kartoffel-Futures minimal

Gemessen am Weizen waren die Kursausschläge bei den an der Frankfurter Eurex gelisteten Kartoffel-Futures minimal. Verarbeitungsware zur Andienung im April 2011 verbilligte sich unter dem Strich um 20 Cent auf 20,40 Euro/dt, wobei die psychologisch wichtige 20-Euro-Marke zwischenzeitlich nach unten durchbrochen worden war. (AgE)

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