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Getreide

Herbizide richtig eingesetzt

Herbizidbehandlung
© agrar-press
von , am
21.09.2011

Beim Einsatz von Herbiziden spielen sowohl der Entwicklungsstand der Pflanzen, als auch die Temperaturen eine große Rolle. So machen Sie es richtig.

Trotz höherer Hektarerträge soll die deutsche Getreideernte wohl nur unterdurchschnittlich ausfallen. © agrar-press
Einsatz von Bodenherbiziden im Vorauflauf bis frühen Nachauflauf des Wintergetreides
 
Mit dem frühen Einsatz von Bodenherbiziden sollte die Unkrautkonkurrenz im Herbst ausgeschaltet werden. Bei trockener Bodenoberfläche ist die Wirkung des Flufenacets, Pendimethalins und des Prosulfocarbs stark eingeschränkt, andererseits keimen die Ungräser, vor allem der Ackerfuchsschwanz im trockenen Boden schneller als das Getreide, weil die kleineren Samen weniger Wasser zum Keimen brauchen.

Wann Herbizide eingesetzt werden sollten

Der Einsatz von Herbiziden im Herbst sollte auf jeden Fall durchgeführt werden, wenn die Unkrautkonkurrenz zu einer Beeinträchtigung der Entwicklung des Getreides führt, eine Bekämpfung im Frühjahr nicht mehr oder nur noch mit hohem Aufwand möglich ist, der Herbizideinsatz im Frühjahr mehr Risiko für das Getreide bedeutet.
 
Das ist der Fall, wenn das Getreide vor Winter begonnen hat, sich zu bestocken und der Herbizideinsatz im Frühjahr in das Doppelring-Stadium fallen würde.
 
Vorsicht bei auswinterungsgefährdeten Standorten
 
Andererseits ist in stark auswinterungsgefährdeten Standorten der Einsatz von Bodenherbiziden, insbesondere von diflufenikan-, flufenacet-, pendimethalin- und prosulfocarbhaltigen Mitteln in Frage zu stellen, weil dadurch die Frostempfindlichkeit ansteigt. Am wenigsten negativ auf die Winterhärte wirken sich noch das IPU und Sulfonylharnstoffe sowie FOP/DEN-Mittel aus, soweit sie wenigstens zwei bis drei Wochen vor Vegetationsende ausgebracht werden, und somit noch entgiftet werden können. Die chloquintocethaltien FOP/DEN-Mittel können sogar bis unmittelbar an eine Frostperiode gespritzt werden.
 
Problemstandorte mit FOP-Resistenz
 
Bei unsicherer Bodenfeuchte, das heißt wenn die Böden über Nacht nicht mehr Feuchtigkeit ziehen, ist die Wirkung des Flufenacet (FFA) stark eingeschränkt. In diesem Fall kommt es zu teuer, auf eine volle Fuchsschwanzwirkung der Bodenherbizide zu setzen und trotzdem nachspritzen zu müssen. Andererseits bewirkt das FFA eine Entwicklungsverzögerung auch der nicht 100 %ig ausgeschalteten Ungräser. Damit trifft die eventuell notwendige Nachspritzung auf physiologisch jüngere Pflanzen, die leichter ausgeschaltet werden. Deshalb sollte auf Problemstandorten mit FOP-Resistenz in jedem Fall eine Vorlage von FFA im Vorauflauf bzw. frühen Nachauflauf erfolgen.
 
Auf Standorten ohne FOP-Resistenz bietet sich die Kombination Flufenacet bzw. Diflufenikan+Flufenacet mit Pinoxaden+Cloquintocet bzw. mit Pinoxaden+Clodinafop+Cloquintocet an, wenn der Ackerfuchsschwanz das 3- bis 4-Blattstadium erreicht hat. Erhöhte Flufenacet-Mengen alleine bringen keine bessere Wirkung auf den bereits aufgelaufenen Ackerfuchsschwanz.

Späte Nachauflaufbehandlung im Herbst

Die Herbizid-Spritzung im späten Nachauflauf sollte unabhängig von einer Vorlage (VA/NAK) dann durchgeführt werden, wenn das Getreide bereits im Bestocken ist und mehr als 20 Windhalm- oder 30 Ackerfuchsschwanzpflanzen pro Quadratmeter gezählt werden, die zur Konkurrenz im Bestand werden. Bei dieser Besatzdichte ist es wirtschaftlich, die (Rest-) Verungrasung bereits im Herbst auszuschalten. Die Unkrautkonkurrenz wirkt sich in dicht gesäten Beständen stärker bestandesdezimierend aus.
 
In der Gerste kann der Ackerfuchsschwanz nur mit Pinoxaden+Cloquintocet im Herbst behandelt werden. Die Wirkung dieser Kombination fällt im Frühjahr gegen weiter entwickelte Ungräser stark ab. Bei geringerem Ackerfuchsschwanzbesatz ist die Bekämpfung im zeitigen Frühjahr im Weizen mit Mesosulfuron+Iodosulfuron oder mit Florasulam+Pyrosulam (Ackerfuchsschwanz maximal beginnende Bestockung), sicherer, weil damit auch der über Winter und im zeitigen Frühjahr auflaufende Ackerfuchsschwanz (+ Windhalm) erfaßt wird.
 
Die Herbizidmaßnahme mit Mesosulfuron+Iodosulfuron sollte 14 Tage bevor mit anhaltenden Nachtfrösten (unter -5 °C) zu rechnen ist abgeschlossen sein. Das Pinoxaden+Cloquintocet oder Pinoxaden+Clodinafop+Cloquintocet kann bis drei Tage vor Nachtfrost (unter -5 °C) gespritzt werden. Durch die Zugabe des Safeners wird das Mesosulfuron+Iodosulfuron im Weizen schneller entgiftet.
 
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